Robert Forrer (1922–2015)

Nach einem reich erfüllten Leben verstarb alt Stadtammann von Lichtensteig, Robert Forrer, am 17. August in seinem 93. Lebensjahr. Mit ihm verliert Lichtensteig seinen Ehrenbürger, engagierten Arbeiter fürs Gemeindewohl und verdienten Archivaren.

Fridolin Eisenring, Nachfolger Als Stadtammann
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Robert Forrer hat in Lichtensteig während 73 Jahren gewirkt. (Bild: pd)

Robert Forrer hat in Lichtensteig während 73 Jahren gewirkt. (Bild: pd)

Nach einem reich erfüllten Leben verstarb alt Stadtammann von Lichtensteig, Robert Forrer, am 17. August in seinem 93. Lebensjahr. Mit ihm verliert Lichtensteig seinen Ehrenbürger, engagierten Arbeiter fürs Gemeindewohl und verdienten Archivaren.

73 Jahre Einsatz für Lichtensteig

Robert Forrer hat in Lichtensteig während unglaublichen 73 Jahren gewirkt. 1939 begann er als Lehrling und dann als Kanzlist. 1945 erfolgte die Wahl zum Gemeinderatsschreiber und von 1968 bis 1988 hatte er das Vertrauen der Mitbürger als Stadtammann. Bei der Amtsübergabe 1988 sagte er, mit EDV habe er nichts am Hut.

Und siehe da, er widmete sich der Aufarbeitung des Gemeindearchivs und die Registrierung war nur mit dem Computer flexibel genug und er erreichte grosse Vertrautheit mit der neuen Technologie. Er organisierte das Archivwesen in neun Gemeinden und zwölf Vereinen. Es war für ihn keine Frage, auch die Archivierung von katholischen Kirchgemeinden zu übernehmen. Was gab ihm die Kraft für diese unendlich grosse Feinarbeit? Er sagte: «Es fasziniert mich, das Leben und Arbeiten zu sichern. Dies mit Urkunden seit 1400 und Ratsbüchern seit 1534, die Thematik hat mich gefangen.» 1991 überreichte ihm der Lichtensteiger Gemeinderat in Dankbarkeit den Goldenen Schlüssel des Stadtarchivs für das grosse ehrenamtliche Wirken.

Stadtentwicklung als Aufgabe

Die positive Entwicklung des Städtli war Robert Forrer ein Hauptanliegen. Ihr widmete er seine ganze Arbeitskraft, ohne Bürozeiten zu kennen. In seine Amtszeit fällt die Eröffnung der Umfahrungsstrasse Lichtensteig. Ein Meilenstein in der Geschichte, welcher sich auf die Lebensqualität massgeblich auswirkte. Er leistete dabei mit seinem Verhandlungsgeschick, seiner Hartnäckigkeit und Intelligenz einen wichtigen Beitrag zur Realisierung dieses Jahrhundertprojektes. Stolz berichtete mir Robert Forrer von seinem Besuch bei Bundesrat Tschudi in Bern, wo er das Verständnis der Bundesbehörden für die Umfahrung erreichte.

Im Mittelpunkt von Robert Forrers Schaffen stand immer die historische Altstadt. In der Pflege, dem Unterhalt und der Dokumentation der alten Gebäude fand er seine grosse Leidenschaft, seine Erfüllung und Berufung. Die Baugeschichte und die Geschichten der Menschen, welche in den alten Häusern lebten, faszinierten, ja fesselten ihn geradezu. Dieser Einsatz zahlte sich aus, denn Lichtensteig wurde vom Europarat für die gute Stadtbildpflege ausgezeichnet. Diverse Liegenschaften in der Altstadt wurden in dieser Zeit vorbildlich saniert, erneuert oder wiederhergestellt. Als Paradebeispiele können das Bezirksgebäude, das Rathaus mit den neuen Erkern oder das alte Rathaus genannt werden. Mit Herzblut hat er den Wiederaufbau der fünf Brandobjekte an der Hauptgasse, ebenso nach dem Brand der Liegenschaft Krone (heute Klubschule) und die Restaurierung des Bezirksgebäudes geleitet.

Dies schloss nicht aus, dass er auch die zeitgemässe Entwicklung mit Neubauten und die beiden Kirchenbauten förderte. Am 18. Juni 2010 wurde ihm für seine grossen Verdienste der Anerkennungspreis der St. Gallischen Kulturstiftung überreicht. Neben diesen grossen Aufgaben war er über Jahrzehnte als patentierter Grundbuchverwalter tätig und engagierte sich in Organisationen in der Gemeinde und in der Region, denken wir nur an die Alterssiedlung, das Pflegeheim Bütschwil und den Bezirksschulrat.

Mit Rückgrat und Humor

Ich habe Robert Forrer nicht im Toggenburg, sondern auf einer Reise der St. Gallischen Gemeindammännervereinigung nach Lindau zum ersten Mal getroffen. Da sassen wir in froher Runde und der Stadtammann von Lichtensteig sprühte im Kreise seiner Kollegen vor Humor. Humor blitzte auch immer wieder nach Sitzungen und getaner Arbeit auf. Als ich dann sein Nachfolger wurde, lernte ich bei ihm weitere Charaktereigenschaften kennen.

Seinen Mitbürgerinnen und Mitbürgern begegnete er immer korrekt und er verfolgte eine gradlinige Politik immer mit dem Gemeinwohl als Richtlinie. Wenn es an der Zeit und notwendig war, konnte er auch auf den Tisch klopfen und sich durchsetzen.

Alle, die Robert Forrer begegnen und mit ihm zusammenarbeiten durften, und die Einwohnerinnen und Einwohner von Lichtensteig sind ihm für sein umfassendes Wirken dankbar. Ein gütiges Schicksal hat ihn davor bewahrt, dass er den Tod seines Sohnes nur zwei Tage nach seinem eigenen Hinschied erleben musste.

Behalten wir Robert Forrer als herausragende Persönlichkeit in treuer Erinnerung.