Regionalität liegt ihnen am Herzen

Ende Monat übergeben Bruno und Margrith Scheiwiller die Schlüssel ihrer Metzgerei an Reto und Silvia Rust. Während über 40 Jahren standen die beiden im Geschäft, das sich laufend weiterentwickelt hat. Motiviert hat sie die Liebe zum Beruf und das gute Einvernehmen mit den Kunden.

Sabine Schmid
Drucken
Teilen
Nach über 40 Jahren übergeben Margrith und Bruno Scheiwiller ihre Metzgerei in jüngere Hände. (Bild: Sabine Schmid)

Nach über 40 Jahren übergeben Margrith und Bruno Scheiwiller ihre Metzgerei in jüngere Hände. (Bild: Sabine Schmid)

NEU ST. JOHANN. Man hat sich an das Bild gewöhnt: Margrith und Bruno Scheiwiller stehen hinter der Ladentheke und bedienen die Kunden. Damit ist Ende Woche Schluss: Das Ehepaar Scheiwiller zieht sich nach 43 Jahren aus dem Geschäftsleben zurück. Sie übergeben den Schlüssel an Reto Rust, der die Metzgerei zusammen mit seiner Frau Silvia weiterführt. Mit diesem Schritt endet eine Ära, denn Bruno Scheiwiller führte das Geschäft in der fünften Generation.

Eng mit Landgasthof verwoben

Während Bruno Scheiwiller 1972 die Metzgerei von seinen Eltern übernommen hat, trat später sein Bruder Kurt die Nachfolge des elterlichen Landgasthofs Ochsen an. «Wir waren die ersten, die die Geschäfte getrennt haben», erklärt Bruno Scheiwiller. Die Zusammenarbeit war aber seit jeher eng. «Weil wir im Haus selber schlachten, konnten die Gäste im <Ochsen> jeweils frische Spezialitäten wie Leber oder Nieren geniessen», erklärt er. Spezialitäten, die nicht immer auf der Karte geführt wurden.

1976 trat Margrith Scheiwiller ins Geschäft ihres heutigen Ehemanns ein. In Unterwasser aufgewachsen, arbeitete sie in der Gastronomie. «Um mich auf meine Aufgabe in der Metzgerei vorzubereiten, arbeitete ich in Zürich bei Bell im Laden und in der Traiteurküche», erzählt sie. Das sei die Adresse an der Bahnhofstrasse gewesen. Jeweils vor der Weihnachtszeit habe das dekorierte Schaufenster viele Leute zum Schauen animiert. Im Sidwald kümmerte sich Margrith Scheiwiller um den Laden und um die Buchhaltung, daneben war sie auch für die Kinder da. Es habe strenge Zeiten gegeben, ist sich das Ehepaar Scheiwiller einig. Denn Bruno Scheiwiller leitete während vieler Jahre die Zivilschutzorganisation, seine Frau Margrith war Gemeinderätin. Für sie war dieses Engagement für die Gesellschaft fast eine Selbstverständlichkeit. «Jeder Bürger sollte einmal im Leben eine ehrenamtliche Arbeit übernehmen», findet Margrith Scheiwiller. Es sei für sie klar: das durchzuhalten und es zu schaffen sei eine Frage des Willens. «Letztlich ist aber das Wichtigste, dass man Freude am Beruf hat», sagt Bruno Scheiwiller.

Fleisch aus der Region

Im Lauf der Jahre haben Scheiwillers ihr Geschäft vorangebracht. Aus den ursprünglich sechs Mitarbeitern sind doppelt so viele geworden. «Wir haben uns auf Fleisch aus dem Alpstein und dem Churfirstengebiet spezialisiert», sagt der Metzgermeister. Daraus haben er und sein Team einige Produkte entwickelt wie den Kalbfleischstumpen oder das Säntismöckli. Stets wichtig war Bruno Scheiwiller die gute Zusammenarbeit mit den Landwirten. «Da ich rund 80 Prozent der Tiere in der unmittelbaren Region kaufe, bleibt die Wertschöpfung auch hier.» Teilweise arbeitet er noch heute mit Betrieben zusammen, mit denen schon sein Vater geschäftliche Beziehungen unterhalten hat. Mit dem Fleisch aus dem Alpstein und dem Churfirstengebiet hat Bruno Scheiwiller ein Markenzeichen geschaffen, um dem Kunden diese Wertschöpfung bewusst zu machen. Dass er an Regionales glaubt, beweist auch, dass Bruno Scheiwillers Produkte mit dem Label Culinarium ausgezeichnet sind, seit es dieses gibt. Durch seine langjährige Arbeit als Metzger, aber auch weil er Experte bei Lehrabschlussprüfungen war und zusätzlich zur Metzgerei das Restaurant der Markthalle und die Kantine des BWZ Toggenburg in Wattwil führt, kann Bruno Scheiwiller auf ein riesiges Netzwerk zurückgreifen. Dieses will er auch nach dem Verkauf seiner Metzgerei nutzen, unter anderem, um seinem Nachfolger Türen zu öffnen. Reto Rust kennt die Metzgerei Scheiwiller übrigens, seit er dort die Lehre gemacht hat. «Wir haben in unserer Geschäftszeit rund 50 Lehrlinge als Fleischfachmann oder Detailhandelsangestellte ausgebildet», sagen Margrith und Bruno Scheiwiller nicht ohne Stolz. Sie gaben ihnen viel Fachwissen mit auf den Weg und die Bereitschaft, etwas erreichen zu wollen. «Darum sind wir überzeugt, dass Reto und Silvia Rust erfolgreich sein werden.»

Weiterhin am Arbeiten

Die Geschäftsübergabe bedeute aber nicht, dass sich Margrith und Bruno Scheiwiller gänzlich aus dem beruflichen Leben zurückziehen. Sie wird den Partyservice aufrecht erhalten, den sie in den vergangenen Jahren aufgebaut hat. Besonders freut sich Margrith Scheiwiller auch, dass sie während zweier Tage in der Woche ihr Enkelkind betreuen darf. Zudem wird sie häufig in den Bergen unterwegs sein. «Mein Ziel ist nach wie vor, alle SAC-Hütten zu besuchen», sagt sie.

Bruno Scheiwiller wird viel Zeit am Bodensee verbringen. Seine Arbeit in der Markthalle und im BWZT wird er weiterführen, dafür hat er die Top Food GmbH gegründet. «Dafür habe ich nun mehr Zeit.» Zeit möchten die beiden auch haben, um die Freundschaften zu pflegen, die sich in den letzten Jahren – teilweise aus Geschäftsbeziehungen heraus – entwickelt haben, sagen Margrith und Bruno Scheiwiller.