Raus aus der Komfortzone

Auf die «Sünde des Monats» hat mich der Bericht aus der Serie «Lebensmeister» in der Appenzeller Zeitung vom 19. September gebracht. Die «Notizen» von Christa Wüthrich haben mich gepackt und mich in so etwas wie ein emotionales Dilemma gestürzt.

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Auf die «Sünde des Monats» hat mich der Bericht aus der Serie «Lebensmeister» in der Appenzeller Zeitung vom 19. September gebracht. Die «Notizen» von Christa Wüthrich haben mich gepackt und mich in so etwas wie ein emotionales Dilemma gestürzt.

Der Bericht beschreibt einen Menschen, der im Sinne der Serie «Lebensmeister» mit einem entscheidenden Einschnitt in seinem Leben fertig werden musste. Er hat das bewusst getan. Das Bild, welches ihn mit Handbike unterwegs im Appenzellerland zeigt, strömt Lebendigkeit aus. Da werde ich mit meinen paar Leiden doch glatt zum Jammerbrocken, «Obersöderi» und «Megachlöni».

Und da bin ich schon mittendrin in der «Sünde». 50 Prozent unseres Befindens basiert darauf, dass es anderen schlechter oder besser geht als uns. Wir finden immer jemanden, dem es schlechter oder besser geht. Schlechtere Beispiele trösten uns etwas, bessere Beispiele rechtfertigen das Gejammer.

So oder so – das sind nur die ersten 50 Prozent des Wohlergehens, und es sind die einfachen 50 Prozent. Die zweite Hälfte ist diejenige, die wir aktiv selber leisten müssen. Das heisst, raus aus der «Komfortzone» und ran ans Tun. Fertig mit Vergleichen und Jammern.

Und dann erscheint da ein Bericht über einen Menschen, der so schwer verletzt wird, dass es ihm nicht einfach einen oder zwei Monate schlecht geht, sondern der sich für den Rest seines Lebens mit ganz neuen Bedingungen auseinandersetzen muss. Wenn dieser Mensch mit diesen Herausforderungen dann so aktiv und konstruktiv umgeht, wie das beschrieben wird, dann beginnt sich bei mir etwas zu bewegen.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten, die darüber entscheiden, ob ich die Sünde des Septembers auch in den Oktober mitnehme oder ob «Erlösung» möglich ist: Erstens: Zeitung wegschmeissen, Journalistin verurteilen (Bericht einseitig, so simpel, wie die das beschreibt, kann das nicht sein). Oder zweitens: Eingestehen, dass hier jemand mit einer aussergewöhnlichen Situation tatsächlich in ermutigender und eindrücklicher Weise umgegangen ist und ich in der Disziplin «Leben» in Sachen «Meisterschaft» noch einiges arbeiten muss. Was würden Sie tun?

Heinz Mauch-Züger