Rege Diskussion – grosse Einigkeit

An der Bürgerversammlung haben die Investitionen um grosse künftige Ausgaben zu Diskussionen geführt. Die Stimmbürger sagten deutlich Ja zum Voranschlag 2015 einschliesslich der Projekte Kunstrasenplatz, Morga-Bächli, Alters- und Pflegeheim und Schulraumkonzept.

Olivia Hug
Merken
Drucken
Teilen
Gemeindepräsident Christian Spoerlé verlor kurz auch mal den Überblick über die Abstimmungen. (Bild: Olivia Hug)

Gemeindepräsident Christian Spoerlé verlor kurz auch mal den Überblick über die Abstimmungen. (Bild: Olivia Hug)

EBNAT-KAPPEL. Ein klares Bekenntnis zum FC und ein deutliches Ja zur Projektierung eines Neubaus des Alters- und Pflegeheims Wier: So lässt sich die zweieinhalbstündige Bürgerversammlung in Ebnat-Kappel zusammenfassen. Die Argumentationen für und wider vier im Voranschlag 2015 enthaltener Investitionen wurden intensiv, teils emotional geführt. Zu reden gaben nicht nur die Gesamtinvestitionen von 3,66 Millionen Franken, sondern auch die Kosten, welche Ebnat-Kappel in den nächsten Jahren angesichts der grösseren Bauvorhaben erwarten. Dass 325 Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in die Mehrzweckhalle Schafbüchel fanden – welche anstelle der Kirche Kappel als Veranstaltungsort ausgewählt worden war –, unterstrich das Interesse und die Betroffenheit der Bevölkerung.

Steuererhöhung zieht nach

Im Vorfeld der Versammlung wurden mehrere Anträge durch Willi Bohl, Andreas Rohner und SP-Präsident Beat Schegg gestellt. Auch während dieser meldeten sich nebst den Antragsstellern ein halbes Dutzend Bürgerinnen und Bürger zu Wort. Ihre Voten bezogen sich auf das Bauvorhaben eines Kunstrasenplatzes auf der Gill und auf den Planungskredit zum vorgesehenen Neubau des Alters- und Pflegeheims Wier sowie auf die Investitionen in die Offenlegung des Morga-Bächlis und den Kredit zur Schulraumgestaltung und das geplante Projekt eines Neubaus in der Wier (siehe Zweittexte). Die Summe der grösseren Vorhaben ziehe nach sich, dass der Steuerfuss ab 2016 um vier Prozent auf 149 Prozent erhöht werden müsse, sagte Gemeindepräsident Christian Spoerlé. Der Finanzplan 2015 bis 2019 zeigte ungefähre Tendenzen auf: So werde die Bevölkerungszahl Ebnat-Kappels marginal steigen, die Kosten der Pflegefinanzierung erhöhten sich und die Soziallasten nähmen zu. Für 2015 konnte der Gemeinderat ein ausgeglichenes Budget bei leicht höheren Steuereinnahmen von 10,57 Millionen Franken budgetieren. Mit überraschender Deutlichkeit wurden der Voranschlag der Politischen Gemeinde sowie der Voranschlag der Alters- und Pflegheime angenommen. Drei Gegenstimmen zählte die Abstimmung über erstere, welche unter anderem den Gemeindebeitrag von 900 000 Franken an den rund 1,6 Millionen Franken teuren Neubau des Kunstrasenplatzes beinhaltet. Zwei Gegenstimmen verzeichnete letztere, welche einen Planungskredit von 50 000 zum Zweck eines Neubaus von rund 28 Millionen Franken des Alters- und Pflegeheims (APH) Wier vorsieht. Bevor es zur Abstimmung kam, wurde über sämtliche Anträge abgestimmt, wobei Andreas Rohner seinen Antrag über die Streichung des Planungskredites für die APH zurückzog, nachdem dieser vor der ersten Abstimmung über den Voranschlag vergessen ging. Seinem Antrag, den Betrag für die Sanierung des Liftes in einem Gebäude des APH, welches mittelfristig abgerissen würde, zu streichen, folgten vier Stimmbürgerinnen und Stimmbürger.

Der Gemeindepräsident machte sich zuvor stark für das Kunstrasenfeld auf der Gill. «Natürlich haben nicht alle Ebnat-Kapplerinnen und Ebnat-Kappler einen Profit daraus», argumentierte er. «Aber beim Schwimmbad verhielt es sich auch nicht anders.»

Unterhaltspflicht des FC

Zudem könnten auch andere Vereine oder die Schule einen Nutzen aus dem neuen Platz ziehen. Man dürfe nicht ausser Acht lassen, dass der FC grosse Leistungen im Bereich der Jugendarbeit erbringe. Er machte weiter deutlich, dass es keine Alternative zum vorgelegten Projekt gebe, welches vom FC, dem Gemeinderat und dem Ingenieurbüro Schällibaum geprüft wurde. «Vor zehn Jahren konnten wir uns diesen Faktor im Standortvorteil nicht leisten, in zehn Jahren werden wir ihn uns nicht mehr leisten können», appellierte Spoerlé. Walter Solèr wollte daraufhin in seinem Votum wissen, ob man die Kosten im Griff habe angesichts dessen, dass der Fussballplatz ein Retentionsbecken darstelle. Sein Anliegen war die Klarheit darüber, wer im Fall einer Überschwemmung für die Kosten der Sanierung aufkomme und ob allfällige Schäden durch das auf- und weggeschwemmte Granulat in die Überlegungen eingeflossen seien.

Spoerlé antwortete, dass bezüglich Massnahmen zur Abführung des Wassers die Berücksichtigung hoher Auflagen bereits Teil der Planungsarbeit war. Emil Aerne, Leiter der Arbeitsgruppe des FC Ebnat-Kappel, erklärte, dass selbst im schlimmsten Fall nur die oberste Schicht des Rasens Schaden nehmen würde und die Unterhaltsarbeit in der Pflicht des FC liege, welcher jährlich Rückstellungen für eine komplette Ersetzung des Rasens nach 15 Jahre mache. Er versicherte auf Anfrage Hans Peter Dreyers, dass es sich bei dem Projekt um keinen Schnellschuss handle, welchem ein 100seitiger Bericht eines erfahrenen Architekten zugrunde liege.

Beat Schegg wünschte sich im Anschluss namens der SP Ebnat-Kappel, dass der Gemeinderat ein Konzept ausarbeite, welches die künftige Unterstützung anderer, kleinerer Vereine zum Inhalt habe. Ebenso viele Votanten meldeten sich beim Traktandum zum Voranschlag der Alters- und Pflegeheime zu Wort. Vor dem Hintergrund einer Sanierung würden derzeit nur gezielte Investitionen vorgenommen, sagte der Gemeindepräsident. Er verwies auf den voraussichtlichen Betriebsgewinn von 350 000 Franken, welcher Voraussetzung für das geplante Bauvorhaben sei. Dieses sei in mehreren Sitzungen unter Beteiligungen von Fachleuten einstimmig beschlossen worden. So sei die vorgestellte Variante, die den Neubau des Hauses C sowie die Abtretung der Häuser A und B bei Gesamtkosten von rund 28 Millionen Franken vorsieht, die eindeutig bevorzugte.

Auf Pflege konzentrieren

Bei dieser Variante konzentrieren sich die APH auf die Pflege. Für nicht pflegebedürftige Menschen stehen laut Spoerlé viele Möglichkeiten wie etwa das altersgerechte Wohnen zur Verfügung. Ausserdem habe dieser Bereich in den vergangenen Jahren stark abgenommen.

Andreas Rohner, der in der Funktion als Präsident des Zukunftsforums Ebnat-Kappel auftrat, plädierte dafür, dass sich die Gemeinde ein Gesamtkonzept zur Planung des Zentrums überlege. Ihn irritierte das Vorhaben eines Neubaus sowie die Zweckentfremdung der funktionierenden Häuser, welche als Pflegeheim genutzt werden könnten. Er machte auch darauf aufmerksam, dass das Geld künftig für andere Zwecke fehlen würde, wenn die Bürgerschaft an diesem Abend der Verbauung von 45 Millionen Franken zustimme. Daraufhin verwies Ruedi Bannwart darauf, dass vorerst nicht die Rede von Millionenbeträgen sei, sondern es um einen Planungskredit gehe.

Spoerlé nahm dies zum Anlass zu betonen, dass er der Bürgerschaft ohne den Kredit keine Skizze vorlegen könne. Er versicherte ferner, dass keine Luxusbauten errichtet würden. «Die Rede ist von Zweckbauten, die lange und gut ihren Zweck erfüllen.»

Schulratspräsident Pierre Joseph beantwortete alle Fragen zur Schule. Hinter ihm steht der Gemeindepräsident. (Bild: Olivia Hug)

Schulratspräsident Pierre Joseph beantwortete alle Fragen zur Schule. Hinter ihm steht der Gemeindepräsident. (Bild: Olivia Hug)

Das Schulhaus Schafbüchel in Ebnat-Kappel. Eines der drei Primarschulhäuser. (Bild: Jesko Calderara)

Das Schulhaus Schafbüchel in Ebnat-Kappel. Eines der drei Primarschulhäuser. (Bild: Jesko Calderara)