Ressourcen als zentrales Thema

Das 14. Wirtschaftsforum Toggenburg am Freitag im Thurpark Wattwil war dem Thema «Ressourcen – begehrt und begrenzt» gewidmet. Vier Referenten beleuchteten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Regierungsrat Benedikt Würth überbrachte die Grussworte der Regierung.

Barbara Anderegg
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WATTWIL. Rund 140 Personen aus Toggenburger Unternehmen, dem Gewerbe, der Verwaltung und der Politik haben am Freitag am Wirtschaftsforum zum Thema Ressourcen teilgenommen. Diese Thematik sei die logische Folge aus dem letztjährigen Wirtschaftsforum unter dem Titel «Fit für den Aufschwung?», sagte Peter Langenegger, Präsident des Wirtschaftsforums Toggenburg, in seiner Begrüssungsansprache. Denn das Vorhandensein von Ressourcen sei die Voraussetzung für den Aufschwung. Gerade im Toggenburg seien Fragen zur Ressource «Mensch» zentral. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seien gut ausgebildet, wollten gefördert werden und wechselten häufiger die Anstellung. In diesem Bereich seien die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber gefordert.

Auch die Rohstoffe als Ressourcen seien zentral. In Zeiten der Verknappung könnten die Unternehmer in der rohstoffarmen Schweiz sich zum einen darauf verlassen, dass die Politik durch Verträge mit anderen Staaten immer für genügend Rohstoffe sorge. Zum anderen aber hätten sie die Möglichkeit, selbst sparsam mit den knappen Rohstoffen umzugehen, so Peter Langenegger.

Der Kampf um das knappe Erdöl

Dies empfahl der erste Referent vor allem in Bezug auf das Erdöl. Der Historiker Daniele Ganser lehrt an der Universität Basel und forscht zum Thema Peak Oil, also zur Frage, wann das Fördermaximum des Erdöls erreicht ist. Ausserdem erforscht er die so genannten Ressourcenkriege. In seinem Referat setzte er die Entwicklung des Erdölverbrauchs in Bezug zum Bevölkerungswachstum. «In nur 60 Jahren hat sich der Erdölverbrauch weltweit von sechs Millionen Fässern pro Tag auf 88 Millionen erhöht», führte er dem Publikum vor Augen. Der Bedarf wachse weiter, gleichzeitig aber würden die Erdölvorkommen immer weniger, was das Ringen um den Rohstoff verschärfe. Daniele Ganser zeigte die in diesem Zusammenhang komplexe Verstrickung von Politik und Wirtschaft auf. Seine These ist, dass die Staatsmänner dieser Welt nicht nur auf diplomatischem Weg versuchten, an das Erdöl zu kommen, sondern auch mit als Massnahmen gegen den Terror getarnten Kriegen. Er plädierte dafür, dass die Schweiz sich so schnell wie möglich vom Erdöl unabhängig machen soll und zeigte sich überzeugt davon, dass es möglich ist. «Es ist eine grosse Herausforderung, aber wir können etwas tun», sagte der Historiker.

Eine ganz andere Art von Ressource beleuchtete die zweite Referentin. Elke Eichmann ist Architektin und Mitglied der Geschäftsleitung bei Meili, Peter Architekten, jenem Büro, das den Wettbewerb für das Klanghaus für sich entscheiden konnte.

Architektur als Ressource

Sie zeigte auf, inwiefern Architektur einer Region als Ressource dienen kann. Ein Gebäude könne durch eine spezielle Architektur Besucher anlocken, so beispielsweise das Guggenheim Museum in Bilbao. Dies sei aber nicht das Ziel beim Klanghaus, dessen Architektur sich vor allem an seiner Funktion orientieren soll, so die Architektin.

Nach der Pause trat Peter Hasler, der Präsident des Verwaltungsrates des Schweizerischen Post, ans Rednerpult. Er referierte zum Thema «Mensch als Ressource», einem Aspekt, der für die Toggenburger Unternehmer nach wie vor zentral ist. Der Frage wie das Toggenburg gute Fachkräfte gewinnen könne, war vor drei Jahren das gesamte Wirtschaftsforum gewidmet. «Bei der Ressource Mensch haben wir die Sache selbst in der Hand», so Peter Hasler. Er betonte zum einen, dass bei der Einstellung von Personal weniger darauf geachtet werden sollte, was jemand in Zahlen erreicht hat, sondern vielmehr wie er es erreicht habe. Es soll also vermehrt auf die Sozialkompetenz geachtet werden. Vor allem aber plädierte er dafür, vermehrt in das Halten der Mitarbeiter zu investieren. Um gute Arbeitnehmer halten zu können, müssten sich die Arbeitgeber unter anderem von gewissen Vorurteilen verabschieden, wie beispielsweise dem, dass Teilzeitarbeit bei Kaderangestellten nicht möglich sei. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei zentral. Peter Hasler führte weiter aus, dass Firmen zwar keinesfalls Wohlfühlanstalten sein sollten, dass der Ausdruck von Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern dennoch wichtig sei.

Was sich in der Politik tut

Als letzter Referent sprach Andreas Ladner, Professor am Institut für öffentliche Verwaltung in Lausanne. Er analysierte die politischen Begebenheiten nach den Wahlen von Ende Oktober. «Der Umstand, dass alle fünf grossen Parteien verloren haben, ist ein klares Verdikt, dass man jenen nicht mehr traut, die an der Macht waren», so Andreas Ladner. Der Experte sieht keine dramatische Instabilität des politischen System, die Polarisierung werde wohl nicht weiter zunehmen. Er plädierte aber für klarere Spielregeln in Bezug auf die Bundesratswahlen. Entweder müsse das Volk direkt wählen können oder es müsse eine klare Proporzwahl sein, so der Experte.

Im Anschluss an die Referate überbrachte der St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth im Anschluss die Grussworte der Regierung des Kantons. Der Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements zeigte sich beeindruckt davon, wie die Toggenburger Unternehmer mit den Herausforderungen umgehen würden. Er versicherte ihnen: «Wir sind bestrebt gute Rahmenbedingungen für die Wirtschaft zu schaffen.» Er betonte aber, dass die Politik nicht alles könne. Die Anforderungen an den Staat würden in seinen Augen in der letzten Zeit zu stark steigen. Er verwies darauf, dass die Abwanderung im Toggenburg gestoppt worden sei, sprach sogar von einer Trendwende, was sicher auch den Unternehmern zu verdanken sei.

Energiefrage im Zentrum

Den Abschluss des Wirtschaftsforums machte eine Podiumsdiskussion. Unter der Leitung von Patrik Rohr, der auch bereits durch den Nachmittag geleitet hatte. In der Diskussion zwischen Andreas Ladner, Daniele Ganser und Peter Hasler stand die Energiefrage klar im Vordergrund. Dabei war man sich grundsätzlich einig: Es muss etwas geschehen, es ist zu schaffen. Die bei den Diskutierenden spürbare Aufbruchstimmung nahm Patrik Rohr auf und schloss das Forum mit den Worten: «Es ist etwas passiert hier drin.»