REGION: Frauen begleiten Frauen

Seit 30 Jahren sind Margo Willi und Claudia Stillhard als Hebammen im Spital Wil tätig. Sie erzählen von den Veränderungen in all den Jahren, von schönen und weniger schönen Momenten.

Zita Meienhofer
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Zum Jubiläum ein Gläschen: Claudia Stillhard (links) und Margo Willi sind seit drei Jahrzehnten als Hebammen im Spital Wil tätig. Sie haben schon viele Frauen — und zum Teil bereits deren Töchter — während der Geburt unterstützt. (Bild: Zita Meienhofer)

Zum Jubiläum ein Gläschen: Claudia Stillhard (links) und Margo Willi sind seit drei Jahrzehnten als Hebammen im Spital Wil tätig. Sie haben schon viele Frauen — und zum Teil bereits deren Töchter — während der Geburt unterstützt. (Bild: Zita Meienhofer)

Zita Meienhofer

zita.meienhofer@wilerzeitung.ch

Sie wusste schon als Kind, dass sie in einem Spital arbeiten, Krankenschwester werden möchte. Da waren dann auch noch die Susanne-Barden-Romane, die aus dem Leben einer Krankenschwester erzählen, die sie faszinierten, die sie «verschlang». Ausschlaggebend war letztlich ihre Tätigkeit als Schwestern­hilfe auf einer Gebärabteilung. Claudia Stillhard lernte deshalb nicht den Beruf der Krankenschwester, sie wurde Hebamme.

Margo Willi hingegen führten Umwege zum Beruf der Hebamme. Sie entschied sich vorerst für eine kaufmännische Lehre, absolvierte anschliessend die Ausbildung zur medizinischen Praxisassistentin, bevor sie Hebamme wurde. Nun sind es 30 Jahre her, seit ihr Beruf die beiden Frauen ins Spital Wil führte, wo sie all die Jahre unzählige Frauen während der Geburt unterstützten. Wie viele es in diesen Jahren waren, das ist weder für Claudia Stillhard noch für Margo Willi wichtig. «Ich zähle nicht», sagt Margo Willi, «weil jede Geburt für sich etwas Besonderes ist.» Claudia Stillhard gibt zu verstehen, dass nicht nur die Geburt allein wichtig ist, sondern auch die Begleitung und Betreuung während der Schwangerschaft und rund um die Geburt.

Erwartung und Wissen haben sich verändert

Seit drei Jahrzehnten arbeiten die beiden Hebammen im Spital Wil, drei Jahrzehnte, in denen sich einiges verändert hat. Verändert hat sich allerdings nicht das Gebären selber, sondern das Drumherum, wie zum Beispiel die Erwartungen der Frauen und die des Umfelds der Frauen. Es müsse alles planbar sein, die Schwangeren haben oft keine Zeit, sich in Ruhe auf die Geburt einzustellen. «Jede Frau hat ihren Rhythmus für ihre Geburt», so Margo Willi, und Claudia Stillhard ergänzt: «Es ist nicht immer besser, wenn die Geburt schnell geht.» Der Sicherheitsgedanke spielt zudem heute eine grosse und wichtige Rolle, gerade weil die medizinischen Möglichkeiten vieles vereinfachen, wie etwa die Schmerzerleichterung während der Geburt. Bereits vor der Geburt werde vieles geregelt. Verändert hat sich auch das Wissen der Frauen über die Schwangerschaft und die Geburt. Die Flut an Informationen zum Thema führt manchmal dazu, dass die Frauen verunsichert werden. Hier gilt es, die Informationen zu filtern und zu relativieren. Aber auch heute noch gilt: «Lass es geschehen, dein Körper weiss es.»

Im Spital Wil arbeiten beide in einem Teilzeitpensum. Beide sind zudem als freiberufliche Hebamme tätig, und Margo Willi arbeitet in der Hebammenpraxis Wil. Das gibt ihnen die Möglichkeit, die Frauen während der Schwangerschaft, der Geburt und im Wochenbett zu begleiten, was ihnen wichtig ist. So ist ein intensives Verhältnis möglich, das Vertrauen wird aufgebaut und gestärkt. Vertrauen – ein grosses Wort vor, während und nach der Geburt. Dieses Vertrauen zu den Frauen, zu ihren Familien, das haben sich Claudia Stillhard und Margo Willi in all den Jahren erarbeitet. Dieses Vertrauen überträgt sich nun auch auf die zweite Generation. «Es entbinden jetzt schon Frauen bei uns, die wir vor Jahren auf die Welt begleitet haben», sagt Claudia Stillhard. Oft kommt es deshalb zu besonderen Begegnungen. «Das ist der Vorteil eines kleinen Spitals, das Familiäre, sich kennen und sich Zeit nehmen können für die Frauen», sagt Margo Willi.

Die Freude am Beruf nie verloren

Während Margo Willi und Claudia Stillhard über ihren Beruf erzählen, ist zu spüren, dass es keine Floskel ist, wenn sie sagen, dass sie auch Jahrzehnte später ihren Beruf mit viel Freude ausüben. Sie erzählen von Schönem und von Situationen, die auch belasten können. Von Momenten, in denen das Leben mit dem Tod beginnt. Ein Umstand, der die Hebammen fordert, der von ihnen viel Fingerspitzengefühl verlangt. Um in diesen Situationen entsprechende Begleitung anbieten zu können, hat Claudia Stillhard eine mehrjährige Ausbildung zum Thema «Emotionelle Erste Hilfe» absolviert.

Die ständige Weiterbildung sei für beide sehr wichtig, sagt Margo Willi. Sie, die in Akupunktur und ­Manualtherapie sukzessive ihr Wissen erweitert hat. «Neue ­Erkenntnisse und Methoden ­machen unsere Arbeit auch spannend», ergänzt Claudia Stillhard: «Unsere Arbeit ist eine Herzenssache.» Und gewiss eine, die in Stein gemeisselt ist. Denn an ihre Hebamme erinnert sich jede Frau noch ihr Leben lang.