REGION: «Ich hatte Tränen in den Augen»

Das Klangfestival Naturstimmen hat vom 3. bis zum 16. Mai rund 300 Künstlerinnen und Künstler sowie 6500 Gäste nach Alt St. Johann gelockt. Voller Freude, aber auch wehmütig blickt Organisatorin Nadja Räss auf die Veranstaltung zurück.

Anina Rütsche
Merken
Drucken
Teilen
Einer der vielen Höhepunkte des Klangfestivals Naturstimmen: Weit über hundert Kinder aus Taiwan und der Schweiz haben sich zu einem riesigen Chor zusammengeschlossen. (Bild: pd)

Einer der vielen Höhepunkte des Klangfestivals Naturstimmen: Weit über hundert Kinder aus Taiwan und der Schweiz haben sich zu einem riesigen Chor zusammengeschlossen. (Bild: pd)

Frau Räss, das von Ihnen organisierte Klangfestival Naturstimmen in Alt St. Johann ist am Montag nach insgesamt 14 Tagen zu Ende gegangen. Wie geht es Ihnen, wenn Sie auf die vielen Konzerte, Kurse und weiteren Veranstaltungen zurückblicken?

Nadja Räss: Es war eine wahnsinnig schöne Zeit. Mir haben einmal mehr die Vielfalt und der Austausch gefallen. Auch habe ich viele positive Rückmeldungen aus dem Publikum und von den Künstlern erhalten. Wenn ich ans Klangfestival zurückdenke, werde ich wehmütig. Schade, dass es schon vorbei ist.

Am Festival wirkten Sängerinnen und Sänger aus verschiedenen Ländern mit. Wie haben Sie diese internationale Mischung erlebt?

Räss: Alles hat wunderbar harmoniert. Durch die gute Zusammenarbeit auf den Bühnen entstand eine Kraft, die sich auch auf die Zuhörerinnen und Zuhörer übertrug. Die Musik hat uns alle über die Grenzen und Kulturen hinweg verbunden. Auch mir als Organisatorin und Sängerin war es wichtig, so viele Anlässe wie möglich zu besuchen, um die Menschen und ihr Schaffen kennenzulernen.

Was meinten die Künstlerinnen und Künstler zum Klangfestival Naturstimmen?

Räss: Die meisten Mitwirkenden waren jeweils nur einige wenige Tage vor Ort – rund um ihren Auftritt, danach reisten sie wieder ab. Alle, die ich nach ihrem Befinden fragte, fühlten sich willkommen und gut betreut. Auch die Toggenburger Natur war für viele Sängerinnen und Sänger aus dem Ausland etwas Spezielles. Einige haben während ihres Aufenthalts in und um Alt St. Johann zum ersten Mal in ihrem Leben Berge und Schnee gesehen. Ihre begeisterten Reaktionen haben mir wieder einmal vor Augen geführt, in welch schöner Gegend wir hier leben.

Wie haben Sie die Stimmung unter den Gästen erlebt?

Räss: Es gab viele tolle Begegnungen in familiärer Atmosphäre. Ich war stets mittendrin im Geschehen und hatte grosse Freude daran. Man war per Du und hat sich rege ausgetauscht. Möglich gemacht hat dies unter anderem, dass das Singen, das während allen 14 Tagen im Zentrum stand, die direkteste Form der Musik ist. Viele Besucherinnen und Besucher wollten ja nicht bloss zuhören, sondern auch selbst singen. Die Schnupper- und Klangkurse boten dafür einen idealen Rahmen.

Zum Festival gehörten auch zwei Wochenenden. Das eine war sommerlich, das andere verregnet. Inwiefern hat das Wetter die Besucherzahlen beeinflusst?

Räss: Von der Auslastung her waren beide Wochenenden ungefähr gleich. Das Wetter hatte wohl wenig Einfluss auf die Teilnahme an den einzelnen Anlässen. Einzig die Aktivitäten auf dem Marktplatz variierten. Als die Sonne schien, wurde der Marktplatz mit seinem kulinarischen und kulturellen Angebot zum Mittelpunkt des Festivals. Die Stimmung unter den Linden war bis spät in die Abende hinein zauberhaft. Als es draussen hingegen nass und kalt war, hielten sich die Leute lieber drinnen auf, was ich absolut verstehe.

Sie haben schon dreimal am Klangfestival Naturstimmen mitgewirkt. Was hat sich seit der Ausgabe 2012 verändert?

Räss: Mit der Zeit habe ich an Erfahrung gewonnen. Ich weiss nun besser, was möglich ist und was nicht. Und ich bin entspannter geworden, auch in Bezug auf Unvorhergesehenes. Zum Glück kann ich stets auf das Team im Hintergrund zählen, das sich um die Logistik und das Catering kümmert. Mir war es dieses Jahr möglich, das Festival ausgiebig zu geniessen, auch wenn ich viel Verantwortung zu tragen hatte.

Haben eigentlich alle Veranstaltungen nach Plan stattgefunden?

Räss: Nein. Die angekündigte Künstlerin aus Simbabwe, Hope Masike, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. Sie hat mir daher eine Kollegin vermittelt, Rutendo Machirdza. Die Sängerin, Texterin und Komponistin erklärte sich spontan bereit, ans Festival zu kommen. Dies war eine glückliche Fügung und Rutendo hat unser Festival sehr bereichert.

Welcher Klangfestival-Moment war für Sie der allerschönste?

Räss: Es fällt mir schwer, mich auf eine einzelne Situation festzulegen. Beeindruckt hat mich zum Beispiel der Auftritt von 110 Kindern aus der Region mit Sängern aus Taiwan. Die Mädchen und Buben lernten die Lieder sehr schnell. Als ich diesen Chor singen hörte, hatte ich vor Rührung Tränen in den Augen.

Nun ist das Festival Geschichte. Wie geht es bei Ihnen weiter?

Räss: Das Organisationskomitee betrachtet die Ausgabe 2016 erst als abgeschlossen, wenn die Klangfestival-CD erscheint. Dies ist im September der Fall. Die Abrechnung werden wir vor den Sommerferien fertigstellen. Derzeit lassen sich zum Umsatz noch keine Angaben machen. Privat ist erst einmal Erholung angesagt. Das kommende Wochenende habe ich mir freigehalten. Ich freue mich darauf, wieder einmal auszuschlafen. Nach dem Festival ist aber auch vor dem Festival. Mir schwirren bereits die ersten Ideen für die nächste Durchführung im Jahr 2018 im Kopf herum. Diese sind aber noch geheim.

Die Toggenburger Jodlerin Nadja Räss wurde mit dem Prix Walo ausgezeichnet. Das Interview führen Sabine Schmid Toggenburger Tagblatt und Julia Nehmiz OaS in der Klangschmiede. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Toggenburger Jodlerin Nadja Räss wurde mit dem Prix Walo ausgezeichnet. Das Interview führen Sabine Schmid Toggenburger Tagblatt und Julia Nehmiz OaS in der Klangschmiede. (Bild: Hanspeter Schiess)