REGION: SVP hat die CVP überholt

Volkspartei gestärkt, Christlichdemokraten und Liberale mit Schwächen, Sozial- demokraten stabil: So präsentiert sich der Trend bei den Parteienstärken im Toggenburg.

Armando Bianco
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Der parteilose Martin Sailer aus Unterwasser schaffte 2016 den Sprung in den Kantonsrat. (Bild: Regina Kühne)

Der parteilose Martin Sailer aus Unterwasser schaffte 2016 den Sprung in den Kantonsrat. (Bild: Regina Kühne)

Armando Bianco

armando.bianco@wundo.ch

Serge Hediger

serge.hediger@toggenburgmedien.ch

Bei den Parteienstärken im Kantonsrat gibt es für den Zeitraum 2004 bis 2016 eine klare Gewinnerin: die SVP. Die Volkspartei legte von knapp unter 25 auf knapp unter 30 Prozent zu. Verliererin indessen ist die CVP: Die Christlichdemokraten sind kantonal von rund 28 Prozent im Jahr 2004 auf knapp mehr als 20 Prozent im 2016 abgerutscht. Leicht steigern konnte sich dagegen die FDP: Die Liberalen kommen neu auf etwas mehr als 20 Prozent, 2004 waren es 18 Prozent. Verluste eingefahren hat die SP: Die Sozialdemokraten haben kantonal gesehen rund 2 Prozent auf rund 16 Prozent nachgegeben. Weitere Parteien wie EVP, Grüne, GLP und BDP schliesslich be­wegen sich zwischen zwei und ­ sechs Prozent.

Dies geht aus der Publikation «Kantonale Wahlen im Kanton St. Gallen, Kantonsratswahlen 2004–2016» hervor, die das Amt für Statistik eben veröffentlicht hat. Danach sind BDP und EVP nicht mehr im Parlament vertreten, was besonders im Fall der EVP bemerkenswert ist, war sie doch seit 1972 ununterbrochen im Kantonsrat vertreten und hat auch dessen Verkleinerung im Jahr 2008 überstanden.

Potenzial für Parteilose im Wahlkreis Toggenburg

Im genannten Zeitraum hat die SVP im Thur- und Neckertal die CVP als stärkste politische Kraft abgelöst und zuletzt fast einen Drittel Stimmenanteil erreicht, während die CVP nun etwas weniger als einen Viertel der Stimmen auf sich vereint. Auch die FDP als drittstärkste Partei verliert Stimmen und ist im Toggenburg erstmals seit langer Zeit unter die 20-Prozent-Marke gefallen. Die SP bewegt sich stabil zwischen 11 und 13 Prozent. Neu wurde untersucht, wie hoch der Anteil Stimmen in jedem Wahlkreis war, der an Listen ging, die keinen Sitz gewonnen haben. Der Anteil dieser «verlorenen» Stimmen ist kantonsweit von zwei Prozent 2004 auf über sechs Prozent 2016 gestiegen. Mehr als zehn Prozent «verlorener» Stimmen gab es 2012 im Toggenburg und 2016 im benachbarten Werdenberg. Bemerkenswert ist im Toggenburg das Potenzial für kleinere, wechselnde Gruppierungen, die im Bericht des kantonalen Amtes für Statistik unter «Diverse» zusammengefasst sind. 2016 errang gar ein Parteiloser (Martin Sailer, Unterwasser) – wenn auch auf einer Liste der SP – einen Sitz im Kantonsrat.

Bei aller Zahlenspielerei darf indes nicht vergessen werden, dass der Wahlkreis Toggenburg 2012 einen Sitz im Kantonsrat an das bevölkerungsmässig stark gewachsene Linthgebiet abtreten musste und nunmehr noch mit elf Kantonsratssitzen in St. Gallen vertreten ist.

Die Wahlbeteiligung der letzten Kantonsratswahlen ist im Kanton St. Gallen von 34,5 Prozent im Jahr 2004 auf 37,6 Prozent im Jahr 2012 angestiegen, um dann im Jahr 2016 45,3 Prozent zu erreichen. Unter den Wahlkreisen weist das Toggenburg an allen Wahlen die höchste Wahlbeteiligung auf; im letzten Jahr nahm fast die Hälfte aller Wahlberechtigten teil. Am tiefsten liegt die Wahlbeteiligung häufig im Wahlkreis See-Gaster.

Augenfällig ist schliesslich die Untervertretung der Frauen. Ihr kantonsweiter Anteil an der wahlberechtigten Bevölkerung betrug Ende 2015 51,7 Prozent, bei den Kandidierenden von 2016 dagegen waren es 29,1 Prozent.