REGION: Wenn alle Kinder nur noch spinnen

Auf den Pausenplätzen ist der Fidget Spinner das neuste Must-have. Wer einen der Handkreisel kaufen möchte, macht sich allerdings auch im Toggenburg auf eine Odyssee.

Ursula Wegstein
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Das neueste Trendspielzeug Fidget Spinner übt auf die Kinder und Jugendlichen eine grosse Faszination aus. (Bilder: Ursula Wegstein)

Das neueste Trendspielzeug Fidget Spinner übt auf die Kinder und Jugendlichen eine grosse Faszination aus. (Bilder: Ursula Wegstein)

Ursula Wegstein

ursula.wegstein

@wundo.ch

Serge Hediger

serge.hediger@toggenburgermedien.ch

Der eine Bub hat einen Roten mit drei Flügeln und vier Kugellagern. Der andere Junge ist stolz auf seinen zweiflügeligen Schwarzen. Ein dritter hätte gerne einen, der bunt leuchtet. Und der vierte blufft: «Meiner dreht sich über zwei Minuten lang.»

«Ausverkauft!» oder «in zwei Tagen wieder»

Ob Primar- oder Oberstufe: Auf den Pausenplätzen talauf, talab sind Fidgets Spinners gegenwärtig der letzte Schrei. Damit werden flache Kreisel mit Rotoren oder Propeller bezeichnet, die um ein zentrales Kugellager kreisen. Handkreisel lassen sich auf der Nasenspitze oder der grossen Zehe balancieren, vorwärts oder rückwärts drehen und auch mal vom Zeigfinger der einen zum Zeigfinger der anderen Hand werfen. Wer sich dabei denkt, das könne nichts Besonderes sein, der hat nicht mit der Reaktion der Kinder gerechnet. Das ganze Taschengeld geben sie dafür aus, ungeduldig warten sie auf die Erlaubnis zum Kauf — Fidgets Spinners sind ab wenigen Franken zu haben – und nerven mit ihrem Spiel Eltern wie Lehrer. «Ausverkauft!», hiess es diese Woche in einem Toggenburger Spielwarengeschäft. «In zwei Tagen wieder», vertröstete das andere. Die Ladengeschäfte können die gegenwärtige Nachfrage kaum decken, und auch Online-Fachgeschäfte beklagen Lieferfristen von bis zu einer Woche.

Der Name «Fidget Spinner» kommt aus dem Englischen: «fidget» steht für «Unruhe» und das Verb «to spin» bedeutet «sich drehen». Wo dieser Hit genau seinen Anfang nahm, um vor rund zehn Tagen auch das Toggenburg und vor allem seine Buben heimzusuchen, ist nicht bekannt. Sicher ist einzig, dass ­keiner der grossen Spiel­waren­hersteller dahintersteht. Angeblich soll das Teil aus chinesischer Produktion sogar gesundheitsfördernde Wirkung haben und bei Autismus, ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung), bei Nägelkauen, Nervosität und überhaupt bei überschüssiger Energie in jeder Form für verbesserte Konzentration sorgen.

Und was soll das alles?

Die Frage nach dem Sinn und Zweck einer solchen Modeerscheinung, welche man sich als Erwachsener möglicherweise stellt, ist für Kinder kein Thema. Im Gegenteil: Vielleicht ist es genau das, was die Anziehungskraft eines solchen Spielzeugs für ein Kind ausmacht – dass sich einfach so ohne Sinn daran herumdrehen lässt. Was sich alles damit anstellen lässt, das lässt sich gegenwärtig auf unzähligen Videos auf Youtube nachvollziehen.

Und Hand aufs Herz: Hatten nicht die Erwachsenen einst genauso Freude am Sinnentleerten? Wer erinnert sich noch an Spielzeuge wie das virtuelle Küken Tamagotchi, die Diddl-Maus aus Plüsch, den nuckelnden Affen Mochhichi, die Gummiarmbänder von Rainbow Loom, den ekligen Slime oder — ganz weit zurück – den Hula-Hoop-Reifen?

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