Hunde an die Leine! Im Appenzeller Mittelland grassiert die Fuchsräude

Auch Hunde können von der Krankheit befallen werden. Die Wildhut mahnt daher, die Tiere im Wald nicht frei laufen zu lassen.

Karin Erni
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An Räude erkrankte Füchse erkennt man am schütteren Fell und dem geschwächten Allgemeinzustand.

An Räude erkrankte Füchse erkennt man am schütteren Fell und dem geschwächten Allgemeinzustand.

Bild: M. Woike/KEY

Im Januar und Februar ist die Paarungszeit der Füchse. In dieser Zeit sind die Tiere weniger scheu und daher gelegentlich auch tagsüber anzutreffen. Doch nicht alle Füchse sind auf Partnersuche, sondern sie könnten von einer Krankheit befallen sein. Seit einigen Jahren grassiert hierzulande die Fuchsräude, eine Erkrankung mit sogenannten Grabmilben. Die Parasiten graben Bohrgänge in die Haut ihres Wirts, wo sie sich von Zell- und Gewebeflüssigkeit ernähren sowie Eier ablegen und Kot absondern. Diese Vorgänge lösen bei den befallenen Tieren starken Juckreiz aus. Durch das heftige Kratzen verlieren sie immer mehr Haare und fügen sich selbst blutige Wunden zu.

In den meisten Fällen ende die Krankheit tödlich, daher müsse der Wildhüter befallene Tiere erlösen, erklärt der Ausserrhoder Jagdverwalter Heinz Nigg.

«Von Räude betroffene Wildtiere sind oft geschwächt und stark abgemagert. Sie können auch Verhaltensauffälligkeiten zeigen und die natürliche Scheu vor dem Menschen verlieren.»

Die Krankheit werde vor allem in direktem Kontakt von einem Tier zum andern übertragen, was insbesondere in der aktuellen Paarungszeit passiere, so Heinz Nigg. «Dann haben die Tiere wegen der Kämpfe und der Begattung vermehrt Körperkontakt untereinander». Die Milben können aber auch ausserhalb des Körpers einige Zeit überleben und so einen neuen Wirt befallen. Auf diese Weise können sich auch Haushunde oder Katzen anstecken, wenn sie sich in einen Fuchsbau begeben oder in einen Kampf verwickelt werden.

Nigg mahnt daher, Hunde und Katzen derzeit besonders gut zu beaufsichtigen und im Wald nicht frei laufen zu lassen. Zwar lässt sich die Krankheit bei Haustieren gut behandeln, wenn sie frühzeitig erkannt wird. Auch der Mensch kann gelegentlich von den Milben befallen werden. Da er aber ein Fehlwirt ist, kann sich die Milbe im Körper nicht fortpflanzen. Es kommt lediglich zu Juckreiz, der behandelt werden kann.

Vorsicht bei kranken und toten Tieren

Die Verbreitung der Fuchsräude hänge stark vom Fuchsbestand ab, erklärt Nigg. «Wenn dieser hoch ist, gibt es auch mehr kranke Tiere. In den letzten Jahren sind in Ausserrhoden jährlich zwischen 70 und 145 Fälle von Fuchsräude statistisch erfasst worden.» Derzeit sind vor allem im Mittelland Fälle zu verzeichnen, aber auch das Vorderland ist betroffen. Die Infektionen würden wellenförmig verlaufen, sagt Nigg.

«Wenn viele Füchse an der Krankheit sterben, wird der Bestand kleiner und die Krankheit geht wieder zurück. Vermehren sich die Füchse wieder, gibt es auch wieder mehr Krankheitsfälle. Das ist ein natürlicher Vorgang.»

Genaue Bestandeszahlen seien nicht vorhanden, so der Jagdverwalter. «Füchse sind sehr mobil und wir können ihre Zahl lediglich anhand der im Strassenverkehr umgekommenen Tiere abschätzen.» Wer einen kranken oder toten Fuchs sieht, sollte den Wildhüter informieren. Tote Tiere sollten nicht oder, falls doch nötig, nur mit Gummihandschuhen angefasst werden.