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Puppenschatz kommt ins Museum

LICHTENSTEIG/THAL. Eine der grössten Privatsammlungen von historischen Puppen kommt in die Erlebniswelt Toggenburg in Lichtensteig. Die Porzellan-, Holz-, Blech- und Wachspuppen aus vier Jahrhunderten stehen und sitzen noch im Pächterhaus von Schloss Greifenstein am Bodensee.
Hansruedi Kugler
Zwei Schwestern und eine englische Königin: (von links) Gisela Claude, Cosette Gall und die Holzpuppe «Queen Anne» (um 1730 hergestellt), eines der wertvollsten Objekte der immensen Puppensammlung der 2014 verstorbenen Elsa Walz. (Bild: Hansruedi Kugler)

Zwei Schwestern und eine englische Königin: (von links) Gisela Claude, Cosette Gall und die Holzpuppe «Queen Anne» (um 1730 hergestellt), eines der wertvollsten Objekte der immensen Puppensammlung der 2014 verstorbenen Elsa Walz. (Bild: Hansruedi Kugler)

Eine kann schwimmen, wenn man sie aufzieht, eine andere sitzt an einer Schreibmaschine, eine weitere schaukelt ihr Baby – alle aber sehen wunderhübsch aus: die Puppen aus vier Jahrhunderten, die Elsa Walz während ihres langen Lebens gesammelt hat. Dank ihrer Tochter, der in Lichtensteig lebenden Cosette Gall, findet die mehrere hundert Puppen umfassende Sammlung ab kommendem Herbst eine neue Heimat: in der Erlebniswelt Toggenburg in Lichtensteig.

Kurios und zauberhaft

Ein Besuch am jetzigen Standort der Sammlung ist eine kuriose Reise in eine zauberhafte Vergangenheit. Die Puppen haben sozusagen ihre eigene Wohnung: Vier Zimmer im obersten Stockwerk des zehn Zimmer grossen Pächterhauses von Schloss Greifenstein in Staad am Bodensee gehören ihnen – mit herrlichem Blick auf den See. Die Puppen sitzen und stehen in Vitrinen, auf Miniatursofas, in einer Kaffeerunde auf Sesseln um einen Salontisch, in unzähligen Puppenstuben. Man sieht: Es sind mehrere hundert Stück. «Die genaue Anzahl wissen auch wir nicht. Wir müssen erst mal alle zählen und inventarisieren», sagt Cosette Gall. Denn bis kurz vor ihrem Tod habe ihre Mutter nie daran gedacht, diese Sammlung einem Museum zu vermachen.

Zuerst Mitbringsel für Tochter

Jahrzehntelang betrachtete Elsa Walz ihre wertvolle Sammlung als reine Privatsache. Kein Journalist hat sie bisher gesehen, bis vor kurzem wussten auch Fachleute und andere Puppenmuseen nichts von ihr. Das hat mit ihrer persönlichen Liebe zu den Puppen zu tun: Die Eltern der 1913 geborenen Elsa Walz stammten aus grossbürgerlichem Haus, besassen mehrere Liegenschaften und führten die gutgehende Bäckerei/Konditorei Maurer an der Leonhardstrasse in St. Gallen. Sie hatten wenig Zeit für die Kinder und unternahmen viele Reisen, von denen sie ihrer jüngsten Tochter Elsa jeweils eine Puppe mit nach Hause brachten. Als ihre eigenen Kinder erwachsen waren, begann Elsa Walz, intensiv Puppen zu sammeln, insbesondere nach dem Tod ihres ersten Mannes 1956. Von da an gab es keine Reise mehr, ohne Ausschau nach Antiquitätenläden zu halten, und keine Reise ohne Puppenkauf. Viele Puppen bekam sie von Bekannten geschenkt. Mehrere Male flog sie mit ihrer Tochter Gisela nach London zu einer auf historische Puppen und Spielzeug spezialisierten Antiquitätenhändlerin. Dort fand sie auch ihre Glanzstücke: die Holzpuppe Queen Anne aus dem 18. Jahrhundert, die amerikanische Präsidentengattin Mary Lincoln (19. Jahrhundert) oder Princess Elizabeth (1932).

Geschichtlich wertvoll

Man findet aber in der Sammlung auch historisch wertvolle kegelförmige, gliederlose, bemalte Holzpuppen (sogenannte Dockenpuppen), die um 1700 hergestellt worden sind, deutsche Papiermaché-Puppen um 1800, glasierte Porzellan- und Wachspuppen aus dem 19. Jahrhundert. Und dazwischen Puppenhäuser mit Apotheken, Kolonialwarenläden, Küchen, Wohnzimmern. Aber auch mechanische Puppen, die Babies im Arm schaukeln, sich mit einem Fächer Luft zufächeln – und eine besonders ausgeklügelte Puppe, die sich mit Brustschwimmen über Wasser hält.

Die bisher einzige Publikation zu dieser Privatsammlung erschien 2007, geschrieben vom Toggenburger Kulturhistoriker Jost Kirchgraber. Mit seinem Überblick wird das Potenzial der Sammlung für ein Museum deutlich: Mit der Sammlung kann 300 Jahre europäische Puppenkunst in ihrer Form- und Materialvielfalt dargestellt werden. Für eine Präsentation, welche dieses Potenzial ausschöpft, denkt Museumsleiter Andreas Hinterberger an einen Rundgang durch die Geschichte der Puppen mit einer ihrer Entstehungszeit gemässen Inszenierung und Möblierung. Er rechnet mit der Eröffnung der neuen Dauerausstellung im Spätherbst 2015 in einem zusätzlichen Raum in der Erlebniswelt.

Dass die Sammlung nun doch in einem Museum ihren festen Platz bekommt, dem hat Elsa Walz noch kurz vor ihrem Tod 2014 zugestimmt. Sie hatte bereits in einem Testament 1997 bestimmt, dass die Sammlung zusammenbleiben und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Miniatur-Silberbesteck in einem Etui.

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Spielzeugzirkus: Artistenpuppen und Tiere sind beweglich.

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Die Sammlung enthält viele Utensilien wie diese Schreibmaschine.

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