REUTE: Mehlwürmer zum Kafi

Die Bewohnerinnen des Alters- und Pflegeheims Watt degustierten Insekten. Zum täglichen Menu gehören sie aber noch nicht.

Sara Leu
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Kurt May kocht Wüstenheuschrecken für die Bewohnerinnen und Bewohner des Altersheims. (Bild: PD)

Kurt May kocht Wüstenheuschrecken für die Bewohnerinnen und Bewohner des Altersheims. (Bild: PD)

Sara Leu

sara.leu@appenzellerzeitung.ch

Ein Altersheim ist nicht der erste Ort, wo man Insekten auf dem Teller erwartet. Doch das Alters- und Pflegeheim Watt in Reute tischte seinen Bewohnerinnen und deren Angehörigen genau das auf. So schlecht seien die Tiere aber gar nicht, meint die Mehrheit der Bewohnerinnen. Anstatt wie gewohnt am monatlichen Kafitreff Kaffee und Kuchen zu servieren, konnte man Mehlwürmer und Wüstenheuschrecken essen.

Jakob Egli, Heimleiter des Alters- und Pflegeheims Watt, wollte den Bewohnerinnen einen originellen Kafitreff bieten. In einer Sitzung kam man schliesslich auf das Thema Insekten und man hatte so die Idee, Insekten zu degustieren. Seit dem 1. Mai sind gewisse Insektenarten als Lebensmittel zugelassen. Zwei von den drei legalen Insektenarten wurden an der Auffahrt schmackhaft zubereitet. «Von den Bewohnern war von Anfang an niemand von der Idee, Insekten zu verspeisen, angewidert. Sie liessen es auf sich zukommen und waren gespannt, was das wird», sagt Egli.

Spezialist am Kochherd

Zubereitet wurde das Ganze von Kurt May. Er führt die ReptiKing GmbH in Au und züchtet schon länger Insekten als Futter für Reptilien. Bereits seit drei Jahren bietet das Unternehmen zweimal im Jahr Insektendegustationen an. Sei Anfang Mai geht May auf Anfrage zu Betrieben oder Vereinen und kocht seine Spezialitäten. Gekocht im Wok und gewürzt mit Ingwer, Zitronengras, Chili und Knoblauch waren die Wüstenheuschrecken und Mehlwürmer zum Verzehr bereit. May sagt, dass die Insekten alleine nicht viel Geschmack haben. Deshalb Erdnuss- oder Rapsöl der Geschmack etwas verstärkt. Ob man die Mahlzeit noch salzen oder pfeffern will, ist jedem selber überlassen.

Insekten als Alternative für Steaks

Ein bisschen zögerlich testeten die Bewohnerinnen die ungewöhnliche Kost. Einige verzogen ihr Gesicht, andere fanden es ganz in Ordnung. Auch Jakob Egli ist überrascht vom Geschmack der Insekten. «Bei den Mehlwürmern merkt man durch die Gewürze gar nicht, was man isst. Ich verstehe, warum der Kopf und die ganzen Beine der Heuschrecken etwas irritierend sein können», so Egli. Er sieht darin eine Alternative für den Speiseplan. Ob es ein Steak eins zu eins ersetzen kann, will Egli nicht behaupten. Aber als Ergänzung oder Garnitur für den Salat sieht er eine Zukunft für die Kerbtiere. «Ich denke, dass das Fördern dieses Marktes Sinn macht. Man braucht keine Pestizide oder Medikamente, um Insekten zu züchten», sagt Egli.

Einige Anwesende meinten, dass der Insektenschmaus nicht nötig gewesen wäre. Die meisten fanden die Häppchen gar nicht so schlecht, jeden Tag essen müssten sie sie jedoch auch nicht. Vorerst werden Heuschrecken und andere Krabbeltierchen nicht in den Speiseplan des Pflegeheims genommen.

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