REHETOBEL: Liebreiz und Klangschönheit

Das Concertino Ostschweiz unter der Leitung von Renè Häfelfinger und die Pianistin Anna Danielewiz begeisterten am Sonntag in der evangelischen Kirche mit klangschöner barocker Kammermusik.

Ferdinand Ortner
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Das Concertino Ostschweiz erfreute in Rehetobel mit melodiöser Serenadenmusik. (Bild: Ferdinand Ortner)

Das Concertino Ostschweiz erfreute in Rehetobel mit melodiöser Serenadenmusik. (Bild: Ferdinand Ortner)

Ferdinand Ortner

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Einen unbeschwerten Hörgenuss – melodiöse Serenadenmusik zum Zurücklehnen und Geniessen – boten am Sonntag in der gut besetzten evangelischen Kirche die zehn Musikerinnen des Concertino Ostschweiz-Streicherensembles und die aus Polen stammende Pianistin Anna Danielewicz. Der stürmische Beifall des Publikums galt sicher auch ein wenig der Konzertorganisatorin Sarah Kohler, die immer wieder für populäre Programme sorgt. So konnten sich die Konzertbesucher offensichtlich an dem Bukett klassischer höfischer Musik voll Liebreiz und Klangschönheit besonders erfreuen. Solche stimmungsvolle Musik wurde einst an den Fürstenhöfen sehr geschätzt und gepflegt. Dirigent Renè Häfelfinger – auch als Soloflötist bekannt – stellte an seine Streicherformation beachtliche spieltechnische und musikalische Anforderungen, die mit Engagement und Können überzeugend gemeistert wurden. Das homogene Kammerorchester und besonders auch die versierte Klaviersolistin beeindruckten durch musikalische Kompetenz, Rhythmus und Vortragskultur.

Höfische Unterhaltungsmusik

Das delikate Programm bot einen Reigen entzückender Konzertstücke von europäischen Hof-komponisten des Italieners Luigi Boccherini (1743 – 1805) und des Polen Johann Samuel Schröter (1750 – 1788) sowie der Österreicher W. A. Mozart (1756 – 1791) und Michael Haydn (1737 – 1806), Bruder des berühmten Joseph Haydn. Es war auch interessant, bei den präsentierten Sinfonien, Concerti und Divertimenti die individuellen Kompositionsstile und Tonsätze der genannten zeitgenössischen Komponisten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu vergleichen.

Das Konzert begann sehr schwungvoll mit der farbigen viersätzigen Boccherini-«Sinfonia» in D-Dur für Streicher, einem musikalischen Kleinod mit melodischer Eleganz und frischen Klangfarben. Das homogene Streicher-Ensemble mit Konzertmeisterin Manuela Mensching spielte ambitioniert, transparent und ausdrucksvoll. Von den sehr differenziert vorgetragenen Sätzen ragten das fröhliche «Allegro», das liebliche «Andante» und das graziöse «Menuetto» hervor. Beim Concerto in C-Dur für Klavier und Streicher von J. S. Schröter, eines einst in England berühmten Pianisten und Organisten, setzte die Pianistin auf den Background des feinen Streicherklanges in den drei heiter beschwingten Sätzen mit perlenden Läufen, glitzernden Trillern und wunderschönen Kantilenen bunter Glanzlichter.

Besonders gefühlvoll gestaltet war das leichtfüssige dreisätzige Streicher-Divertimento in C-Dur, KV 157, von W. A. Mozart – ein Paradebeispiel wie kultiviert man sich einst bei Hof unterhielt. Bemerkenswert erschien neben den fröhlichen Ecksätzen und dem besinnlich-kantablen «Andante» der spontane Beifall. Ein Highlight des Abends war auch Mozarts klangschönes Rondo in A-Dur, KV 386, für Klavier und Streicher. Dieses frohgemute Werk begeisterte durch liebliche Melodik und den brillanten Klavierpart mit grosser Kadenz – von Anna Danielewicz souverän gespielt. Für den Beifall bedankte sie sich mit einem Suiten-Tanzsatz des Argentiniers Roberto Ginastera. Voll Lebendigkeit und melodischer Anmut sprühte dann das flotte «Allegro» der «Sinfonia» in G-Dur von Michael Haydn. Den vergnüglichen Konzertabend beschloss die Zugabe eines besinnlichen Satzes aus einer Streicher-Sinfonie von Mendelssohn-Bartholdy.