REGION: Zum ersten Mal im Toggenburg

Der evangelische Kirchenchor Nesslau und die Chorgemeinschaft Lichtensteig-Oberhelfenschwil führen in der Voradventszeit die Tango-Messe des argentinischen Komponisten Martin Palmeri auf.

Peter Küpfer
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Aufmerksamkeit, Hingabe, Freude sind den Sängerinnen und Sängern ins Gesicht geschrieben. (Bild: Peter Küpfer)

Aufmerksamkeit, Hingabe, Freude sind den Sängerinnen und Sängern ins Gesicht geschrieben. (Bild: Peter Küpfer)

Peter Küpfer

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Das Projekt ist vielversprechend. Mehr als 60 Sängerinnen und Sänger wagen sich unter der Leitung von Margret Herzog Ostendarp (evangelischer Kirchenchor Nesslau) und Max Heinz (Chorgemeinschaft Lichtensteig-Ober helfenschwil) an das anspruchsvolle Werk, das von den aufwühlenden Rhythmen und lyrischen Harmonien des Tango Nuevo beeinflusst ist. In seiner berühmten Tango-Messe oder Messe von Buenos Aires, wie sie auch genannt wird, leistet der Komponist die Verbindung zwischen der klassischen europäischen Messetradition und der südamerikanischen «gelebten» Musik.

Dabei verzichtet er auf die Orgel und ein ausgebautes Orchester und lässt, neben innigen, manchmal auch mächtig brausenden Chorpartien, viel Raum für Lyrisches und Emotionales: fein ziseliert durch ein jazziges Klavier (Max Heinz) und das feine Fäden spinnende Bandoneon (Thomas Widmer), oft auch in führender, vorandrängender Position oder den Chor synkopisch kommentierend. Spezielle Effekte setzt Sela Bieri (Sopran) in den Vokalsoli, währenddem den Streicherpart die jugendlichen Streicher unter der Leitung von Hermann Ostendarp übernehmen – eine auch von den Beteiligten her beeindruckende, weit ausgreifende Zusammenarbeit.

Ein tragendes «Wir-Gefühl»

Das ist auch die Meinung der Sängerinnen und Sänger. In der Pause einer der letzten Chorproben vor den Hauptproben sitzen einige der Mitwirkenden entspannt um den grossen Tisch und erzählen freimütig, wie sie die Aufführung erleben. Seit einem Jahr sind sie nun unter der Leitung von Margret Herzog Ostendarp am Üben, mit zeitweilig längeren Unterbrüchen. Zuerst war da noch etwas Skepsis den ungewöhnlichen Harmonien und Rhythmen des Argentiniers gegenüber. Können wir das? Das war damals die Frage mancher Sängerinnen und Sänger aus dem Kreis der mitwirkenden Kirchenchöre von Lichtensteig und Nesslau mit Zuzügern. Die anfänglichen Bedenken sind einer merklichen Begeisterung gewichen. «Das ist toll zu spüren, wie man langsam sicherer wird und der Rhythmus in einem selbst wirkt und treibt», sagt eine Sängerin. «Die Dirigentin glaubt an uns, das motiviert», ein anderer.

Und: «Das ist auch vom Menschlichen her sehr ansprechend, es haben sich Sängerinnen und Sänger aus dem ganzen Toggenburg hier zusammengefunden und wollen das Gleiche. Das gibt ein sehr positives, tragendes Wir-Gefühl.»

Dann geht die Probe weiter, höchst konzentriert, mit einer schwungvollen, mit einem Schuss Humor begabten und trotzdem sehr zielgerichteten Dirigentin. Hier ist der Einsatz noch zu wenig entschieden.

Qualität des Vortrags markant hörbar

Dort sollen die Sängerinnen und Sänger Emotionen zeigen. «Crucifixus est», heisst es im Credo, da muss etwas von dem Schrecken in den Stimmen selbst liegen. Nicht erzählen, sondern die Szene erleben, fordert Margret Herzog. An anderer Stelle ist Raunen verlangt, nicht ganz einfach in Gesang zu übersetzen, wie sich zeigt. Beim dritten, manchmal vierten Mal ist die neue Qualität des Vortrags markant hörbar – zur Freude auch der Beteiligten selbst. Das Konzert, erweitert durch je ein Chor- und Instrumentalwerk aus der Feder von Karl Jenkins sowie zwei Stücke für Sopran und Bandoneon, findet am Samstag, 18. November, 20 Uhr, in der evangelischen Kirche Nesslau und am Sonntag, 19. November, 17 Uhr, in der katholischen Kirche Lichtensteig statt.