REGION: Eine Veloroute für Auge und Herz

Die Strecke des Radwanderweges der Herzroute quer durch die ganze Schweiz führt durch das Toggenburg. Die hügelige Etappe von Wattwil nach Herisau zeigt die Tallandschaft von ihrer schönsten Seite.

Rino Hosennen
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Zum Greifen nah: Die Herzroute bietet immer wieder Aussicht auf wunderschöne Bergkulissen. (Bild: Rino Hosennen)

Zum Greifen nah: Die Herzroute bietet immer wieder Aussicht auf wunderschöne Bergkulissen. (Bild: Rino Hosennen)

Rino Hosennen

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Die Herzroute Nummer 99 ist ein regionaler Radwanderweg und eine besondere Nummer. Die Route erstreckt sich von Lausanne am Genfersee bis nach Rorschach am Bodensee und verläuft in dreizehn Tagesetappen und über 720 Kilometer quer durch die ganze Schweiz. Dabei durchquert sie auch das Toggenburg.

Eine Etappe führt von Wattwil bis nach Herisau: 55 Kilometer Strecke, 950 Höhenmeter und vier bis fünf Stunden Fahrzeit. Der Radwanderweg wurde getestet, selbst unter die Räder genommen, und solange der Schnee sich noch auf die oberen Gefilde beschränkt, ist die Route bequem auch im Winterhalbjahr machbar. Die Herzroute ist übrigens für E-Bikes konzipiert, denn diese Velos bringen einem die steilsten Rampen empor. Unterwegs bieten Akkuwechselstationen frische Energie. Die Herzroute lässt sich von allen Personen fahren, die auch im Alltag gelegentlich Velo fahren und die Schweiz zu jeder Jahreszeit geniessen möchten.

Friedliche Ruhe, plötzliche Einsamkeit

Gestartet wird am Bahnhof Wattwil und die Toggenburger Zentrumsgemeinde wird bei schönstem Wetter kurz nach acht Uhr in Richtung Lichtensteig verlassen. Auch wenn die ganze Strecke gut ausgeschildert ist, lernen die Tretenden schnell, auf die manchmal sehr kleinen, roten Schilder mit Fahrradsymbol und dem Herzroutenzeichen, dem weissen Herz auf blauem Grund und der Nummer 99, achtzugeben. Noch vor Lichtensteig verschwindet die Herzroute in ein Seitental der Thur. Nach nur wenigen Kurven offenbart sich eine fast vergessene Schweiz und man kann die plötzliche Einsamkeit, die friedliche Ruhe, die erfrischende Weltferne geniessen. Die verkehrsarmen Strassen führen durch das urtümliche Toggenburg, vorbei an einfachen Höfen und Wohnhäusern, zuerst nach Krinau und mit einer weiteren Schlaufe in einen zweiten Seitenarm des Toggenburgs bis nach Libingen.

Zwischen den steinigen Brückenpfeilern des Guggenlochviadukts tritt man in Lütisburg-Station wieder an die Oberfläche der Zivilisation und überquert kurz nach dem Zusammenfluss von Thur und Necker die historische Holzbrücke auf die andere Talseite. In Tufertschwil, dem bekanntesten Weiler in der Gemeinde, ist die Hälfte der Strecke geschafft. Dort lädt das Hotel Rössli an herrlicher Aussichtslage mit Blick auf das Alpsteinmassiv und die Churfirsten zu einer Pause und zum Genuss von einem Stück Ostschweiz auf dem Teller ein. Und obwohl man die Anstrengungen des Tretens, von der Kulisse der Bergkette betäubt, immer wieder vergisst, ist eine Stärkung zu diesem Zeitpunkt auch aus dem Grund zu empfehlen: Die folgenden 15 Kilometer der Route führen um Hangflanken herumschlängelnd mehr oder weniger nur noch bergauf.

Höchster Punkt liegt auf dem Wolfensberg

Wer mit der Fahrradtour einen Besuch der idyllischen Klosteranlage Magdenau verbinden will, muss in Wolfertswil nur einen knappen Kilometer Umweg von der Herzroute zum Weiler auf sich nehmen. Nach einem kurzen Abschnitt durch den Gielswald erreicht man Wolfensberg auf einer Höhe von 895 Meter über Meer. Den höchsten Punkt der Etappe. Für eine Verschnaufpause liegt hier tatsächlich ein gemütliches Restaurant mit einmaliger Aussicht. Es folgt die rassige Abfahrt nach Degersheim, wo am Bahnhof das noch zwölf Kilometer entfernte Tagesziel Herisau zum ersten Mal angeschrieben ist. Über ein verborgenes Teerweglein überquert die Route die Grenze zum Kanton Appenzell Ausserrhoden.

www.herzroute.ch www.rentabike.ch