RICKEN-LOIPE: Nun laufen die Wildschützer auf

Die umstrittene Loipe und Winterwanderpiste vom Skilift Bildhaus zur Alp Wissboden wird weiterhin gespurt. Dennoch haben die Gemeinden Gommiswald und Wattwil einen runden Tisch einberufen. Denn in dem Gebiet ist der Wildtierbestand massiv zurückgegangen.

Christoph Leiber
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Dass die Loipe und Winterwanderpiste vom Skilift Bildhaus zur Alp Wissboden weiterhin gespurt wird, passt zwar den Wintersportlern, nicht aber den Wildschützern. (Bild: PD)

Dass die Loipe und Winterwanderpiste vom Skilift Bildhaus zur Alp Wissboden weiterhin gespurt wird, passt zwar den Wintersportlern, nicht aber den Wildschützern. (Bild: PD)

Ein Konflikt um eine Loipe und Winterwanderpiste erhitzte in den vergangenen Wochen die Gemüter. Alpwirt Willy Britt fürchtete um die Spur, die der Verein Rickenloipe an schneereichen Wochenenden vom Parkplatz Bildhaus zu seiner Wirtschaft auf dem Wissboden unterhalb des Regelsteins anlegt (Ausgabe vom 24. Oktober). Jagdkreise hatten die Piste ins Visier genommen, weil der Wildtierbestand in dem Gebiet stark unter Druck gekommen war. «Vor allem bei den Rehen sind die Zahlen in den letzten Jahren rapide zurückgegangen», berichtet Heinz Kaufmann, Obmann der Jagdgesellschaft Gommiswald.

Rechtsgrundlage fehlt

Wie nun bekannt geworden ist, kann Willy Britt aufatmen. Denn der Verein Rickenloipe wird die Spur nach Auskunft von Vorstandsmitglied Manuel Rüegg weiterhin präparieren. Dies ist auch sein gutes Recht: «Für ein Verbot gibt es zurzeit keine gültige Rechtsgrundlage», bestätigt Regionalförster Rolf Ehrbar. Fakt ist: Der Waldentwicklungsplan für Gommiswald aus dem Jahr 2005 bezeichnet die Piste als Gegenstand eines offenen Konflikts. Dies bedeutet jedoch nur, dass die beteiligten Seiten das Problem im Auge behalten und bei Bedarf neu beurteilen müssen (siehe Infokasten). Aufheben könne die Loipe unter diesen Gegebenheiten einzig der Verein selbst durch einen freiwilligen Verzicht, erläutert Ehrbar.

Um in dem Konflikt doch noch nach einer Lösung zu suchen, berufen die Gemeinden Gommiswald und Wattwil jetzt einen Runden Tisch ein. Die Gemeinde Wattwil ist deshalb mit beteiligt, weil der Wissboden und das letzte Teilstück der Spur auf ihrem Gebiet liegen. An dem Gespräch teilnehmen werden die Gemeindepräsidenten, die beiden zuständigen Regionalförster, der für das Gebiet verantwortliche Wildhüter, ein Vertreter des Loipenvereins und Alpwirt Willy Britt. Geleitet wird die Runde vom Wattwiler Gemeindepräsidenten Alois Gunzenreiner, der in den Konflikt bis jetzt nicht involviert war.

Willy Britt war nicht eingeladen

Genau hier liegt ein wichtiger Grund, weshalb sich die Diskussion emotional aufgeladen hat. Weil der Wattwiler Waldentwicklungsplan die Piste nicht als Konfliktpunkt aufführt, wurde ihre Zukunft bis anhin nur in Gommiswald thematisiert. Als Wattwiler Alpwirt war Willy Britt zu den Gesprächen nicht eingeladen. Erst nachträglich erfuhr er davon. Daraufhin wandte er sich mit schweren Vorwürfen an die «Südostschweiz» und animierte seine Stammgäste zu Leserbriefen, welche die Zeitungsspalten füllten.

Der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner will die Diskussion nun auf die Sachebene zurückholen. Er sagt: «Mein Ziel besteht darin, dass wir zuerst eine Auslegeordnung über die Gemeindegrenzen hinweg machen und uns dann ergebnisoffen einer Lösung an- nähern.»

Standpunkte liegen auseinander

Recherchen zeigen allerdings, dass die Standpunkte in dem Konflikt weit auseinander liegen. Der Loipenverein und Britt stellen sich klar gegen eine Aufhebung der Piste. Sie lehnen auch den Plan ab, den eine Arbeitsgruppe aus Gommiswald vorschlägt. Dieser sieht vor, während eines Winters versuchsweise auf die präparierte Spur zu verzichten. «Der Versuch könnte Aufschluss darüber geben, wie sich die Pistenpräparation auf das Verhalten der Wildtiere auswirkt», erklärt Wildhüter Benedikt Jöhl, der in der Gruppe mitwirkt. Jäger-Obmann Heinz Kaufmann vermutet, dass die Loipe zu viel Unruhe in die Wildlebensräume bringt, die sie durchschneidet. Willy Britt hält den geplanten Versuch für einen Vorwand: «Die kennen das Ergebnis doch schon im Voraus. Denen geht es nur darum, die Loipe zu schliessen.» Für den Alpwirt ist klar, dass der Luchs und das Wildschwein am Rückgang bei den anderen Tierarten schuld sind.

Für den Wildhüter greift diese Erklärung zu kurz. Denn an den meisten Orten im Raum See-Gaster seien die Bestände trotz der Luchse und Wildschweine nicht rückläufig. «Wir kennen noch nicht alle Faktoren, die den Wildtieren in dem speziellen Gebiet zusetzen. Genau deshalb wollen wir die Situation untersuchen», betont Benedikt Jöhl. Entschieden weisen er und der Gommiswalder Gemeindepräsident Peter Hüppi den Vorwurf zurück, dass der vorgeschlagene befristete Versuch ein abgekartetes Spiel sei.

Wirtschaftliche Interessen

Gegen die wirtschaftlichen Interessen von Willy Britt und des Loipenvereins werden die Wildschützer am Runden Tisch jedoch einen schweren Stand haben. Der Alpwirt erhält durch die Spur eine attraktive Zugangsroute, die auch bei viel Schnee gut begehbar ist – attraktiver und kürzer als die Fahrstrasse vom Dorf Ricken aus. Dem Loipenverein spülen die sechs Kilometer zum Wissboden Geld in die Kasse, weil der Verband Loipen Schweiz ihn nach der gespurten Strecke entschädigt. Dies, obschon nach Einschätzung von Vorstandsmitglied Manuel Rüegg nur rund 50 Personen pro Saison die knapp 400 Höhenmeter auf Langlaufskiern zurücklegen.

Derzeit sieht es danach aus, dass einzig der Klimawandel die Zukunft der Loipe vom Skilift Bildhaus zur Alp Wissboden gefährden könnte. Denn wie Gemeindepräsident Peter Hüppi hierzu erklärt, plant die Gemeinde Gommiswald im Moment keinen Rechtserlass, um diese Pistenpräparation zu verhindern.

Waldentwicklungspläne in St. Gallen

Die Kantone erstellen in Zusammenarbeit mit den Gemeinden Pläne, wie die Wälder genutzt und gepflegt werden sollen. Ziel ist es, die Schutzbedürfnisse der Natur und die Interessen des Menschen wie Holznutzung und Freizeitgestaltung optimal aufeinander abzustimmen. Im Kanton St. Gallen werden die Planungsprozesse von den Regionalförstern geleitet. Die Bevölkerung hat die Möglichkeit, bei den Verfahren mitzuwirken.

Nach spätestens 20 Jahren müssen die Ergebnisse überprüft werden. Dies gilt insbesondere für offene Konfliktpunkte, für die keine Lösung gefunden werden konnte. Die Loipe vom Parkplatz Bildhaus zur Alp Wissboden gehört dazu.