Regionalfussball
«Der Aufstieg hat grosse Bedeutung für den Verein»: Wie der FC Herisau an Widrigkeiten gewachsen ist

Bereits im vergangenen Jahr sah es für den FC Herisau im Kampf um den Aufstieg gut. Dann kam Corona. Auch diese Saison war geprägt durch die Pandemie. Ein Rück- und Ausblick mit dem Sportchef.

Lukas Pfiffner
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Der FC Herisau kehrt nach zwei Jahren in die 2. Liga zurück.

Der FC Herisau kehrt nach zwei Jahren in die 2. Liga zurück.

Bild: Podo Gessner

Wer im Frühling 2020 die Tabelle mit fünf Punkten Vorsprung anführt, zehnmal gewinnt, einmal unentschieden spielt, nie verliert und auf dem Weg zum Aufstieg in die 2. Liga von der Coronapandemie und vom Saisonabbruch gebremst wird, könnte in Selbstmitleid stürzen. Und wer dann ein halbes Jahr später erneut als 3.-Liga-Tabellenführer in die Winterpause geht und nicht weiss, ob und wie die Meisterschaft fortgesetzt wird, könnte an den Widrigkeiten komplett zerbrechen. «Diese Umstände haben uns noch stärker gemacht», ist Salvatore Tolino, der Sportchef des FC Herisau, überzeugt.

Eine Runde vor Schluss der auf die Hälfte verkürzten Saison in der Gruppe 4 weisen die Hinterländer vier Zähler Vorsprung auf Tobel-Affeltrangen auf. Nach zwei Jahren wird Herisau in die 2. Liga zurückkehren. «Der Aufstieg hat grosse Bedeutung für den Verein, für das Umfeld, auch für die Jungen als Perspektive. Und wir sind nun wieder die Nummer 1 im Appenzellerland. Das darf und muss sicher unser Anspruch sein.»

Auffällig: Nun zweimal 1:0

In der Saison 2020/21 gab es in bisher zehn Spielen acht Siege, eine Punkteteilung und eine einzige Niederlage (2:3 in Dussnang). Die Herisauer stellten die Mannschaft mit den meisten erzielten Toren und den wenigsten Gegentreffern. Auffällig: Die beiden «finalen» Erfolge dieses Frühlings gegen Gossau und Ebnat-Kappel waren die einzigen 1:0-Resultate des Teams von Trainer Domenico Troccoli. «Mit 1:0-Siegen werde man Meister, hat schon der berühmte Trainer Giovanni Trappatoni erklärt», sagt Salvatore Tolino. «Aber es ist schon so: Wir sind nicht ganz auf Touren gekommen wie gewünscht. Eine gewisse Anspannung war gewiss vorhanden.»

Die Partie in Ebnat-Kappel sei wie erwartet umstritten gewesen. Der Gastgeber – der noch im Abstiegskampf steckt – habe viel Widerstand geleistet. Aber Herisau habe in diesen beiden vergangenen Spielen auch manche Chancen ausgelassen – und mehrere Stammspieler fehlten verletzungshalber. Die älteste Juniorenmannschaft hätte im Prinzip ebenfalls ein wichtiges Spiel gehabt, erzählt der Sportchef – wobei dann die Absage der Partie erfolgte.

Mit bald 50 auf der Bank

Am vergangenen Samstag war die Personaldecke beim FC Herisau so dünn, dass Costa Simoglou als einer von vier Ersatzfeldspielern aufgeführt war. Er ist nebst Tolino ein weiterer Assistent von Trainer Domenico Troccoli und wird im nächsten Jahr 50 Jahre alt. «Er wäre nur im äussersten Notfall zum Einsatz gekommen», berichtet der Sportchef. Für die neue Saison sind einzelne Veränderungen auf gewissen Positionen, aber nicht die Bildung eines weitgehend neuen Kaders zu erwarten. «Wir werden den Ball im FC Herisau weiterhin flach halten. Niemand wird über der Mannschaft und dem Verein stehen. Unser Teamspirit ist gut, war Teil des Erfolges und soll unbedingt weiterhin bestehen.» Als wertvoll wertet er die Tatsache, dass schon seit längerem einige A-Junioren mit der ersten Mannschaft trainieren.

Tolino, Troccoli, Simoglou: Dieses Trio wird auch in der Saison 2021/22 die Verantwortung tragen. Die 2. Liga sei für einen Klub wie Herisau die richtige Spielklasse; man gehe davon aus, dass man mit dem bisherigen Personal und einzelnen Zuzügen eine vernünftige Rolle in der neuen Umgebung spielen könne. Mit fast ausschliesslich «fremdem» Personal war Herisau einst drittstärkster Verein der Region hinter St.Gallen und Wil und sogar nahe am Aufstieg in die zweithöchste Schweizer Spielklasse. Vor zwei Jahren ist der FCH mit nur vier Siegen aus 22 Partien und sieben Punkten Rückstand auf den rettenden Platz zehn in die 3. Liga abgestiegen. Am Sonntag beendet die Mannschaft die Mini-Saison mit dem Heimspiel gegen Uznach.