Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

RECYCLING-KUNST: Von hartnäckigem Kunstliebhaber entdeckt

Die Tage der 78-jährigen Künstlerin Susi Uebersax aus Wildhaus sind ausgefüllt. Sie führt auch den Haushalt, betreut die Fundgrube und pflegt Kontakte mit Freunden.
Adi Lippuner
Die 78-jährige Susi Uebersax ist Mitbegründerin der «Wildhauser Talente» und «Frau der ersten Stunde» der Fundgrube in Wildhaus.

Die 78-jährige Susi Uebersax ist Mitbegründerin der «Wildhauser Talente» und «Frau der ersten Stunde» der Fundgrube in Wildhaus.

Der Name Susi Uebersax ist im obersten Toggenburg, aber auch weit über die Region hinaus, untrennbar mit kunstvoll verwertetem Abfallmaterial verbunden. Ob Schrauben, Rädchen eines Uhrwerks, Münzen, Bestand­teile alter Schreibmaschinen, Pins oder einfach ein Stück Blech: Unter Susi Uebersax’ Händen entstehen daraus Kunstwerke, eine Kombination aus Recycling und Tradition. So wundert es nicht, dass sie 1991 ihre erste Ausstellung bestritt und seither immer wieder in der Öffentlichkeit präsent ist.

«Dabei wollte ich mein Hobby nur für mich und mein engstes Umfeld betreiben und habe mich von Anfang an nie als Künstlerin gesehen», so ihre bescheidene Aussage. Doch es kam anders: Der Wirt eines Restaurants in Lichtensteig war auf der Suche nach Dekorationsartikeln in der Wild­hauser Fundgrube und stiess dabei auf Bilder, die ihm sofort gefielen. Von Susi Uebersax wollte er wissen, wer diese herstelle. «Ich habe nicht ver­raten, dass dies meine Werke sind, und so musste er unverrichteter Dinge wieder gehen», blickt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht auf die da­malige Begegnung zurück.

In Blechstanzerei erwachte die Lust auf etwas Neues

Doch Susi Uebersax hatte die «Rechnung ohne den Wirt» gemacht. Der Fan aus Lichtensteig wandte sich an Axel von Wehrden und dieser verriet ihm, dass die Werke von Susi Uebersax stammen. «So kam ich zu meiner ersten Ausstellung und war erstaunt, welchen Anklang die Werke beim ­Publikum fanden», blickt die heute 78-Jährige zurück. Seither folgten zahlreiche weitere Präsentationen, unter anderem auch die seit vielen Jahren um die Weihnachtszeit zum ­fixen Jahresablauf gehörende Aus­stellung «Wildhauser Talente» in der Mehrzweckhalle Chuchitobel.

Doch wie kam die in Wildhaus heimisch gewordene Rheintalerin zur ­Recyclingkunst? «In einer Blech­stanzerei im Tessin fand ich verschiedene Abfälle aus Messing und Blech und mich packte die Lust, aus diesem nicht mehr benötigten Material etwas Neues herzustellen», blickt sie auf die Anfänge ihres Hobbys zurück.

Dabei war der in Au geborenen ­Susanne Fankhauser die künstlerische Tätigkeit keineswegs in die Wiege gelegt worden. Die Familie hatte zu Beginn der Vierzigerjahre des vergan­genen Jahrhunderts andere Herausforderungen zu bewältigen. Die kleine Susanne wuchs zusammen mit zwei Brüdern auf, besuchte die Schule und konnte als junge Frau die Handelsschule in St. Gallen absolvieren. Dann folgte der damals «obligate» Welschland-Aufenthalt. Anschliessend ging sie als Au-pair nach Ascot in England. Nach der Rückkehr aus England absolvierte die junge Frau die Hotelfachschule in Lausanne und schloss mit dem Diplom «Aide-Directrice» ab. Berufliche Stationen waren das Nobelhotel Des Bergues in Genf und das Suvretta House in St. Moritz.

Liebesglück in Basel gefunden

Nach Einsätzen in St. Gallen und Lugano folgte ein Engagement in Basel und dort lernte die junge Hotelfachfrau ihren späteren Ehemann, Egon Uebersax, kennen. Nach der Heirat im Jahr 1962 lebte das Paar zuerst in Goldach, später am Rorschacherberg. Nach Wildhaus kam die junge Familie durch den Bau eines Ferienhauses, das ab 1970 dann das ständige Daheim werden sollte. Drei Söhne machten das Familienglück perfekt.

Engagement für die Familie, aber auch für die Dorfgemeinschaft waren Susi Uebersax immer ein grosses Anliegen und so wurde im Jahr 1976 die Fundgrube, ein kleiner Trödlerladen in einem ehemaligen Kuhstall, eröffnet. Zusammen mit einer Frau aus dem Dorf wird gut Erhaltenes, aber nicht mehr Benötigtes angenommen und weiterverkauft. Den Erlös stecken Susi Uebersax und Anni Grob nicht in die eigene ­Tasche, das Geld geht an wohltätige Institutionen oder wird für Projekte im Dorf verwendet.

Zurück zur Recyclingkunst: Die ­groben Arbeiten führt Susi Uebersax im Hobbyraum im Keller des Eigenheims ­aus, die Feinarbeiten in einer kleinen, ­geschickt genutzten Ecke auf der ­Galerie. Auf der Arbeitsfläche ­haben eine Zange, die Heissleim-­Pistole, das zu realisierende Werk und etwas Material Platz. In kleinen Schubladen direkt neben der Arbeitsfläche bewahrt Susi Uebersax ihre Schätze auf. Alles wohlgeordnet, aber keines der Fächer ist beschriftet. Trotzdem ­findet die Künstlerin jedes Stück mit traumwandlerischer Sicherheit. Ordnung und Disziplin gehören zu ihr wie die liebevoll gestalteten, ­unverwechselbaren Toggenburger Kühe. Ihre fantasievollen Collagen zeigen auch Esel, Güggel, Katzen und vieles weitere, das «kreucht und fleucht».

Das ganze Daheim von Susi Uebersax in Wildhaus strahlt Gemütlichkeit aus. Die ­Möbel passen zur Bewohnerin, genauso wie die liebevoll ausgewählten und weitgehend selbst gefertigten Dekorationsartikel. Entsprechend deur Überzeugung der Künstlerin finden sich keine Wegwerfartikel. Dafür Gebrauchs-gegen­stände, die von Susi Uebersax zu neuem Leben erweckt wurden, wie beispielsweise der Tischunterbau in der Küche, der im früheren Leben mal eine Nähmaschine war.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.