Regionale in der Minderheit

Die einheimischen Läuferinnen und Läufer, Bikerinnen und Biker sind bei den Anlässen in der Region vermehrt in Unterzahl. Den klassischen Hobbysportler aus dem Dorf gibt es immer weniger. Eine bedauernswerte Entwicklung.

Urs Huwyler
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In der Gruppe spielt der Plauschfaktor eine entscheidende Rolle.

In der Gruppe spielt der Plauschfaktor eine entscheidende Rolle.

SPORT ALLGEMEIN. An der Kreuzegg Classic fehlten auf der Startliste einige Urgesteine. So Seriensiegerin Monika Graf. Sie stand am Nachmittag während der Dorfaktivitäten gewöhnungsbedürftig als Zuschauerin an der Strecke, schaute den rasenden Jugendlichen auf ihren Trottinetts zu. Sie bestreite keine Wettkämpfe mehr, erklärte die Seriensiegerin auf dem Heimweg vom Arbeitseinsatz im Seniorenzentrum Solino, wo sie Freiwilligenarbeit leistet und am Samstag Dienst hatte. Irgendwann müsse Schluss sein, fügte sie an. Sie habe jeweils gesagt, wenn sie alleine laufen müsse, höre sie auf. Das könne sie auch ohne Wettkämpfe. Inzwischen bereiteten ihr als erprobte Bergläuferin auch kleinere Steigungen Mühe.

2014 ging die Langstrecken-Spezialistin mit dem Gedanken an den Start, bis nach Krinau zu laufen und dort zu entscheiden, ob sie die ganze Strecke absolvieren soll. Monika Graf tat es, kam nach 90 Minuten auf der Kreuzegg an. Auch diesmal hätte sie die Classic gewonnen. Die Siegerin und zugleich Letzte (eine Starterin in der Kategorie «Frauen 5») benötigte 1:42.02. Die Ranglisten der Läufe studiert Monika Graf meistens, schaut, welche Zeiten erreicht werden. Das Kribbeln dürfte sie dabei noch einige Zeit spüren. Vielleicht kommt es bei einzelnen Anlässen zu einem Rücktritt vom Rücktritt… 2016 findet die Kreuzegg Classic übrigens am 21. Mai statt.

Kein höheres Niveau

Die Zeiten in Freiluftsportarten lassen sich grundsätzlich wegen der äusseren Bedingungen und unterschiedlichen Teilnehmerzahlen kaum 1:1 vergleichen. Doch ob an der Hulftegg-Stafette, der Kreuzegg Classic oder Run&Bike Mosnang, Beobachter sprechen davon, das durchschnittliche Leistungsniveau steige jährlich, an der Spitze werde Tempo gebolzt, die leistungsorientierten Breitensportler machten den Grossteil aus. Monika Graf (Jahrgang 1948) lief 2008 bei ihrem Sieg als Sechzigjährige in einer Stunde, 19 Minuten und 36 Sekunden auf den Hausberg. Keine Frau mit einem Jahrgang «U 1960» kam unter anderthalb Stunden ins Ziel. Im Männerfeld waren in der «Kategorie Graf» Sieger Karl Richle (Ebnat-Kappel/1:14.08/Jahrgang 1951) und noch zwei 1952er schneller.

Also täuscht der Eindruck vom hohen Fitnessstand und den heute vergleichsweise kompakteren Teilnehmerfeldern? Ja, weil beispielsweise in diesem Jahr zwölf Hobbyläufer länger als 1:35.00 benötigten, 2010 jedoch nur vier. 2013 waren sogar 15 länger unterwegs. 2015 liefen 111 Sportler und Sportlerinnen in den Hauptklassen unter 1:30.00 auf die Kreuzegg, 2010 waren es jedoch 136, 2013 deren 116. Also schneller waren die Berggämsen 2015 bei idealen Bedingungen demnach nicht.

Überregionale Starter

Andererseits kann der Eindruck entstehen, weil trainierte Neueinsteiger das Joggen entdeckt haben und sich überregional messen wollen. Vermehrt reisen schon bei den Jüngsten Sportler aus andern Kantonen und Regionen an, während die Einheimischen ab Stufe «Schüler A» (Jahrgänge 01/02) vermehrt fehlen. Wer von den lokalen Hobbysportlern kein Mittelfeld-Niveau aufweist, schreibt sich – auch bei den Bikern – meist nicht als Einzelkämpfer in der Startliste ein.

Ein Trend, den auch Monika Graf beobachtet hat. In den quantitativ stärksten Kategorien (mittelalterliche Männer) waren es teilweise von 29 Klassierten drei Toggenburger. Auswärts sind es meist mehr.

An der Hulftegg-Stafette lässt sich bei der erweiterten Spitze ebenfalls ein Trend zu Verstärkungen aus der Fremde erkennen. Wobei in einer Gruppe der Plauschfaktor nach wie vor klassische Hobby-Sportler anzuziehen vermag. «Wettkampfsportler stellen ihr Programm auf ihre Bedürfnisse und nicht die Distanzen ab. Die Mobilität ermöglicht Läufern oder Bikern auch weitere Anreisen. Deshalb sind auch kleinere Veranstaltungen immer weniger regional oder lokal gefärbt. Dieser Trend wird weitergehen», sind sich die Veranstalter einig. Auf die Teilnehmerzahlen wirkt sich die Neuausrichtung kaum aus, auf die Zuschauerzahlen an der Strecke hingegen schon.

Läuferin Monika Graf wird keine Wettkämpfe mehr bestreiten. (Bilder: Urs Huwyler)

Läuferin Monika Graf wird keine Wettkämpfe mehr bestreiten. (Bilder: Urs Huwyler)