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REGION: Keine Temperatursenkung im ÖV

Die SBB senken die Temperatur in einer Zürcher S-Bahn testweise von 22 auf 20 Grad. Bei ÖV-Unternehmen der Regionen Toggenburg und Wil ist dies derzeit kein Thema – mit einer Ausnahme.
Timon Kobelt, Tim Frei
Der Bus, der zwischen den Bahnhöfen Wattwil und Rapperswil verkehrt, legt auf seinem Weg 35 Haltestellen zurück. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Bus, der zwischen den Bahnhöfen Wattwil und Rapperswil verkehrt, legt auf seinem Weg 35 Haltestellen zurück. (Bild: Martin Knoepfel)

Timon Kobelt, Tim Frei

redaktion@toggenburgmedien.ch

Beim Perron oder bei der Bushaltestelle in der Winterkälte auf den Zug oder Bus warten – das geht derzeit nicht ohne warme Bekleidung wie Jacke, Mütze und Halstuch. Kaum ist man im Zug oder im Bus, beginnt jedoch das Schwitzen. Für Benutzer einer Zürcher S-Bahn wird es zumindest für einen Monat angenehmer: Seit vorgestern Dienstag läuft der Testlauf der SBB, die Raumtemperatur von 22 auf 20 Grad zu senken – dies in einigen, aber nicht allen Wagen einer Zürcher S-Bahn. «Ziel ist es, Energieeffizienzsteigerungen zu erzielen», begründet SBB-Mediensprecher Reto Schärli das Testprojekt, welches bis am 4. Februar dauern wird. Wie sieht es bei Zügen und Bussen in den Regionen Toggenburg und Fürsteland aus?

Die Temperaturen bewegen sich zwischen 18 und 22 Grad, wie eine Umfrage bei Betreibern zeigt. Beim Busbetrieb Lichtensteig – Wattwil – Ebnat-Kappel (BLWE) und bei der Schneider Linienbus AG (verkehrt von Wattwil nach Rapperswil) wollten die Verantwortlichen keine genaue Temperaturangabe machen, da die Temperaturen innerhalb der Bandbreite von 18 und 22 Grad aufgrund der vielen Türöffnungen stetig variieren würden. Je 22 Grad beträgt sie in den Bussen von Wil Mobil sowie in den Wagen der Regionalbahn Thurbo und der Schweizerischen Südostbahn (SOB). «In Postautos ist sie in der Regel auf 20 bis 22 Grad eingestellt», sagt Postauto-Sprecherin Valérie Gerl. In der Frauenfeld-Wil-Bahn (FWB), die von den Appenzeller Bahnen betrieben wird, beträgt die Temperatur 21 Grad. Am «kältesten» ist es in den Regiobussen mit rund 18 Grad.

Hohe Haltestellenfrequenz macht Senkung obsolet

Eine Reduktion, wie bei der SBB ist bei den meisten Betreibern kein Thema. Dies aus mehreren Gründen. «Wenn bei einem Zwei- oder Dreiachsbus auf der Strecke Ebnat-Kappel und Wattwil alle 500 Meter die Türen aufgehen, kommt automatisch Kälte herein. Daher macht eine Temperatursenkung wenig Sinn», sagt Heinrich Güttinger, Geschäftsführer BLWE. Dies nennt auch Fredy Mächler, Assistent der Geschäftsführung der Schneider Linienbus AG, als Hauptgrund gegen eine Reduktion der Temperatur. Die FWB und die SOB argumentieren in erster Linie mit den Rückmeldungen der Kunden. «Die Referenztemperatur von 21 Grad hat sich wie bei den Appenzeller Bahnen auch bei der FWB bewährt: Aufgrund von Rückmeldungen konnten wir feststellen, dass die 21 Grad dem Kundenbedürfnis entsprechen», sagt Sabrina Huber, Mediensprecherin der Appenzeller Bahnen. «Die Temperatur von 22 Grad wird von den Fahrgästen als angenehm wahrgenommen», sagt SOB-Mediensprecher Christopher Hug. Beide Bahnbetreiber streichen zudem hervor, dass die Haltestellenabstände im Regionalschienennetz kurz seien. «Bei jeder Haltestelle dringt somit auch Kälte in den Fahrzeuginnenraum, auch deshalb macht eine Temperaturabsenkung keinen Sinn», erklärt Hug. Ähnlich sieht es bei den Regiobussen aus: «Wir halten die Innenraumtemperatur im Winter generell unter 20 Grad. Im Nahverkehr sind die Fahrgäste mit Winterbekleidung unterwegs. Da möchten die Fahrgäste wegen der häufig kurzen Fahrwege und -zeiten keine Mäntel und Jacken ablegen», sagt Regiobus-Geschäftsführer Bruno Huber. Er betont zudem, dass bei den Regionalbussen viel höhere Wärmeverluste zu verzeichnen seien als bei den Zügen. Dies ebenfalls aufgrund der kurzen Haltestellenabstände und der Vielzahl von kurz aufeinanderfolgenden Fahrgastwechseln mit verhältnismässig grossen Türen zum Innenraumvolumen eines Busses. «Eine genaue Temperaturregelung ist daher kaum zu erreichen.»

Bei den Busbetreibern kommt derweil ein weiteres Argument hinzu – jenes der energiesparenden Heizung. Sowohl Postauto Schweiz als auch Wil Mobil und BLWE betonen, dass die Fahrzeuge über die Abwärme der Motoren geheizt werden. «Wenn es zu kalt ist oder der Bus noch nicht lange genug gefahren ist, springt eine elektrische Standheizung ein», sagt Hans Koller, Leiter Markt von Wil Mobil. Derzeit würden sie es nicht in Betracht ziehen, die Temperatur zu senken oder zu erhöhen.

Sinken die Temperaturen unter 8 Grad, kann es laut Valérie Gerl sein, dass es in Postautos knapp 20 Grad werde. «Wir machen gute Erfahrungen, weil im Winter Fahrgäste meistens warm angezogen sind und die Temperatur schnell steigt, sobald sich zu Stosszeiten viele Personen in einem Fahrzeug befinden», sagt sie.

Thurbo kann sich Reduktion vorstellen

Der einzige Betreiber, der eine Temperatursenkung offenlässt, ist Thurbo. «Eine Reduktion ist nicht per sofort vorgesehen, wir beobachten den Versuch der SBB aber aufmerksam», sagt Mediensprecher Werner Fritschi. Nach Vorliegen der Ergebnisse könnten sie sich eine Reduktion grundsätzlich aber gut vorstellen.

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