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REFORMATION: Rätsel um Täufer-Hinrichtungen

Es ist ein dunkles Kapitel: die Verfolgung und Hinrichtung der Täufer. Die früheren Weggefährten Zwinglis wollten eine radikalere Erneuerung. Auch aus dem Toggenburg sind Rechtsfälle bekannt.
Daniel Klingenberg
War das Städtli Lichtensteig Schauplatz der Todesstrafe gegen Täufer? (Bild: Toggenburger Museum Lichtensteig)

War das Städtli Lichtensteig Schauplatz der Todesstrafe gegen Täufer? (Bild: Toggenburger Museum Lichtensteig)

«Ist niendert do zmal mer lüt getöt dann ze Lichtenstag.» Das schreibt Fridolin Sicher in seiner Reformationschronik von 1531. Gemeint ist: In Lichtensteig seien so viele Anhänger der reformatorischen Bewegung der Täufer hingerichtet worden wie sonst nirgends. Sicher gibt keinen Zeitraum an, meint aber wohl die turbulente Zeit ab 1527.

Der berühmteste Täufer-Märtyrer ist Felix Manz, der in Zürich am 27. Januar 1527 ertränkt wird. Der Ort ist kein Zufall: Die Gruppe der Täufer entsteht in Zürich rund um frühere Schüler und Weggefährten von Ulrich Zwingli. Sie breitet sich ab 1525 rasch in die Ostschweiz, aber auch nach Basel und Bern und in den süddeutschen Raum aus. Über St. Gallen und das Appenzell kommen die Täufer auch ins Toggenburg. In der Zeit von 1525 bis 1578 sind Rechtsurteile mit Geldstrafen oder Landesverweis gegen Täufer dokumentiert. Der Toggenburger Landrat befasst sich zudem mehrmals mit ihrer Disziplinierung.

«Glaubenstaufe» im Bach

Die Bewegung der Täufer ist ein Sammelbecken für reformatorische Strömungen, die sich von Zwingli und Luther absetzen. Der Name leitet sich von der von ihnen praktizierten Erwachsenentaufe ab. Am 21. Januar 1525 macht eine Gruppe um Felix Manz in Zürich erstmals diese «Glaubenstaufe». Denn die Täufer sind der Meinung, dass der Glaube eine freie Gewissensentscheidung sei. Das setzt voraus, dass der Gläubige als Erwachsener entscheidet. Sie lehnen daher die Säuglingstaufe ab, auch mit der Begründung, sie sei nicht biblisch belegt. «Zu Hunderten kamen sie oft des Nachts auf freien Feldern, in Wäldern und Flüssen zusammen, wo sie sich taufen liessen», schreibt Gottfried Egli 1955 im Buch «Reformation im Toggenburg». Er gibt allerdings keine Quelle an.

Die Täufer kommen mit der Justiz in Konflikt, weil sie sich weigern, damaliges geltendes Recht zu befolgen. Sie verweigern die Säuglingstaufe und lehnen den Gebrauch von Waffen ab. Zudem behaupten sie, ein Christ dürfe kein Amt der Obrigkeit bekleiden. «All dies konnte im zeitgenössischen Kontext schwerlich anders verstanden werden denn als ‹Aufruhr›», schreibt der Theologe Peter Opitz. Hinzu kommen «sittliche Auswüchse». Egli schreibt, dass im Raum St. Gallen «viele völlig nackt einhergingen, sich wie Kinder auf Sandhaufen setzten und spielten, dass sie einander zu Willen waren und sogar ein Bruder den anderen enthauptete, weil es angeblich der Wille des himmlischen Vaters gewesen sei». Er beruft sich auf Sicher.

Zwei Hinrichtungen im Toggenburg?

Wie steht es aber mit Täufer-Hinrichtungen im Toggenburg? Die Quellen dafür sind nicht gesichert. Vor 100 Jahren schreibt Pfarrer Oskar Frei in einer Publikation zum damaligen Reformationsjubiläum: «Im Sommer 1529 gaben die Täufer dem Toggenburger Landrat viel zu schaffen. 16 Täufer wurden schliesslich eingezogen, und zwei ihrer Führer, ein Hans Feusi aus dem Zürichbiet und ein fränkischer Schuster zum Tode durch Ertränken verurteilt.» Quelle für diese beiden Hinrichtungen ist auch das «Reformations-Tagebuch» eines Johannes Rütiner, das aber aufgrund seiner Mangelhaftigkeit von Forschern nicht ausgewertet wurde. Dort ist weiter von einer Hinrichtung in Gossau die Rede, welche auch Vadian bekannt ist.

Zu Zwinglis Lebzeiten werden in Zürich insgesamt vier Täufer hingerichtet. Der letzte Vollzug einer Todesstrafe an einem Täufer geschieht 1571, für Zürich sind bis dahin sechs Hinrichtungen belegt. Der St. Galler Hans Krüsi wird bereits im Juli 1525 in Luzern verbrannt. Sein Weg zum Tod in der Innerschweiz führt durchs Toggenburg.

Zürich entschuldigt sich

Die Täufer werden in der Neuzeit rehabilitiert. Die reformierte Zürcher Kirche hat sich 1983 und 2004 öffentlich entschuldigt für die Morde an den Täufern. «Wir bekennen, dass die damalige Verfolgung nach unserer heutigen Überzeugung ein Verrat am Evangelium war und unsere reformierten Väter in diesem Punkt geirrt haben.» Die Täuferbewegung wird heute als Teil der reformatorischen Geschichte verstanden. Mit ihrem Aufruf zur Gewaltlosigkeit gelten sie als ihrer Zeit voraus.

Dieser Text ist der fünfte Teil der Reihe Reformation im Toggenburg. Teil 1 finden Sie hier; Teil 2 hier; Teil 3 hier; Teil 4 hier.

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