RADSPORT: Vom Helfer zum Teamleader

Radprofi Patrick Schelling gewinnt die fünftägige UCI-Rundfahrt Tour du Loir-et-Cher in Frankreich. Nach den Enttäuschungen der letzten Jahre kommt das Erfolgserlebnis genau zum richtigen Zeitpunkt.

Urs Huwyler
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Radprofi Patrick Schelling hat in Frankreich die fünftägige Tour du Loir-et-Cher gewonnen. (Bild: Urs Huwyler)

Radprofi Patrick Schelling hat in Frankreich die fünftägige Tour du Loir-et-Cher gewonnen. (Bild: Urs Huwyler)

RADSPORT. So locker und entspannt wirkte Patrick Schelling aus Hemberg schon lange nicht mehr. Das in der Vergangenheit oft fehlende Erfolgserlebnis stellte sich in Frankreich nach dem Wechsel von der Schweizer World-Tour-Mannschaft IAM zur Continental-Sportgruppe Vorarlberg ein. Nach dem Sieg in der vierten Etappe der Tour du Loir-et-Cher übernahm er das gelbe Leader-Trikot und verteidigte dieses auf dem letzten Teilstück erfolgreich.

Bei der fünftägigen Rundfahrt handelte es sich um ein UCI-2.2-Rennen. Die erste Zwei steht für «Etappenrennen», die zweite Zwei für «zweite Kategorie». 2.1 wäre die höchste Stufe. «Die 2.2-Rennen verlaufen anders, sind weniger von der Teamtaktik bestimmt und weisen nicht das gleich hohe Niveau auf. Viele junge Fahrer wollen sich zeigen, hoffen auf einen Profivertrag. Das Muster, eine Fluchtgruppe kann sich absetzen, weist einige Minuten Vorsprung auf und wird vor dem Ziel gestellt, gibt es kaum. Die Rennen verlaufen wesentlich unruhiger», erzählt Patrick Schelling.

Interesse wecken

Am 1. Mai wird Patrick Schelling 26 Jahre alt. Er erzählt, dass ihm die Fahrweise ohne Knopf im Ohr und direkte Verbindung zum Sportlichen Leiter eher entgegenkomme. «Bei den Spitzenteams ist alles geplant und besprochen. Jeder weiss, was er zu tun hat, die Aufgaben sind verteilt. Bei uns spielt der Teamgedanke zwar ebenfalls eine Rolle, aber nicht im gleichen Mass. Wer seine Chance sieht, kann diese zu nützen versuchen.» Als Patrick Schelling auf der vierten Etappe in der Spitzengruppe dabei war, gab es kein Taktieren, sondern nur «alles oder nichts».

Bei Vorarlberg wird ihm eine andere Rolle zugedacht als beim letzten Arbeitgeber. Wenn ein Continental-Team – die dritthöchste Stufe – einen Fahrer aus einer World-Tour-Gruppe verpflichtet, muss dieser Verantwortung übernehmen und Leistung zeigen. «Unter speziellem Druck», so der Berg- und Rundfahrten-Spezialist Schelling, «fühle ich mich deswegen nicht. Ich möchte weiter auf mich aufmerksam machen, das Interesse höher eingestufter Mannschaften wecken. Also brauche ich Resultate.»

Ob 2.1 oder 2.2, die Distanzen sind ähnlich, geschenkt wird nichts, es geht bergauf und bergab. «Der grösste Unterschied besteht in der Infrastruktur. Die grossen Sportgruppen verfügen über Luxus-Busse, wir müssen uns auch bei Regen und Kälte im Freien umziehen. Um eine Übernachtung zu sparen, fahren wir nach dem Rennen nach Hause, treffen nachts um zwei Uhr ein. Aber es geht auch so. Der Radsport ist in dieser Form irgendwie ursprünglicher.» Am Tag nach dem Einsatz an der Hulftegg-Stafette wird er das nationale Heimrennen in Nenzing bestreiten und dann zur Flèche du Sud (2.2) reisen. «Wir sind mehrheitlich in der gleichen Besetzung unterwegs. Bei den World-Teams wird dauernd gewechselt. So kann ich die Rundfahrten bestreiten. Dies ist meine Stärke, weil ich im Normalfall während einer Tour leistungsmässig nicht abbaue.»

Keine Wild Cards

Es gab Zeiten, da bekam das Team Vorarlberg eine Wild Card für die Tour de Suisse. «Diese Zeiten sind vorbei. Für uns wird die Österreich-Rundfahrt der Höhepunkt sein. Sollten wir im Oktober wegen eines chinesischen Sponsors auch dort fahren, käme ich auf ähnlich viele Renntage wie in den vergangenen Jahren», rechnet Patrick Schelling aus.

Trainingsmässig war er eher mehr unterwegs als bisher, habe jedoch beim Formaufbau wenig verändert. In Frankreich war er zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. «Es wurde mein bisher grösster, auch für die Sponsoren wichtiger, Erfolg. Ein solches Resultat stärkt das Selbstvertrauen.» Das gelbe Leadertrikot hat Patrick Schelling im Zimmer aufgehängt. «Ich bin froh, dass ich Ende letzter Saison nicht aufgehört habe, sondern zu Vorarlberg wechselte.» Jetzt kann er dies mit einem Lächeln sagen.

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