Raiffeisen in Ganterschwil schliesst

BÜTSCHWIL/MOSNANG. Fast nur Gutes wussten Bankleitung und Verwaltungsrat der Raiffeisenbank Unteres Toggenburg an der GV vom Freitag zu berichten. Mit der Schliessung der Geschäftsstelle in Ganterschwil im Frühling 2015 musste allerdings ein unpopulärer Entscheid gefällt werden.

Michael Hug
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Die 93. Generalversammlung der Mitglieder der Raiffeisenbank Unteres Toggenburg fand am Freitag – aus Platzgründen – an zwei Orten gleichzeitig statt. Mit 979 aufmarschierten Genossenschaftern wäre die Turnhalle in der Bütschwiler Breite wie auch ihr Pendant an der Oberstufe in Mosnang überfordert gewesen. Man lud also, wie schon seit ein paar Jahren, an zwei Orte ein. Man installierte ein wenig Übertragungstechnik, teilte sowohl Verwaltungsrat wie Bankleitung in zwei Hälften, beauftragte zwei Köche für das Nachtessen und hielt die GV simultan vor dem ebenso geteilten Publikum ab. Abgesehen von einer kleinen Tonstörung zu Beginn verlief die Versammlung in technischer Hinsicht absolut problemlos.

Problemlose Traktanden

Auch die zu behandelnden Traktanden gingen problemlos durch. Adrian Gmür, seit einem Jahr Verwaltungsratspräsident, leitete seine erste GV souverän. In seinem Jahresbericht hob er insbesondere das sich stetig verändernde Wirtschaftsumfeld hervor. Einerseits entwickle sich die Wirtschaft in der Schweiz nach wie vor gut. Anderseits tendieren die Zinsen seit Jahren gegen ein Minimum: «Erfreulicherweise ist es uns trotz des schwieriger gewordenen Umfeldes gelungen, die grundsätzlich sinkenden Zinserträge durch ein qualitatives und quantitatives Wachstum bei den Ausleihungen aufzufangen.» Und zum Dritten würden die ständig ansteigenden regulatorischen Anforderungen höhere Kosten nach sich ziehen.

Versteckte Geschäftsstelle

Kostenmanagement heisse die Losung: «Wir haben den Auftrag, sorgsam mit den vorhandenen Mitteln umzugehen.» Vor diesem Hintergrund habe, so Gmür, der Verwaltungsrat Ende 2013 einen für Ganterschwil nicht besonders populären Entscheid gefällt (siehe Kasten). Man sei sich bewusst, dass mit diesem Entscheid ein gewisser Leistungsabbau in Ganterschwil verbunden ist, von dem jedoch eine relativ geringe Anzahl von Kundinnen und Kunden direkt betroffen sein wird. Gmür: «Bei weniger als zehn Kundenkontakten pro Tag am Schalter kann nicht mehr von Kundennähe gesprochen werden, wenn die Gesamtheit der Ganterschwiler Kundinnen und Kunden betrachtet wird.» Die «Ein-Frau-Geschäftsstelle» Ganterschwil werde von der Bankführung als eher «versteckt» eingestuft, deshalb wolle man diese schliessen und dafür den Standort Lütisburg baulich anpassen.

Gestiegener Geschäftsaufwand

Den Geschäftsbericht des Jahres 2013 erläuterte Bankleiter Markus Thalmann (siehe Kasten). Den um fast zehn Prozent gestiegenen Geschäftsaufwand erklärte Thalmann unter anderem mit Investitionen in Sicherheit und Werterhaltung (Fassade) am Bankgebäude in Mosnang. Nach 20 Jahren in Aufsichts- und Verwaltungsrat wurde Hans Näf (Mosnang) verabschiedet. An seine Stelle wurde die Mosnanger Finanz- und Rechnungsexpertin Helena Hollenstein-Waldisberg gewählt. Die 43jährige Treuhandexpertin, Hausfrau und Mutter einer Tochter ist hauptberuflich Mandatsleiterin und Vizedirektorin einer Treuhandgesellschaft für KMU. Im letzten Traktandum «Teilrevision der Statuten» wurde die Nachschusspflicht der Mitglieder (8000 Franken) im Sinne der neu in der Schweiz geltenden Eigenmittelverordnung abgeschafft.