Revanche mit zweitem Einzeltitel

Rahel Aschwanden sichert sich an der Tischtennis-SM in Zug mit Schwester Mirjam als Coach Gold im Einzel und Doppel. Nun bereitet sich die Wahl-Wienerin auf die WM in China vor, wo sie bereits dreimal war. Zweimal im Trainingslager und einmal an einem Wettkampf.

Urs Huwyler
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Rahel Aschwanden hat an der SM Gold im Einzel, Doppel, zwei Pokale und Blumen gewonnen. (Bild: Urs Huwyler)

Rahel Aschwanden hat an der SM Gold im Einzel, Doppel, zwei Pokale und Blumen gewonnen. (Bild: Urs Huwyler)

TISCHTENNIS. Die Meldung, Tischtennisspielerin Rahel Aschwanden (Bütschwil) sei zum zweiten Mal Einzel-Schweizer-Meisterin geworden, wird an einem Sportwochenende mit Nordisch-WM, Tennis, Fussball und Eishockey national mehr oder weniger zur Kenntnis genommen. Dabei glänzt nicht jede Goldmedaille gleich. Der zweite Einzel-Titel (siebter insgesamt) lässt die vom Talent zur Spitzenspielerin aufgestiegene Toggenburgerin noch mehr strahlen als der Sieg bei der Premiere. Im Final stand ihr 2013 Laura Schärrer, die damalige Nummer drei, gegenüber. Sie hatte die Favoritin Rachel Moret im Halbfinal ausgeschaltet.

Diesmal kam es wie im Vorjahr und 2012 (Siegerin jeweils Moret) erneut zum Duell der A-Kader-Kolleginnen. Etwas überraschend setzte sich Rahel Aschwanden relativ sicher mit 4:2 (11:5, 11:9, 7:11, 12:10, 8:11, 11:5) durch.

Im vierten Satz lag die Nummer zwei gegen die auf der Weltrangliste vor ihr liegende Titelverteidigerin (190:220) 8:10 zurück – und entschied den Durchgang nervenstark doch noch 12:10 für sich. «Das war eine entscheidende Phase. Statt 2:2 stand es 3:1 für mich», erzählt die neue Meisterin, die sich über den Sieg, aber besonders über sich selbst freute.

Titel dank starker Leistung

Im Final gegen Linkshänderin Moret agierte Rahel Aschwanden so, wie es ihr im Training oft gelingt. Im Wettkampf klappte die Umsetzung allerdings bis zur SM 2015 kaum. Doch nun gelang die Revanche. «Rachel wurde von meiner offensiven Spielweise wie einige Beobachter überrascht. Es war wohl eines meiner besten Spiele. Mir gelang es auch, mit der Rückhand und dem Aufschlag, Druck zu erzeugen. Ich habe den Titel dank einer starken Leistung erreicht. Deshalb hat er eine spezielle Bedeutung und freut mich besonders», darf die auch von Nationaltrainer Samir Mulabdic gelobte Profispielerin zufrieden feststellen.

Doppel-Erfolgsserie fortgesetzt

Eine Stunde zuvor hatten Aschwanden/Moret ihre Erfolgsserie im Doppel (vierter Titel), ohne gefordert zu werden, fortgesetzt. Doch im Zentrum stand das Direktduell, in dem die 40:60-Aussenseiterin mit einem unkonventionellen Coaching aufwartete.

Sie vertraute auf ihre Schwester Mirjam, die zwar als Sportstudentin grundsätzlich viel von der schönsten Nebensache der Welt versteht, aber mit Tischtennis etwa so vertraut ist wie jeder polysportiv interessierte Zeitgenosse. 2014 zog Rahel Aschwanden allein in den Kampf, diesmal mit familiärer Unterstützung.

Vertrauensperson und Coach

Die Kombination bewährte sich nicht zuletzt, weil die smashende Psychologiestudentin die Spielweise von Rachel Moret kennt. Rahel A. brauchte keine schwesterlichen taktischen und technischen Tips, sondern eine Vertrauensperson an ihrer Seite. «Ich konnte ihr in den Pausen sagen, was ich tun muss. Das half, weil ich mich wieder auf den Match konzentrieren konnte. Und Mirjam versteht nun den Tischtennissport besser», erklärt die Meisterin den geglückten unkonventionellen Schachzug mit einem herzhaften Lachen. An die WM nach China darf die Schwester – die Welt ist ungerecht – nicht mitreisen. Dann übernimmt wieder Samir Mulabdic das Coaching.

Die dritte China-Reise

Bis zum WM-Abenteuer in Suzhou wird Rahel Aschwanden unter anderem den Obersee-Cup in Rapperswil-Jona (14./15. März) und die Aufstiegsspiele mit Weil am Rhein (De) in die 2. Bundesliga bestreiten. «Nach China fliege ich inzwischen zum dritten Mal. Bisher zweimal für Trainingslager, nun erstmals zu einem Wettkampf. Die Weltmeisterschaft dürfte ein spezielles Erlebnis werden», weiss die Wahlösterreicherin.

Keine Rückkehr zur NLA

Zuvor könnte sich entscheiden, bei welchem Club die nach wie vor in der Werner Schlager Academy (Wien) trainierende neue Schweizer Meisterin künftig die Meisterschaft bestreiten wird. Das Team von Weil am Rhein dürfte sie verlassen, sollte der Aufstieg in die 2. Bundesliga misslingen. Ein Transfer wäre beispielsweise innerhalb von Deutschland, nach Frankreich (Rachel Moret spielt dort) oder ein anderes Nachbarland denkbar. Auch in Österreich spielten schon Schweizerinnen. Eine Rückkehr zu einem NLA-Team in der Schweiz schliesst Rahel Aschwanden jedoch aus.

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