REHETOBEL: Classic meets Jazz

Das Duo Peter Lenzin und Franz Pfab gestaltete in der reformierten Kirche Rehetobel mit einem farbenreichen Mix von Klassik, Jazz und Traditionals einen unterhaltsamen Konzertabend.

Ferdinand Ortner
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Ferdinand Ortner

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Nach der denkwürdigen Aufführung von J. S. Bachs Weihnachtsoratorium im vergangenen Dezember erfreute die Lesegesellschaft Dorf Rehetobel als Organisatorin der «Konzerte in Rehetobel» die Konzertbesucher am 1. April mit einem unterhaltsamen Konzert des Künstlerduos Peter Lenzin (Saxofon/Kla­rinette) und Franz Pfab (Orgel/ Piano).

Die beiden Vollblutmusiker präsentierten unter dem Motto «Classic meets Jazz» eine bunte Palette effektvoller Soli und Duo-Arrangements aus den Bereichen höfischer Barockmusik, einiger Jazz-Stilrichtungen bis hin zu den «Tango Nuevos» des Argentiniers Astor Piazzolla (1921–1992) sowie einigen Traditionals englischer Folksongs – ein sehr abwechslungsreiches Programm. Die ersten und die letzten drei der insgesamt zwölf vorgetragenen Musikstücke wurden auf der Orgelempore gespielt, das Hauptprogramm vorne im Altarraum. Im Mittelpunkt des Abends standen delikate Saxofonsoli in Arrangements mit Orgel oder Piano. Peter Lenzin bewies dabei als Solist überragendes Können, Vielseitigkeit und kreative Improvisationskunst. Schon Ende 2015 hatte er gemeinsam mit dem Kammerorchester St. Gallen in Rehetobel erfolgreich konzertiert.

Der Künstler beherrscht nicht nur diverse Stilrichtungen der Musikliteratur, sondern verblüffte einmal mehr durch Offenheit für die Vereinbarkeit von Klassik, Jazz und Volksmusik -von E- und Unterhaltungsmusik. Er spielte seine hohen Qualitäten – vor allem die weiche, klangvolle Tongebung mit emotionalem Saxsound und seine Virtuosität -optimal aus und demonstrierte viele spieltechnische Möglichkeiten des Saxofons, bzw. der Klarinette.

Mit dem routinierten Pianisten und Organisten Franz Pfab hatte er einen kongenialen Partner, der ihn nicht nur anpassungsfähig begleitete und auch persönliche musikalische Akzente setzte, sondern ausserdem als Jazzpianist zu glänzen wusste.

Abwechslungsreiches Programm

Eingeleitet wurde der Abend mit klangschöner Barockmusik, einem bezaubernden «Adagio» des Italieners Tomaso Albinoni (1732–1809) und dem figurenreichen Barock-Opus «Badinerie» aus einer Suite von J. S. Bach. Tief beeindruckend auch die sehnsuchtsvollen Klangbilder des Tango Nuevo «Oblivion» von Astor Piazzolla. Ein Ohrenschmaus waren die einprägsamen Weisen der angelsächsischen Traditionals, wie das elegische «Scarborough Fair» aus einer schottischen Folkballade, das reizvolle jüdische Klezmerstück «Der Mirjambrunnen» und der bewegte englische Folksong «Greenleeves». Weitere Gustostücke waren die fantasievollen Soloimprovisationen beim gefühlsbetonten «Country» des Jazzpianisten Keith Jarret (geb. 1945), das von Franz Pfab auch vokal interpretierte sentimentale «Smile» – ein Welterfolg von Charly Chaplin (1889–1977) – sowie das Saxsolo beim jazzigen «Dreams» von David Sanborn (geb. 1945).

Stimmungsvolle Klänge mit Saxofon und Orgel erlebte man bei den ariosen «Trois mélodies grégoriennes» von Guy de Lioncourt (1862–1918). Ein spezielles Highlight war der Hit «Golliwogg’s Cake-walk» des Franzosen Claude Debussy (1862–1918), der bei diesen erfrischenden Szenen aus der kleinen Suite «Cildren’s Corner mit leichter Hand Jazzelemente im Ragtimestil in die Kunstmusik einfliessen liess.

Der mitreissende Piazzolla-Tango Nuevo «Muerte del Angel» – der krönende Schlusspunkt des Konzerts – animierte das Publikum zu stürmischem Applaus, der mit einer begeisternden Solozugabe belohnt wurde.

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