RENNSPORT: Vom Bergrennen Hemberg zu Weltruhm

Sie erlebten die Anfänge des Bergrennens Hemberg und erreichten danach beide internationalen Erfolg. Die Verbindung zu Hemberg blieb aber bestehen. Die Schweizer Motorsport-Legenden Peter Sauber und Fredy Lienhard erinnern sich an die frühen Rennen und an das Leben im Fahrerlager.

Urs M. Hemm
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Fredy Lienhard (links) und Peter Sauber verbindet das Bergrennen Hemberg seit Jahrzehnten. (Bild: Urs M. Hemm)

Fredy Lienhard (links) und Peter Sauber verbindet das Bergrennen Hemberg seit Jahrzehnten. (Bild: Urs M. Hemm)

Die Bergrennen in Hemberg waren seit deren ersten Austragung 1968 legendär, bis die Durchführung 1990 im Zuge des damaligen Zeitgeistes eingestellt wurde. Zu den Pionieren am Hemberg gehören Peter Sauber und Fredy Lienhard — beide verdienten sich ihre Sporen unter anderem an diesem Bergrennen ab. Dass der Rennbetrieb 2012 wieder aufgenommen wurde, freut sie. In den Rennwagen würden sich heute jedoch beide nicht mehr trauen.

Herr Sauber, wann starteten Sie zum ersten Mal in Hemberg, und wie empfanden Sie die Atmosphäre?
Peter Sauber: Wenn ich mich richtig erinnere, nahm ich 1968 zum ersten Mal am Bergrennen Hemberg teil. Ich kam damals frisch in den Rennsport, es war für mich mehr Hobby als Berufung — das Rennenfahren machte einfach nur Spass. Was die Atmosphäre betrifft: Es waren sehr viele Zuschauer anwesend, was uns als Fahrer natürlich motivierte.

Fredy Lienhard: Mein Début am Bergrennen Hemberg im Jahr 1971 war unglücklich. Ich begann gleich mit einem schweren Unfall im Training. Ich kannte die Strecke zu wenig und verwechselte eine Kurve. Ich hatte sehr viel Glück. Da ich schwer verletzt war, habe ich dann die Atmosphäre im Spital Wattwil erlebt.

Herr Lienhard, was brachte Sie ursprünglich zum Rennsport?
Lienhard: Der Rennsport-Virus wurde mir durch meinen Vater eingepflanzt. Er fuhr Porsche-Rennen, später BMW und Jaguar. Ich absolvierte eine Bilderbuchkarriere: Von der Seifenkiste über Go-Kart, Formel V, Prototypen F2 und 3000 bis hin zu den grossen LMP1. Mit dem LMP1 Dallara-Judd habe ich das 24-Stunden Rennen von Daytona gewonnen.
Sauber: Zum Motorsport kam ich zufällig. Ich hatte einen VW Käfer. Ein Freund brachte mich zum Zürcher Rennfahrer Arthur Blank, weil der meinen Käfer tunen könne. Den Sinn darin sah ich eigentlich nicht, aber Arthur war ein guter Verkäufer. Er überzeugte mich nicht nur davon, meinen Käfer in einen Blank 1600S einzutauschen, sondern brachte mich auch dazu, in den Rennsportclub FRC einzutreten. Ich fing an, meinen Käfer schneller zu machen — das war schon mehr ein Basteln, aber es hat mir Spass gemacht. So entstanden die ersten Ideen zum späteren Rennsportwagen Sauber C1.

1990 wurde das Bergrennen Hemberg eingestellt. Haben Sie das mitbekommen und, wenn ja, was ging Ihnen dabei durch den Kopf?
Lienhard: Es war einfach schade. Die öffentliche Meinung lief generell gegen das Autofahren, also auch gegen Autorennen. Ich habe es zwar bedauert, war aber bereits weg von den Bergrennen. Auf einer Rundstrecke kannst du Fehler machen, an einem Bergrennen wie Hemberg nicht. Der Unfall 1971 steckte mir noch immer in den Knochen. Es war nicht so, dass ich die Strecke nicht mehr hätte bewältigen können, aber ich hatte damals einfach mehr Spass an Rundstrecken-Rennen.

Sauber: Ab Anfang der 80er-Jahre hatte ich zu den Rennen in der Schweiz praktisch keinen Bezug mehr und habe so auch nicht mitbekommen, dass es das Bergrennen Hemberg nicht mehr gab. Damals war ich bereits nur noch international unterwegs. Dennoch: Zu Hemberg habe ich einen viel engeren Bezug als zu anderen Rennen in der Schweiz, die seit damals auch nicht mehr durchgeführt wurden. Die Stimmung aber hier in Hemberg war und ist einmalig.

2012 fand in Hemberg wieder ein Bergrennen statt, jedoch auf einer neuen Strecke. Wie beurteilen Sie die neue gegenüber der alten Streckenführung?
Sauber: Ich bin bis jetzt nur immer von oben, also von Hemberg in Richtung Bächli gefahren. Es ist aber bestimmt eine flüssigere Strecke, als die alte von St. Peterzell nach Hemberg. Vor allem ist die Strasse auch breiter.

Lienhard: Das Schwierige ist die Kürze der Strecke. Als Rennfahrer musst du gleich von Null auf Hundert gehen. Zudem bleibt dir auf dieser Strecke kaum eine Sekunde zur Erholung. Sie verlangt dem Fahrer von der ersten Sekunde bis zur Zieldurchfahrt ununterbrochen volle Konzentration ab. Allgemein habe ich einen grossen Respekt vor Bergrennen. Denn wenn du von der Strasse abkommst, hat es entweder einen Felsen, einen Baum oder es geht einen Hang hinunter.

Haben Sie seit Ihrer letzten Teilnahme das Bergrennen Hemberg besucht, und wie beurteilen Sie die Stimmung?
Lienhard: Ich war mehrere Male hier. Ich habe Taxifahrten mit verschiedenen Rennautos gemacht. Passagiere waren unter anderem die damalige Regierungsrätin Marianne Kleiner oder Regierungsrat Stefan Kölliker. Was die Stimmung anbetrifft: Sogar bei schlechtem Wetter ist sie toll. Die Unterstützung und der Rückhalt für das Bergrennen ist in Hemberg, Bächli und St. Peterzell ohnehin fantastisch. Wir haben hier mit den Einheimischen tolle Zeiten erlebt. Dazu kommt das Publikum — vom Kind bis zum Grossvater, vom Edelweisshemd bis zur Lederjacke — alle sind hier vertreten und geniessen gemeinsam einen tollen Anlass.

Sauber: Ehrlich gesagt, weiss ich nicht mehr, wann ich das letzte Mal hier am Bergrennen war. In den vergangenen 25 Jahren habe ich mich voll auf die Formel 1 konzentriert und war rund um den Globus unterwegs. Auch zwischen den Rennen blieb wenig Zeit für Privates. Dennoch fühle ich mich bis heute mit Hemberg verbunden.

Hätten Sie wieder einmal Lust, mitzumachen?
Lienhard: Rennmässig würde ich auf keinen Fall mehr mitmachen. Ich werde in diesem Jahr 70, und ich hatte eine gute Zeit. Als ich noch jung war, gab es einen Fahrer, der sass bis er 90 war hinter dem Steuer, was teilweise brandgefährlich war. Man muss wissen, wann es genug ist.
Sauber: Nein, gar nicht. Ich sass überhaupt nie mehr hinter dem Steuer eines Rennwagens. Ich war auch nie mit einem unserer Formel-1-Wagen auf der Strecke. Lediglich für ein Foto habe ich mich einmal ins Cockpit gesetzt.

Informationen zum Bergrennen Hemberg 2017 auf:
www.bergrennen-hemberg.ch

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