Rettung für das Hotelprojekt beim Heilbad Unterrechstein soll aus Übersee kommen

Nach der abgesagten Zwangsversteigerung zeigt sich der Projektentwickler hoffnungsvoll, dass beim Unterrechstein doch noch ein Projekt zu Stande kommt. Die Vorgeschichte zieht sich über Jahre hin.

Astrid Zysset
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Hinter dem Heilbad Unterrechstein sind die Eigentumswohnungen wie auch der Ort des geplanten Hotels der Park Residenz Appenzeller AG erkennbar.

Hinter dem Heilbad Unterrechstein sind die Eigentumswohnungen wie auch der Ort des geplanten Hotels der Park Residenz Appenzeller AG erkennbar.

Bild: Benjamin Manser

Verwaltungsratspräsident der Park Residenz Appenzeller AG, Josef Blättler, spricht von «Zeit, die man gewonnen hat». Das erleichterte die Verhandlungen. Gemeint ist damit die Entscheidung, welche das Betreibungsamt Appenzeller Vorderland vergangenen Herbst fällte, und zwar dass die Zwangsversteigerung für die Grundstücke, auf welchen die Eigentumswohnungen stehen sowie dasjenige, auf welchem das Hotelprojekt hätte entstehen sollen, auf unbestimmte Zeit verschoben werde. Ursprünglich war die Gant auf den 25. November 2019 angesetzt gewesen. Ein paar Tage zuvor wurde sie abgesagt.

Grund für diesen Entscheid war eine Einsprache. Claudius Platzer, Leiter des Betreibungsamtes, bestätigt auf Anfrage hin, dass ein bundesgerichtliches Verfahren hängig sei. Inhaltlich könne er sich nicht zur Einsprache äussern. Nur so viel:

«Das Bundesgericht hat entschieden, dass für die Dauer dieses Verfahrens kein neuer Versteigerungstermin angesetzt werden darf.»

Blättler selbst freut sich über diese Entwicklung. «Uns kam das zugute», sagt er rückblickend. Bei der Suche nach Investoren hatte man zuvor Druck machen müssen, um schnellstmöglich eine Zusage zu erhalten und um die Versteigerung abzuwenden. Gleichzeitig seien in seinen Augen nicht akzeptable Angebote von Geldgebern reingekommen, die von der Gant aus den Medien erfahren hatten und Profit daraus schlagen wollten. «Wir hatten nach der Absage der Versteigerung dann mit denjenigen Investoren das Gespräch gesucht, die sich zurückgehalten haben», sagt Blättler.

Heute, ein paar Monate später, sei der Rettungsanker zwar ausgeworfen, doch man müsse noch hoffen, dass er das Schiff auch tatsächlich stabilisieren könne, umschreibt der Verwaltungsratspräsident die Situation. Verschiedene Verträge würden vorliegen. So gebe es ein Angebot über vier Millionen Franken, um die Schulden bei der Bank zu tilgen, ein solches über zehn Millionen, um die Planung für das Hotelprojekt zugleich noch weiter voranzutreiben und ein solches über 60 Millionen. Bei diesem könnte das Hotel auch tatsächlich realisiert werden. Allerdings – und dies sei der Wermutstropfen – Geld ist noch keines bei der Park Residenz Appenzeller AG eingetroffen. Blättler sagt:

«Alle Optionen nützen nichts, wenn das Geld nicht kommt.»

Die Investoren stammen aus Übersee. Die Frage ist nun, ob die Schweizer Banken den Nachweis des Geldes akzeptieren oder nicht.

Entscheid dürfte in Kürze fallen

Voraussichtlich im Februar dürften die Abklärungen seitens der Banken abgeschlossen sein. Blättler zeigt sich nach wie vor zuversichtlich, dass das Hotelprojekt realisiert werden kann.

«Aufgeben kommt nicht in Frage. Dafür haben wir schon viel zu viel Aufwand betrieben und beträchtliche Summen investiert.»

Ein bisschen Zeit bleibt dem Unternehmen aber auch noch, um seine Pläne zu verwirklichen. Blättler rechnet nicht mit einer schnellen Bearbeitung der Einsprache. Und somit zieht sich auch eine allfällige Zwangsversteigerung hin.

Das Projekt in Kürze

Die Park Residenz Appenzellerland AG mit Sitz in Grub AR plante neben dem Heilbad in Unterrechstein für 56 Millionen Franken ein Wellnesscenter mit medizinischer Ausrichtung. Das Projekt sah ein Wohnhaus und ein Hotel vor. Die Arbeiten für den Wohnkomplex waren 2008 gestartet und der Bau wurde nach kurzer Zeit fertiggestellt. Für das Hotel wird bis heute eine Finanzierung gesucht. Mehr noch: Das Projekt geriet in Schieflage. Das Unternehmen konnte seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen und hat seine Hypotheken nicht mehr bezahlt. Heute steht die AG mit rund 3,5 Millionen Franken bei der kreditgebenden Bank in der Kreide. Diese hat als Gläubigerin beim Betreibungsamt Appenzeller Vorderland eine Betreibung auf Grundpfandverwertung eingeleitet. Eine Zwangsversteigerung wurde auf vergangenen November angesetzt, dann aber abgesagt. (pd)