QUERELEN IM GEMEINDERAT
«Ich wünsche frohes Gebührenzahlen!»: Wäldler Gemeinderat Jakob Egli verabschiedet sich mit einem Rundumschlag

Am Montagabend fand Walds Gemeindepräsidentin Edith Beelers letzte öffentliche Versammlung statt. Viele Worte des Dankes fielen. Doch nicht nur. Gemeinderat Jakob Egli hatte schliesslich auch noch einiges zu sagen.

Astrid Zysset
Merken
Drucken
Teilen
Gemeindepräsidentin Edith Beeler nimmt den Holzschnitt von Gemeindevizepräsidentin Enza Welz entgegen.

Gemeindepräsidentin Edith Beeler nimmt den Holzschnitt von Gemeindevizepräsidentin Enza Welz entgegen.

Bild: Astrid Zysset

Gewartet hatten die Zuschauerinnen und Zuschauer anlässlich der öffentlichen Informationsveranstaltung in Wald am Montagabend eigentlich auf neue Informationen zu den Bauprojekten Spar / Gemeindekanzlei. Doch dieses Traktandum wurde kurzerhand gestrichen. Man sei in der Planung doch noch nicht so weit, erklärte Gemeindepräsidentin Edith Beeler. Spannend war der Abend dennoch. So wurde Gemeinderatsmitglied Jakob Egli verabschiedet. Der letzte Akt einer Zusammenarbeit, die von Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten geprägt gewesen war.

Beeler sprach in ihrer Rede davon, dass sich Egli die Arbeit im Amt wohl anders vorgestellt habe. Dennoch wünsche sie ihm für seine weitere Zukunft alles Gute. Ein Wunsch, der genauso unbeachtet blieb wie die Abschiedsgeschenke. Der Biber mit dem Wäldler Wappen wie auch die Karaffe für das Wäldler Wasser nahm Egli nicht an. Stattdessen holte er zum Rundumschlag aus.

Gemeinderat Jakob Egli hat seinen Rücktritt per Ende Mai eingereicht. Sein Ressort wurde ihm jedoch bereits entzogen.

Gemeinderat Jakob Egli hat seinen Rücktritt per Ende Mai eingereicht. Sein Ressort wurde ihm jedoch bereits entzogen.

Bild: Astrid Zysset

Egli kritisierte Verhandlungen zu Abwassergebühren

Er beanstandete, dass bei seinem Amtsantritt im Juni 2020 anlässlich der Schlegelwahl der alte Gemeinderat entschieden habe, dass Egli die Technische Kommission zugesprochen bekomme. Und 2017, als die Gemeinde über den AVA-Anschluss abzustimmen hatte, soll die GPK die Folgen nicht genau eruiert haben. Damals sei schon absehbar gewesen, dass die Grundgebühren massiv ansteigen werden. Er selber werde diese Gebühren mit einem Schmunzeln bezahlen, so Egli süffisant. Aber die Verhandlungen damals seien auf fahrlässige Weise schlecht geführt gewesen. Seine Ausführungen schloss der 73-Jährige mit den Worten, dass er den Bürgerinnen und Bürgern nun ein «frohes Gebührenzahlen» wünsche. Beeler kommentierte anschliessend Eglis Rede mit dem Satz: «Diese Unterstellungen lasse ich jetzt einfach mal so stehen.»

Vieles wurde auch gesagt, ohne das Worte genutzt wurden. So liess es sich Beeler nicht nehmen, Willi Giezendanner, langjähriges Mitglied der Technischen Kommission, mit einem Händedruck zu verabschieden. Eigens für diese Geste desinfizierte sich die Gemeindepräsidentin vorher ihre Hand. Eine Freundlichkeit, die Jakob Egli verwehrt blieb.

Ein Holzschnitt zum Abschied

Für Edith Beeler war es die letzte öffentliche Versammlung. Sie hat Ende vergangenen Jahres ihren Rücktritt eingereicht – unter anderem aufgrund dessen, dass ihren Aussagen zufolge mit Jakob Eglis Eintritt in den Gemeinderat die Zusammenarbeit schwierig geworden sei. Gemeindevizepräsidentin Enza Welz würdigte Beeler am Montagabend als «geselligen Menschen, als Olma-Füdli und als eine Frau mit einer beeindruckenden Coolness». Sie habe sich oft dem rauen Wind ausgesetzt, und sei standhaft geblieben. Als Dankeschön gab es einen Holzschnitt zur Landsgemeinde, an welcher über das Frauenstimmrecht befunden wurde. Erstellt hatte ihn die Künstlerin Gret Zellweger.

Unerwarteter Besserabschluss

Im Vergleich zu all diesen emotionalen Worten schienen die übrigen Traktanden an diesem Montagabend beinahe zu verblassen. Vorgestellt wurde beispielsweise auch die Jahresrechnung 2020 der Gemeinde. Diese schloss bei Einnahmen von 5,8 Millionen mit einem Gewinn von fast einer halben Million Franken ab. «Das ist ein Ergebnis, welches das Dorf noch nie gesehen hat!», freute sich Gemeinderat Thomas Stahr, der die Rechnung präsentierte. Der Besserabschluss sei vor allem auf Mehreinnahmen bei den Handänderungs- und Grundstückgewinnsteuern zurückzuführen. Nicht annähernd so gut schloss die Rechnung im Altersheim Obergaden. Dort resultierte aufgrund einer zu tiefen Auslastung ein Verlust von 226'000 Franken.