REGION: Dorfkerne aufwerten lassen

Wenn eine Gemeinde den Dorfkerne neu beleben will, so wird viel Weitsicht, Geduld und Zeit benötigt. Die Regio Wil führte in Kirchberg und Aadorf eine Exkursion durch.

Hans Suter
Drucken
Teilen
Kirchberg liess für die Zentrumsentwicklung von drei interdisziplinären Teams eine Testplanung studieren.

Kirchberg liess für die Zentrumsentwicklung von drei interdisziplinären Teams eine Testplanung studieren.

Einst waren sie der Treffpunkt schlechthin: die Ortskerne. Meist waren Kirche, Gemeindehaus, Läden und Gasthäuser die prägenden Gebäude, zu denen es die Menschen hinzog. Heute sind viele Dorfkerne längst nicht mehr der Puls des Geschehens. Die Läden sind aus Platzgründen an den Rand des Dorfes gezogen und sind heute Shoppingmalls. Mehr und mehr Ladenflächen und nicht sanierte Wohnungen ­stehen leer. Investitionen werden zum Risiko. Um dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten und gegenseitig Wissen auszutauschen, hat die Kommission «Siedlung und Landschaft» der Regio Wil am Dienstag eine Exkursion für Behörden durchgeführt. «Wissen aus der Region für die Region lautet das Motto», sagte Kommissionspräsident Kurt Baumann vor rund zwei Dutzend Teilnehmenden. «Jedes Dorf ist anders, was gut ist. Trotzdem können wir vonein­ander lernen. Also sollten wir das tun.»

Die Sempacher Architektin und Stadträtin Mary Sidler zeigte am Beispiel Sempachs die Handlungsansätze für eine Aufwertung des Dorfkerns auf. «Aufwertung durch bauliche Massnahmen und durch Belebung: Diese zwei Ansätze ergänzen sich und sollten stets Hand in Hand gehen.» Bei den baulichen Massnahmen gelte aus Erfahrung der Grundsatz: «Gemeinsam kann mehr erreicht werden.» Bei der Aufwertung durch Belebung ist es laut Mary Sidler unabdingbar, das Potenzial des Dorfes zu kennen und zu analysieren. Dabei sei das Wohnen als wichtigste Funktion im Ortskern anzuerkennen. Zur Belebung des Kerns seien vor allem Nutzungen geeignet, die Publikum anzögen und im Erdgeschoss angesiedelt seien. Von grösster Wichtigkeit sei, dass von Anfang an eine gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ermöglicht werde. Aus Erfahrung rät die Architektin und Politikerin: «Betroffene zu Beteiligten machen. Die Akzeptanz der ­Betroffenen muss erarbeitet und gewonnen werden.» Das setze eine sorgfältige Planung vor der eigentlichen Planung voraus, damit ein Mehrwert für den Dorfkern und die Gemeinde entstehen könne. Alle Akteure sollten sich und ihre Ziele und Anliegen kennen. Das ermögliche neue Konstellationen, Zusammenarbeiten und Vereinfachungen. «Eine Innenentwicklung braucht aber Geduld und Zeit, die Veränderung passiert langsam.»