Ratssession
Kehricht bleibt an der Luft: Grosser Rat lehnt Unterflurbehälter ab

Der Grosse Rat lehnt den Kredit für das kantonale Netz von Unterflurbehältern ab. Das Projekt sei zu teuer, der Nutzen fragwürdig. Wie es für die Kehrichtverbände weitergeht, ist offen.

Selina Schmid
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Ging es nach der Standeskommission, wären Kehrichtsäcke künftig in Unterflurbehältern gesammelt worden.

Ging es nach der Standeskommission, wären Kehrichtsäcke künftig in Unterflurbehältern gesammelt worden.

Ralph Ribi

Vorerst werden die Innerrhoderinnen und Innerrhoder ihren Kehricht weiter am Strassenrand zur Abfuhr bereitstellen. Der Grosse Rat sprach sich am Montag mit 25 zu 22 Stimmen gegen den 3-Millionen-Franken-Kredit für ein kantonales Netz von Unterflurbehältern aus. Die Standeskommission hatte den Bau von 159 Containern in den kommenden acht Jahre gebaut vorgeschlagen.

Unterflurbehälter ermöglichen es, Kehricht jederzeit und unabhängig vom Abfuhrkalender zu entsorgen. Gemäss Standeskommission gibt es im inneren Land aktuell ein gutes Dutzend Unterflurbehälter, in Oberegg sind zwei im Einsatz. Ein Behälter im inneren Landesteil hätte durchschnittliche Kosten von 21'000 Franken verursacht, in Oberegg wären sie mit 16'200 etwas günstiger gewesen. Der Kanton hatte für das Projekt einen Kredit von knapp drei Millionen Franken beantragt.

Als Präsident der Baukommission sagte Grossrat Patrik Koster am Montag, dass die Unterflutbehälter im Unterhalt meist günstiger seien als die Strassensammlung, etwa weil der Abfall in weniger Arbeitsschritten zu handhaben sei.

Zu teuer und zu unnütz

Grossrätin Angela Koller hinterfragte dagegen, ob die Möglichkeit, jederzeit den Kehricht entsorgen zu können, wirklich so komfortabel sei. Die Unterflurbehälter bedeuten mehr persönlichen und zeitlichen Aufwand. Im Siedlungsgebiet wäre der nächste Container maximal 350 Meter entfernt gewesen. Besonders für ältere Menschen ist dies weit. «Sollen sie denn die Spitex bitten, den Abfallsack zu entsorgen?»

Sie kritisierte auch die Kosten. Zum Kredit von knapp drei Millionen Franken wäre auch der Preis der einzelnen Gebührensäcke gestiegen. Die Mehrheit des Grossrats schien Kollers Meinung zu sein.

Verbände sind für neues System

In Innerrhoden ist die Entsorgung des Kehrichts Aufgabe der A-Region und des Zweckverbands Kehrichtverwertung Rheintal. Im Vorfeld hatten die beiden an ihren Delegiertenversammlungen die Einführung des neuen Abfuhrsystems beschlossen. Nur für Sperrgut soll es noch Touren geben.

Der Zweckverband Kehrichtverwertung Rheintal setzte sich eine Frist von zehn Jahren, die Behälter hätte der Verband bezahlt. Die A-Region plante gar mit einem Horizont von acht Jahren, mit einer Standortbestimmung nach drei. Die Behälter wären Eigentum des Kantons, die A-Region hätte dabei den Kanton mit einem nicht kostendeckenden Betrag unterstützt. Der Unterhalt der Behälter wäre im ganzen Kanton Aufgabe des Bau- und Umweltdepartements gewesen.

Die Folgen des parlamentarischen Neins sind für die Verbände nun unklar. Die Bezirke haben derweil die Möglichkeit, selbst Unterflurbehälter bereitzustellen, doch müssten sie dies selbst organisieren und finanzieren.

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