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RHEINTAL: Grenzwächter wollen mehr «Jäger»

Abgesehen von Au sind die Grenzübergänge nicht durchgehend besetzt. Um zu sehen, ob damit in der Nacht der grenzüberschreitenden Kriminalität Tür und Tor geöffnet sind, ging unsere Zeitung mit auf Patrouille.
Kurt Latzer

Kurt Latzer

Es ist früher Abend: Übergabe und Lagebesprechung zum Schichtwechsel beim Übergang St. Margrethen. Während die ­einen Grenzwächter den «Schlachtplan» für die nächsten Stunden besprechen, sehen zwei andere auf dem Zollplatz nach dem Rechten. Bevor es auf Patrouille geht, bleibt etwas Zeit für ein Gespräch mit Martin Tschirren, Mediensprecher der Grenzwachtregion III. «Diese Nacht ist eine Patrouille im Abschnitt Süd im Einsatz und zwei Mann im Abschnitt Nord», sagt der Grenzwächter. Einzig der Übergang Au bleibt die ganze Nacht über besetzt. Ein Mann und eine Frau sind in dieser Nacht zur Schicht eingeteilt. Sie spielen in dieser Nacht eine zentrale Rolle. Denn die beiden behalten in der ­Zentrale alle Grenzübergänge ­genau im Auge. Die Posten sind videoüberwacht. Nähert sich in der Nacht an den Übergängen Schmitter oder Wiesenrain ein Auto mit rumänischen oder bulgarischen Kennzeichen, läuten bei den Patrouillen die Alarm­glocken. «Weder Schmitter noch Wiesenrain zeigt es auf einem Na- vigationsgerät an. Diese Grenzübergänge muss man kennen», sagt Martin Tschirren.

Die Jagd beginnt direkt beim Zollamt

Die erste, geplante Patrouillenfahrt von St. Margrethen nach Au fällt ins Wasser. Während zwei Grenzwächter an einem Kleintransporter mit Autos auf dem Trailer beschäftigt sind, schlendert ein junger Mann von Höchst Richtung Zollplatz. Er schwankt leicht. Weil der Schweizer keinen Ausweis dabei hat, wird er etwas genauer unter die Lupe genommen. Dabei kommen ein paar Gramm «Gras» und ein Joint zum Vorschein: Der junge Mann beginnt zu randalieren, als man ihm die Konsequenzen eröffnet. Zwei Grenzwächter sind bei ihm. Noch immer steht der junge Mann an der Wand. Die Wahl zwischen 100 Franken Busse und dem ­Besuch der Kantonspolizei fällt dem Drogenbesitzer schliesslich leicht. Er zahlt und geht maulend seines Weges, die Betäubungsmittel werden ein- gezogen.

Studentinnen und Prostituierte zugleich

Eine europaweite Fahndung nach Menschenschmugglern, vor allem von Kindern, ist an diesem Abend ein Thema. Alle Klein­tranporter fallen ins Suchraster. Gegen 22.30 Uhr rollt ein Minibus zum Auer Zoll. Polnisches Kennzeichen, Fahrzeug voller junger Frauen. Abgesehen vom Chauffeur. Die Kontrolle ist schnell abgeschlossen. «Meist Studentinnen, die sich in der Schweiz ihr Studium mit Prostitution verdienen», sagt Martin Tschirren. Viele solche Trans- porte passierten die Rheintaler Grenzen; mit den Arbeitsbewilligungen und den anderen Dokumenten sei meist alles in Ordnung.

Den «Jägern» entgeht fast nichts

«Wir alle sind Jäger. Mit Leib und Seele», sagt der GWK-III-Mediensprecher auf der Fahrt zum «Rhybähnli-Kreisel» vor der Diepoldsauer Schrägseilbrücke. Dort haben sich sein Begleiter und er mit einer weiteren Patrouille verabredet. Alle Fahrzeuge werden kontrolliert, von und in Richtung Vorarlberg. «Rumänisches Auto beim Wiesenrain», ist im Funk zu hören: Die zweite Patrouille verabschiedet sich. Nicht einmal 20 Minuten später begleitet der dunkelblaue Grenzwacht-BMW den Rumänen zur Autobahneinfahrt: «Nichts dabei, alles in Ordnung», ruft einer der Grenzwächter. Der Fahrer der Patrouille ist sichtlich genervt. Den «Jägern» ist ein bulgarischer Lieferwagen bei der Ausreise über die Wiesenrain­brücke durch die Lappen gegangen. «So ist es eben. Wären wir mehr Leute, hätten wir den erwischt, könnten viel effizienter arbeiten», sagt der Grenzwächter. Im Vergleich: 1957 gab es in der Schweiz 2000 Grenzwächter: gleich viele wie heute. Jeder kann sich selber einen Reim darauf machen, um wie viel der Waren- und Personenverkehr in diesem Zeitraum, in dem sich zudem viele Grenzen in Europa geöffnet haben, zugenommen hat. Wie sich zeigt, geben die vier Grenz­wächter und eine Grenzwächterin in dieser Nacht alles. Immer wieder gibt es in Au Kontrollen, auch Drogentests. Um 2.20 Uhr kommt die Mitteilung: «Porsche mit Zürcher Nummer hat ohne anzuhalten die Grenze passiert.» Die Patrouille beim Rhybähnli-Kreisel bereitet sich vor. «Ausweise bitte. Woher kommen Sie und was haben Sie an Waren dabei?», heisst es gut fünf Minuten später.

Nächtliche Patrouillen nicht selbstverständlich

Den mattschwarzen Porsche haben die Grenzwächter auf einen kleinen Parkplatz gelotst, wo er genauer untersucht wird. Die ­Insassen des Autos waren «kurz in Köln, etwas einkaufen.» Das GWK begleitet die beiden zum Zollamt in Au. Für knapp 1700 Franken haben die Zürcher Kleider und Schuhe dabei. Hätten sie das Einfuhrformular ausgefüllt und beim Zollamt Diepoldsau in den Briefkasten gesteckt, wären sie straffrei davon gekommen. So haben die Schmuggler etwa 120 Franken Mehrwertsteuer und über 200 Franken Busse zahlen müssen. Wieder geht es auf Streife. Dieses Mal nach Rheineck und dann ins Bruggerhorn in St. Margrethen. In dieser Nacht bleibt es ruhig. Bei den Patrouillen und beim Grenzübergang Au. In den letzten acht Stunden hat sich gezeigt: In dieser Nacht waren die Rheintaler Grenzen zwar nicht besetzt, allerdings sehr gut überwacht. Das aber ist nicht selbstverständlich. «Sind wir in Buchs mit Migranten beschäftigt, gibt es in der Nacht im Rheintal kaum Patrouillen», sagt Martin Tschirren.

Umso mehr freute sich der Grenzwächter aus Leidenschaft letztes Jahr über die 40 neuen ­«Jägerinnen» und «Jäger». Die für nächstes Jahr versprochenen zusätzlichen 44 Grenzwächter hat der Bundesrat aus Spargründen gestrichen. Dieser Entscheid hat dem Bundesrat in den ver­gangenen Wochen einige Kritik beschert. Martin Tschirren möchte die Sparmassnahmen nicht kommentieren.

«Freude darüber herrscht allerdings nicht» bei den Leuten, die 365 Tage im Jahr rund um die Uhr unsere Grenzen überwachen.

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