Rechtlose Land- und Waldbesitzer

Leserbrief zur bestehenden Ordnung zur Vergütung von Landschaftsschäden durch Wildtiere.

Drucken
Teilen

Leserbrief zur bestehenden Ordnung zur Vergütung von Landschaftsschäden durch Wildtiere.

Mit der jetzigen Wildschadenverordnung haben die wenigsten Land- und Waldbesitzer Anspruch auf eine Entschädigung, weil die Bagatellgrenze viel zu hoch angesetzt ist, Schäden kaum zusammengezählt werden und die Ansätze für Wildschäden zu tief angesetzt sind. In meinem Fall sind es Wildschweinschäden. Von April bis Oktober 2011 haben die Schweine im Durchschnitt alle zwei bis drei Wochen meine Wiesen verwüstet, manchmal 20 Quadratmeter, manchmal 400 Quadratmeter. Da aber diese Schäden in gewissen Zeitabständen stattgefunden haben, bekomme ich gemäss Jagdverwaltung und Wildhut keine Entschädigung. Meine Familie und ich haben alles unternommen, um die Sauen fernzuhalten, sei es mit Radios, die jeden Abend verstellt wurden, Blinklampen, Vergrämungsmitteln oder Menschenhaaren. Viele Stunden wurden aufgewendet, um die Wiesen wieder herzustellen. Die Schadensumme beträgt über 3000 Franken. Etwa gleich läuft es im Wald. Da kann jahrzehntelange Arbeit durch Wildtiere zunichte gemacht werden und man bekommt keine Entschädigung.

Wenn man die Zusammenhänge Wild und Wald versteht, ist es ganz logisch, dass sich Rot-, Gams-, Reh- und Schwarzwild das Futter auch auf den Wiesen suchen (die Gämsen an der Rickenstrasse). Meiner Ansicht nach müsste der Kanton verpflichtet werden, diese Schäden vollumfänglich zu vergüten. Solange aber die jetzige Wildschadenverordnung in Kraft ist, wird sich nichts ändern. Wenn nun der Kanton verpflichtet würde, Schäden, die durch Wildtiere entstehen, vollumfänglich zu vergüten, müsste sich die Jagdverwaltung bemühen, die Schäden in Grenzen zu halten. Es kann nicht sein, dass Land- und Waldbesitzer wegen einer Fehlkonstruktion der Jagdgesetze und Verordnungen meistens leer ausgehen. Lösungen gäbe es genügend. Im Kanton Zürich zum Beispiel gilt ein einmaliger Selbstbehalt von 200 Franken und die Schäden werden das ganze Jahr über zusammengezählt. Ich bin selber Jäger in Wattwil, darf aber auf meinem Grund und Boden nicht jagen, da dieses Revier an auswärtige Jäger verpachtet ist. Wieder eine Fehlkonstruktion der Gesetze. Die weiten Anfahrtswege sind ökologischer Unsinn. Ich bekam vom Obmann der Jagdgesellschaft Schönenberg-Wattwil auch kein Abschussrecht auf Sauen, auch von der Jagdverwaltung nicht. Gesetze und Verordnungen sind wichtiger, als Wildschäden auf einem erträglichen Niveau zu halten. Um solche Missstände zu beseitigen, sind der St. Galler Bauernverband, der Forstdienst sowie der Kantons- und Regierungsrat gefordert. Bitte helft uns Land- und Waldbesitzern.

Urs Britt

8726 Ricken