Reh im Vorteil – Fuchs im Nachteil

APPENZELLERLAND. Das warme Wetter der letzten Wochen hat die Wildtiere vor ungewohnte Situationen gestellt. Dabei gibt es Profiteure und Verlierer. Wenn es nun doch noch kalt wird, kommen die Tiere nicht gänzlich aus dem Rhythmus.

Roger Fuchs
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Füchse tun sich bei einem warmen Winter schwerer mit der Nahrungssuche als Rehe oder Hirsche. (Bild: fotolia)

Füchse tun sich bei einem warmen Winter schwerer mit der Nahrungssuche als Rehe oder Hirsche. (Bild: fotolia)

Der Innerrhoder Jagdverwalter Ueli Nef vergleicht die Situation der Tierwelt mit einem Perpetuum Mobile. Jeder Impuls, jede Veränderung hat Auswirkungen auf das Gesamtsystem. Dabei geht es nie allen Tieren gleich gut. Völlig aus dem Rhythmus fallen würden die Tiere angesichts der erhöhten Wintertemperatur allerdings nicht. «Massgebend für den biologischen Jahresablauf der Tiere ist die Tageslichtlänge und nicht die Temperatur», sagt Nef. «Murmeltiere beispielsweise begeben sich im September in den Winterschlaf, egal ob es nun im Januar schneit oder nicht.»

Auch der Ausserrhoder Jagdverwalter Heinz Nigg will nicht dramatisieren. Entscheidend, wie gut ein Tier die Winterzeit überstehe, sei der Zustand des Tieres im Herbst, sagt er. Wenn ein Tier dann bereits eine schwache Kondition aufweise, könne dies im Verlauf der weiteren Monate durchaus zum Problem werden. Für wanderfreudige Menschen gilt gemäss Nigg, ob bei Schnee oder auch ohne Schnee, dass sie sich rücksichtsvoll in der Natur bewegten.

Gewinner und Verlierer

Auch wenn wärmere Wintertemperaturen die Tiere nicht aus der Bahn werfen, so gibt es doch Gewinner und Verlierer. Pflanzenfresser wie Rehe, Hirsche oder Gemsen kommen angesichts der nach wie vor grün-braunen Umgebung einfacher an Nahrung als bei Schnee. Ausserdem verbrauchen sie weniger Energie, wenn sie sich fortbewegen. Umgekehrt gibt es Wildtiere, für die der fehlende Schnee nicht unbedingt ein Segen ist. «Ein Fuchs beispielsweise findet jetzt weniger schwache und kranke Tiere», veranschaulicht der Innerrhoder Jagdverwalter Ueli Nef. Schneehasen wiederum sind bei warmem Wetter vermehrt in Gefahr. Sie setzen bereits im November auf eine gute Tarnung und verfärben sich im Hinblick auf den Winter weiss. Ohne Schnee sei der Schneehase gut sichtbar für Raubtiere wie zum Beispiel den Steinadler und eine leichter zu fangende Beute, führt Nef weiter aus.

Seit Jahrhunderten angepasst

Bleibt die Frage, was passiert, wenn es in den nächsten Tagen doch noch kalt und winterlich wird? Bringt das die Tiere nun an den Rand der Verzweiflung? «Nein», versichern die Jagdverwalter von Ausserrhoden und Innerrhoden. Die hier lebenden Tierarten hätten sich seit Jahrhunderten an unsere Begebenheiten angepasst. Sie rechneten mit dem Winter und legten deshalb bereits im Herbst ihre Fettreserven an. «Das ist ihre Lebensversicherung», bringt es Ueli Nef auf den Punkt. Und so haben die Wildhüter keinen Grund einzugreifen. Sie lassen die Natur machen, würden aber die Situation stets beobachten.

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