Reich an Höhepunkten

Das Frühlingskonzert im Ulrich-Bräker-Saal in der Alten Zwirnerei Mühlau mit den Kammermusikensembles Athos-Quartett und Il Piacere war reich an Höhepunkten. Das Publikum im vollen Saal dankte es mit anhaltendem Applaus.

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Beim Schlussapplaus: Anne-Maria Bagdasarjanz, Johannes Pfister, Ursina Faoro-Rupli, Christa Schutzbach, Stefan Schärli, Otto Horsch, Werner Broger sowie Stephan Giger (von links). (Bild: pd)

Beim Schlussapplaus: Anne-Maria Bagdasarjanz, Johannes Pfister, Ursina Faoro-Rupli, Christa Schutzbach, Stefan Schärli, Otto Horsch, Werner Broger sowie Stephan Giger (von links). (Bild: pd)

BAZENHEID. Der klangvolle Ulrich-Bräker-Saal der Alten Zwirnerei Mühlau in Bazenheid war am letzten Maisonntag wieder Schauplatz leidenschaftlich gespielter Kammermusik. Unter dem Titel «Frühlingslied» traten unter der Leitung von Anne-Maria Bagdasarjanz (Solovioline und 1. Violine) beide Kammermusikensembles auf, welche die Violinistin in den vergangenen Jahren ins Leben gerufen hat und leitet: das Athos-Quartett und das Kammermusikensemble Il Piacere. Das Programm war ein Wechselbad zwischen romantischen Gefühlsstürmen und mitreissendem Bach.

Leidenschaftlichkeit pur

Mit Mendelssohns Streichquartett in Es-Dur (op. 12) führte das Athos-Quartett ein Frühwerk des Komponisten auf. Mendelssohn hat sein leidenschaftliches Werk im Alter von 18 Jahren komponiert. Das als äusserst anspruchsvoll geltende Streichquartett bewies in der Interpretation der Solistin und des Athos-Quartetts seine ganze Dynamik und Leidenschaftlichkeit. Dabei gaben die Musikerinnen und Musiker dem Liedhaften und Melodiösen genügend Raum, von den beiden Violinen bald jubelnd, bald sehnsüchtig ausgespielt (Anne-Maria Bagdasarjanz, 1. Violine; Ursina Faoro-Rupli, 2. Violine). Das wurde von der Bratsche (Stefan Schärli) stimmungssicher aufgenommen variiert und zurückgespielt, während das Cello schluchzte und drängte, zeitweise in wahren Gefühlsstürmen (Otto Horsch).

Tiefgründiger Bach

Bachs Violinkonzert in a-Moll (Bach-Werke-Verzeichnis Nr. 1041) ist zeitlich nicht genau zu situieren. Es entstand sicher erst nach Bachs intensiver Auseinandersetzung mit Vivaldi, dessen Spuren es trägt. Das Werk wurde in seinen beiden Allegri am Anfang und am Schluss mitreissend gespielt. Der mittlere Satz, das in gesetztem Rhythmus daherkommende Andante, trug im Gegensatz dazu den ganzen Ernst Bach'scher Musik und wirkte stellenweise bedrückend, manchmal abgründig. Da war der Winter aus Vivaldis «Jahreszeiten» noch einmal eine Spur kälter geworden.

Diesen zweiten Programmteil gestaltete das Kammerensemble Il Piacere, wie das Athos-Quartett gegründet und geleitet von Anne-Maria Bagdasarjanz. Die verdiente Violinistin bestritt gleichzeitig den herrlich-melodiösen Soloteil. Zu den vier Streichinstrumenten des Quartetts trat nun noch eine zusätzliche Violine hinzu (Christa Schutzbach), dann die Viola (Stefan Schärli), der Kontrabass (Werner Broger), während Kreuzkirchenmusiker Stephan Giger (Cembalo) für ein beschwingtes Continuo sorgte.

Seelenvolles Spiel

Johannes Pfister vertauschte seine Viola kurzerhand mit der Violine und übernahm nun deren 1. Stimme. So verstärkt verbreiteten die acht Musikerinnen und Musiker, ganz wie es der Name Il Piacere aussagt, durch ihr präzises Zusammenwirken einmal mehr grosses Vergnügen. Viele beglückwünschten die Solistin zu ihrem seelenvollen Spiel und ihrer musikalischen Doppelleistung, auch zur gut fortgeschrittenen Genesung von ihrer komplizierten Operation am Schultergelenk.

Johannes Pfister drückte es nach dem Konzert im Gespräch so aus: «Mich begeistert das Musizieren mit Anne-Maria Bagdasarjanz. Ich habe bei ihr sehr viel dazugelernt.» (pd)

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