Radsport-Romantik

Die Tour de Suisse ist nach dem Prolog und der ersten Etappe durch Teile der Urschweiz lanciert. Für mich verlief der Prolog zufriedenstellend, der Aufstieg zum Michaelskreuz war in der 2. Etappe wie erwartet hart, und ich musste die Spitze im zweiten Aufstieg ziehen lassen.

Urs Huwyler
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Das Feld der Tour de Suisse mit Michael Albasini in Morgarten. (Bild: uhu)

Das Feld der Tour de Suisse mit Michael Albasini in Morgarten. (Bild: uhu)

Die Tour de Suisse ist nach dem Prolog und der ersten Etappe durch Teile der Urschweiz lanciert. Für mich verlief der Prolog zufriedenstellend, der Aufstieg zum Michaelskreuz war in der 2. Etappe wie erwartet hart, und ich musste die Spitze im zweiten Aufstieg ziehen lassen. Ich denke, es gibt Etappen, in denen ich bessere Chancen habe, ganz vorne dabeizusein.

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Für mich als Schweizer waren die Passagen in Morgarten auch wegen der diesjährigen 700-Jahr-Gedenkfeier zur Schlacht von 1315 speziell. Vor dem Prolog fuhren wir trainingshalber in Sempach vorbei. Dabei wurden Erinnerungen an die Schulzeit und die Gründung der Eidgenossenschaft wach. Im Ausland werden im übrigen ebenfalls geschichtsträchtige Regionen passiert, doch dies ist mir jeweils unbekannt. Einmal standen serienweise Fotografen an einem wenig spektakulären Ort. Erst beim Blick nach links sah ich die unzähligen weissen Kreuze.

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Im Radsport schweift der Blick ebenfalls oft zurück auf die guten alten Zeiten. Einst handelte es sich bei der Tour de Suisse um eine Rundfahrt quer durch die Schweiz. Dort, wo die Etappe zu Ende ging, wurde gestartet. Nicht erst seit diesem Jahr hat sich dies geändert. Die Radsport-Romantik von früher gibt es nicht mehr. Auch der Radsport hat sich gewandelt. Andere Interessen spielen heute für die Organisatoren eine wichtige Rolle. Der Volksfestcharakter geht dadurch vielleicht etwas verloren.

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Nach und vor den Etappen müssen Stunden im Teambus zurückgelegt werden. Daran haben wir uns gewöhnt. Vor der 3. Etappe reisen wir am Morgen von Rotkreuz ins Tessin, bestreiten das Rennen und kehren am gleichen Tag zurück. Solche Distanzen gehören im Ausland zum Alltag. Anders sieht es am Mittwoch und Donnerstag an der diesjährigen Tour aus. Nach der Ankunft in Schwarzenbach starten wir am Mittwoch von Unterterzen aus nach Sölden, übernachten im Ötztal, und vor dem Start in Wil gilt es, rund vier Stunden im Bus zurückzulegen. Dann folgen ab 13.30 Uhr 193 km nach Biel. Dass es für viele Radsportfreunde kaum nachvollziehbar ist, weshalb nach der Ankunft in Schwarzenbach nicht am nächsten Morgen, sondern erst einen Tag später von Wil aus gestartet wird, kann ich verstehen. Für die Fahrer gehört es zum Profileben. Im Sport in Erinnerungen zu schwelgen und von früher zu träumen bringt nichts.