REGION: Unfallschwerpunkte eliminieren

Wenn sich an einem Ort Unfälle häufen, untersucht die Kantonspolizei die Ursachen. Zur Eruierung möglicher Massnahmen wird auf Unterschiedlichstes geachtet, auch auf die Herkunft der verunfallten Verkehrsteilnehmer.

Ruben Schönenberger
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Auf der Strasse über den Ricken kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Kantonspolizei St. Gallen überprüft Unfallschwerpunkte genau. (Bild: Kapo SG)

Auf der Strasse über den Ricken kommt es immer wieder zu Unfällen. Die Kantonspolizei St. Gallen überprüft Unfallschwerpunkte genau. (Bild: Kapo SG)

REGION. «Die Gefährlichkeit der Tunnelnische» titelte diese Zeitung am 7. Juli, nachdem sich innert weniger Monate gleich zwei schwere Unfälle bei Tunnels der Umfahrung Lichtensteig ereignet hatten. Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, wird in jenem Artikel zitiert: «Das ist noch kein Unfallschwerpunkt.» Das Toggenburger Tagblatt ging deshalb der Frage nach, was denn einen Unfallschwerpunkt ausmacht und wie darauf reagiert wird.

Unfälle im Detail betrachten

Die Abteilung Verkehrstechnik der Kantonspolizei erfasst sämtliche Unfälle in einer Datenbank. Diesen werden Punkte zugeschrieben. Für einen Unfall mit Schwerverletzten oder gar Toten werden zwei Punkte vergeben, bei Leichtverletzten einer. Überschreitet ein Ort innert drei Jahren die Grenze von fünf Punkten, gilt dieser statistisch als Unfallschwerpunkt, wie Ulrich Bärtsch, stellvertretender Leiter der Abteilung Verkehrstechnik erklärt. «Was statistisch als Unfallschwerpunkt gilt, muss aber noch nicht zwingend wirklich einer sein», sagt er weiter. «Solche Orte schauen wir uns aber genauer an.» Als Beispiel nennt er die Wattwiler Ebnaterstrasse im Bereich der Abzweigung Schmidbergstrasse. In den letzten drei Jahren waren dort drei Unfälle zu verzeichnen, die zusammen für die statistisch nötigen fünf Punkte sorgen. «Betrachtet man die Unfälle jedoch im Detail, lässt sich schnell feststellen, dass hier kein Handlungsbedarf besteht», sagt Bärtsch. Die Unfälle kamen wegen Unachtsamkeit, zu nahem Auffahren und einer Verwechslung des Gas- und Bremspedals zustande. Anders präsentiert sich die Lage auf der Wattwilerstrasse in Richtung Ricken. In der scharfen Kurve im Bereich Gallenmüsli lässt sich eine Häufung von elf Unfällen in den letzten drei Jahren feststellen. Betrachtet man die Details, zeigt sich schnell, dass hier tatsächlich ein Problem besteht. Es handelt sich zumeist um Schleuderunfälle mit und ohne Kollision.

Kurve genauer untersuchen

«Wichtig ist hier eine Betrachtung des Strassenzustands», sagt Bärtsch. «Beim Grossteil der Unfälle war die Strasse nass oder mit Schnee, beziehungsweise Schneematsch bedeckt.» Strassenverhältnisse, an die sich die Autofahrer vermutlich nicht angepasst haben. «Diese Kurve werden wir genauer untersuchen», sagt Werner Lendenmann, Abteilungsleiter Verkehrstechnik bei der Kantonspolizei. Dabei kann auch eine Rolle spielen, woher die verunfallten Automobilisten stammen. «Verunfallen Einheimische bei schlechter Witterung, ist das ein Indiz dafür, dass sie wegen vermeintlich guter Streckenkenntnisse zu schnell unterwegs waren. Sind es aber eher Auswärtige, könnte die Signalisation der gefährlichen Kurve mangelhaft sein», erklärt Lendenmann eine mögliche Erkenntnis.

Konsequenzen noch unklar

Welche Konsequenzen für diese Kurve gezogen werden, ist zu diesem Zeitpunkt noch offen. «Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Massnahmen. Einfache, eher günstige oder aufwendigere und entsprechend teurere», erklärt Lendenmann. Manchmal reiche es, die Signalisation anzupassen und zum Beispiel auf eine scharfe Kurve besser hinzuweisen. Er sagt aber einschränkend: «Wir sind ans Strassengesetz gebunden. Wir können nicht einfach so eine Tempo-60-Tafel aufstellen.»

Sind aufwendigere Massnahmen nötig, muss ein Projekt ins Strassenbauprogramm des Kantons aufgenommen werden. «In diesem wird entschieden, was die Sicherheit verbessern kann. Das kann bei einer Kreuzung die Errichtung eines Kreisels sein», führt Lendenmann aus. Der kantonale Strasseninspektor Rudolf Schlatter erklärt: «Es geht meist um ein Variantenstudium. Nicht immer ist die vermeintlich offensichtliche Lösung die richtige.» Lendenmann hält aber auch fest: «Die Autofahrer müssen sich den Bedingungen anpassen. Die Strassen sind so gebaut, dass sie bei normalen Manövern funktionieren. Physikalische Grenzen aber können wir mit den besten Massnahmen nicht aushebeln.» Schlatter ergänzt: «Die Griffigkeit einer Strasse ist ein komplexes Thema und witterungsabhängig.»

Manchmal reichen auch ganz einfache Massnahmen, erklärt Bärtsch: «Wenn wir feststellen, dass in einem Gebiet wiederholt Unfälle wegen zu hoher Geschwindigkeit oder wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss geschehen, dann müssen unsere Jungs halt wieder mal zur Kontrolle raus.»

Werner Lendenmann Leiter Abteilung Verkehrstechnik (Bild: Reto Martin)

Werner Lendenmann Leiter Abteilung Verkehrstechnik (Bild: Reto Martin)