REGION: Akutes Problem im Toggenburg

In der Ostschweiz gibt es zu wenig Kinderärzte. Im Toggenburg wird dies zum akuten Problem, da die umliegenden Kinderarztpraxen oft ebenfalls zu wenig Kapazitäten haben.

Katharina Rutz
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Im Toggenburg müssen viele Mütter auf erfahrene Hausärzte ausweichen, denn die Kinderarztpraxen sind ausgelastet. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

Im Toggenburg müssen viele Mütter auf erfahrene Hausärzte ausweichen, denn die Kinderarztpraxen sind ausgelastet. (Bild: GAETAN BALLY (KEYSTONE))

REGION. Jede Mutter wird sich noch daran erinnern. An die Achterbahnfahrten der Gefühle, welche die Hormone in der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt bei einer Frau auslösen.

Trotzdem muss die werdende Mutter in dieser Zeit einiges organisieren und sich einen Kinderarzt suchen. Im «Schweizerischen Gesundheitsheft für das Kind» notieren die Kinderärzte die Ergebnisse der von der Schweizerischen Gesellschaft für Pädiatrie empfohlenen zwölf Kontrolluntersuchungen. Unter anderem steht mit vier Wochen eine Ultraschalluntersuchung der Hüften an. Doch nicht nur für die Vorsorgeuntersuchungen ist heute ein Kinderarzt nötig. Auch im Krankheitsfall ist es wichtig, in einer Kinderarztpraxis aufgenommen zu sein.

Im Toggenburg allerdings gibt es überhaupt keine Kinderarztpraxis, und die Praxen der Region können sich nicht über Patientenmangel beklagen. «Die Kinderarztpraxen in Herisau, Wil und Buchs sind voll. Wenige Plätze gibt es noch in Rapperswil-Jona», weiss Marianne Schläpfer-Widmer von der Mütter- und Väterberatung Toggenburg. Die Suche nach einem Kinderarzt kann im Toggenburg für junge Mütter zum Spiessrutenlauf werden. Erlebt hat das eine zweifache Mutter aus Alt St. Johann. Nach ihrem Zuzug kam das zweite Kind zur Welt. Naheliegend versuchte sie vor der Geburt in der Kinderarztpraxis in Buchs einen Platz zu erhalten. Doch sie erhielt eine Absage mit der Begründung, dass die Praxis ausgelastet sei.

«Wir von der Mütter- und Väterberatung empfehlen, sich bei einem der Toggenburger Hausärzte mit Fachkenntnissen in der Pädiatrie anzumelden. Doch diese verfügen meist nur über kleine Pensen», so Widmer. Die Mütter blieben oft ratlos zurück. «Es gibt Mütter mit Frühchen, die fünf oder sechs Absagen erhalten. Das ist schlimm.» Sie bezeichnet die Situation im Toggenburg als Notstand.

Im Toggenburg hat sich tatsächlich noch nie ein Kinderarzt oder eine Kinderärztin niedergelassen. Die Kinder werden durch Hausärzte und Hausärztinnen betreut, von denen sich manche am Ostschweizer Kinderspital auch in Pädiatrie weitergebildet haben», sagt Dr. Ivo Iglowstein, Leiter Netzwerk Pädiatrie.

Noch Kapazitäten für Kinder frei

Eine solche Hausärztin ist Andrea Grob in Wildhaus. Sie hat einen Teil ihrer Ausbildung am Kinderspital gemacht. «Obwohl ich nicht Fachärztin für Pädiatrie bin, habe ich mich zu dem Thema fortgebildet und bin selber Mutter von drei Kindern und habe noch Kapazitäten für weitere Patientinnen und Patienten», sagt sie. Den Mangel an Kinderärzten bestätigt auch die Wildhauser Ärztin. «Ich behandle mittlerweile mehrheitlich Kinder.» Auch andere Toggenburger Hausärztinnen und Hausärzte würden über viel Erfahrung mit Kindern verfügen, es lohne sich nachzufragen, so Andrea Grob.

Für den Hüftultraschall arbeiten diese Hausärzte im Toggenburg entweder mit einer der Kinderarztpraxen oder dem Spital Wattwil zusammen.