REUTE: Seit acht Jahren in der Gewinnzone

Die Gemeinde hat auch 2016 gut «gschäftet» und statt eines Verlustes einen Gewinn gemacht. In das Alters- und Pflegeheim Watt wird investiert, auch wenn die Finanzen noch nicht dort sind, wo sie sein sollten.

Monika Egli
Merken
Drucken
Teilen
Das «Zentrumsgebäude» würde links neben dem langgestreckten Haus gebaut. Das Projekt liegt vorerst aber auf Eis. (Bild: EG)

Das «Zentrumsgebäude» würde links neben dem langgestreckten Haus gebaut. Das Projekt liegt vorerst aber auf Eis. (Bild: EG)

Monika Egli

monika.egli@appenzellerzeitung.ch

Seit 2009 nie mehr eine negative Rechnung: Reute weist für 2016 bei einem Aufwand von 4,5 Millionen Franken einen Ertragsüberschuss von 252000 Franken aus; budgetiert worden war ein Verlust von 132000 Franken. Um fast 400000 Franken hat die 703 Einwohner zählende Gemeinde somit besser abgeschlossen. Auch der Steuerfuss hat sich erfreulich entwickelt, wie Gemeindepräsident Ernst Pletscher den rund 30 Anwesenden am Montag darlegte. Lag er 2009 noch bei 4,3, sind es ab 2017 noch 3,9 Einheiten. Das gute Ergebnis hatte unter anderem zu tun mit unerwartet hohen Steuererträgen und mit dem Finanzausgleich, der ebenfalls mehr einbrachte als gerechnet. Der Gemeindepräsident wies aber explizit darauf hin, dass 115000 Franken von Entnahmen aus Spezialfinanzierungen zum Ergebnis beigetragen hatten. Aufwände und Erträge bewegen sich im gleichen Rahmen wie im Vorjahr. «Wir haben eine stabile Lage», konstatierte Pletscher. Der Personalaufwand allerdings «plagt nicht nur uns». Gerade Gemeinden mit kleinen Alters- und Pflegeheimen wie Reute kommen an den Rand des Machbaren. So musste nun eine ausgebildete Nachtwache angestellt werden, damit alle Besa-Stufen abgedeckt sind. Zu Buche geschlagen haben in der laufenden Rechnung die im Voranschlag nicht enthaltenen gebundenen Kosten für die Renovation der Schulzimmer. Diese wurden in der Anzahl belassen, jedoch umstrukturiert und modernisiert.

Entgegen dem Voranschlag, der noch mit 680000 Franken für Investitionen gerechnet hatte, betrugen diese im letzten Jahr 466000 Franken; ein erklecklicher Teil davon ging in die Wasserversorgung. Die Abschreibungssätze bezeichnete Ernst Pletscher als problematisch, da sie den Gemeinden nun keine Wahl mehr lassen, wo sie wie viel abschreiben möchten. Die Jahresrechnung Reute unterliegt heuer zum ersten Mal dem fakultativen Referendum.

Bettenlift für 200000 Franken

Vor Jahresfrist hat Köbi Egli die Arbeit als Heimleiter im Alters- und Pflegeheim Watt aufgenommen. Zusammen mit der Präsidentin der Altersheimkommission, Karin Waltenspühl, gab er den Anwesenden nebst einem Rück- auch einen Ausblick. Man will offensichtlich versuchen, das Alters- und Pflegeheim «mit familiärer Atmosphäre» fit für die Zukunft zu machen. Momentan läuft der Einbau eines Bettenlifts im fast 160-jährigen Haus, was die Gemeinde mit 200 000 Franken in die Investitionsrechnung aufgenommen hat. Es leben ak­tuell 14 Bewohnerinnen und Bewohner im «Watt», das 16 Zimmer und die Abdeckung aller Besa-Stufen anbietet. Bereits gibt es im «Watt» einen Mittagstisch für Senioren. «Das könnten wir samt Betreuung auch für Schüler anbieten», erklärte Köbi Egli. Mit 14 Bewohnerinnen und Bewohnern sei es finanziell «knapp machbar». Ernst Pletscher doppelte nach: Es sei jetzt noch sinnvoll, das Alters- und Pflegeheim zu betreiben. Allerdings mussten letztes Jahr 100 000 Franken aus der Spezialfinanzierung zugeschossen werden. Der Gemeinderat hat nun eine vierjährige Phase an­beraumt, anschliessend «müssen wir genau hinschauen», denn allzu lange könnten nicht Beträge in dieser Höhe getragen werden. «Wir geben dem ‹Watt› noch eine Chance.»

Marlen Oggier erklärte den aktuellen Stand des ÖV-Kon­zeptes Vorderland, an dem eine Gruppe arbeitet. Die Quintessenz war eindeutig: Während der nächsten drei Jahre müssen die Frequenzen vor allem auf den Linien 227 (Altstätten), 226 (Heerbrugg) und auch beim Publi-Car erhöht werden, «sonst läutet das Totenglöcklein», wie es Ernst Pletscher ausdrückte. Wie dargestellt wurde, sind die Kostendeckungsgrade der genannten und weiterer Linien im Vorderland schlecht bis katastrophal. Zu einigen Diskussionen führte die Ankündigung von Ernst Pletscher, dass bei der Kreuzung Schachen die Erstellung eines Postautowartehäuschens, eine bessere Führung der Fussgänger und verkehrsberuhigende Massnahmen vorgesehen sind. Für das Postauto ist (von Oberegg her gesehen) kurz vor der Kreuzung eine Bucht und für die Fussgänger eine Verkehrsinsel vorgesehen. Gefährliche Einmündungen werden verengt, damit die Autos nicht mehr «über die Kreuzung schiessen» können. Wenn alles reibungslos läuft, kann schon diesen Herbst mit den Bauarbeiten begonnen werden.

Ernst Pletscher informierte auch, dass das Vorhaben «Zen­trumsgebäude» vorerst auf Eis liegt. Vom Grundeigentümer habe er bisher keine verbindlichen Aussagen erhalten, und solange diese fehlen, «kommen wir nicht vorwärts».