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So gross wie ein Londoner Taxi: Postauto setzt auf ein Elektrotaxi in Innerrhoden

Am Freitag präsentierte PostAuto ihr neustes Projekt: Ein elektrisches Taxi im Stil der Londoner Cabs fährt nun durch Innerrhoden. Es ist eine schweizweite Premiere.

Elia Fagetti
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Landammann Roland Dähler probiert einen der ausschwenkbaren Sitze aus.

Landammann Roland Dähler probiert einen der ausschwenkbaren Sitze aus.

Bild: Elia Fagetti

Freitag, kurz vor Mittag, treffen sich Vertreter der Medien, Regierung und von PostAuto auf dem Bahnhofsplatz von Appenzell. Das gelbe Fahrzeug im Stil eines Londoner Taxis steht bereits vor der Postfiliale. Ben Küchler, Mediensprecher von PostAuto, stellt das Fahrzeug vor. Ebenfalls anwesend sind der parteilose Landammann Roland Dähler, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr, Marco Seydel und weitere Vertreter von PostAuto. Küchler sagt:

«Es ist eine schweizweite Premiere, dass ein solches Fahrzeug in den regulären Betrieb aufgenommen wird.»
Ben Küchler

Ben Küchler

Bild: Elia Fagetti

Pilotphase im Verzascatal

Zum ersten Mal seit zwei Testphasen kommt nun das London Taxi in den regulären Betrieb. Das Fahrzeug wurde bereits in Verzasca und Brig getestet. Vom 13. September bis zum 1. Oktober kann die Innerrhoder Bevölkerung mit dem London Taxi fahren, sofern sie eine Fahrt über PubliCar bucht. Denn das London Taxi ist Teil deren Flotte. Im Anschluss an die drei Wochen kommt es wieder nach Verzasca.

Das Verzascatal hat eine grosse Streuung, sagt Küchler. Im Tal gebe es viele abgeschiedene Orte. Damit es nicht zu viele Leerfahrten der Postautos gebe, habe man dort das London Taxi während drei Wochen getestet. Durch das Angebot habe es eine bessere Abdeckung als nur mit den regulären Postautos gegeben.

Kein Hybridfahrzeug

Das London Taxi von der Firma «London Electric Vehicle Company» ist ein Elektrofahrzeug mit Reichweitenverlängerung. Mit vollgeladener Batterie fährt es 103 Kilometer, danach kommt ein Verbrennungsmotor zum Zug. Doch ist es kein Hybridfahrzeug; der Verbrennungsmotor lädt die Batterie auf. Ausserdem ist das Fahrzeug mit einer Rampe für Rollstuhlfahrer ausgerüstet. Doch ob diese Rampe auch den Vorschriften entspricht, sei noch in Abklärung, erklärt Mediensprecher Küchler. Die Verhandlungen mit dem Bundesamt für Verkehr finden nächste Woche statt.

Marianne Kunz-Tobler

Marianne Kunz-Tobler

Bild: Elia Fagetti

Doch warum kommt das neue Fahrzeug ausgerechnet ins Innerrhodische? Das liegt an der Digitalisierung des PubliCar-Angebots. Seit Anfang Juli vergangenes Jahr nutzt man in Appenzell vermehrt die PubliCar-App. Ein grosser Vorteil sei die Flexibilität, denn Anfragen werden über die App direkt dem Fahrer geschickt. Eine Fahrt kann auch über das Telefon bestellt werden. Das brauche aber administrativen Mehraufwand, denn die Telefone müssen bedient sein. Die Erfahrung habe gezeigt, dass selbst ältere Menschen vermehrt auf die App zurückgreifen, erklärt Marianne Kunz-Tobler, Key Account Managerin der PostAuto AG.

Gratisfahrt an der Chilbi

Für die PostAuto AG seien zwei Aspekte sehr wichtig, erklärt Küchler: Zum einen sei das der ökonomische Blickwinkel, zum anderen sei es die Ökologie. Küchler sagt:

«Das London Taxi spart 120 Franken pro Woche an Benzinkosten.»

Wer im London Taxi eine Testfahrt machen will, der kann das an den Appenzeller Chilbitage tun. Vom 25. bis 27. September können Interessierte eine Gratisfahrt erleben. Am Wochenende starten die Gratisfahrten um 13 Uhr und am 27. September ab 10 Uhr. Startpunkt der Probefahrten ist bei der Chilbi an der Zielstrasse 1. Ausserdem gibt es einen Stand von PostAuto, wo Fragen rund um das Projekt und zum Fahrzeug beantwortet werden.

Marco Seydel

Marco Seydel

Bild: Elia Fagetti

Auf die Frage hin, ob das London Taxi oder das PubliCar-Angebot eine Konkurrenz zu den normalen Taxis ist, sagt der Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr Marco Seydel, dass die normalen Taxis ein grösseres Einzugsgebiet haben und nicht nur zu spezifischen Zeiten unterwegs sind. Das PubliCar-Angebot soll ergänzend zum vorhandenen Verkehrssystem verstanden werden.

Eine Karte des Einzugsgebiets vom PubliCar-Angebot

Eine Karte des Einzugsgebiets vom PubliCar-Angebot

Bild: Postauto AG

Im kurzen Video wird erklärt, wie die PubliCar-App funktioniert.

Video: Postauto AG

Seit mehr als 20 Jahren unterwegs

PubliCar besteht in Appenzell seit mehr als 20 Jahren und gehört fast schon zum Ortsbild. PubliCar liefert ein Tür-zu-Tür-Angebot. Man kann also Abfahrts- und Ankunftspunkt festlegen und auch die Abholzeit. Für die Mitfahrt im Taxi benötigt man ein normales ÖV-Ticket (z.B. Zonenbillett, GA oder Tageskarte) und zahlt einen Zuschlag von fünf Franken bei einmaliger Fahrt. Wer ein ganzes Jahr lang keinen Zuschlag zahlen will, der kann sich für 900 Franken ein Jahresabo lösen. Das PubliCar-Angebot ist während folgender Zeiten nutzbar: Mo-Do 6-19 Uhr; Fr und Sa 6-23.30 Uhr; Sonn- und Feiertage 7-19 Uhr.