Projektteam empfiehlt Vereinigung

Im Rahmen des Projekts «Schulen im Neckertal» präsentierte am Montag das beauftragte Projektteam im evangelischen Kirchgemeindesaal interessierten Bürgern seine Resultate. Nach der detaillierten Prüfung verschiedener Modelle rät das Projektteam zur Vereinigung der Schulgemeinden.

Urs M. Hemm
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ST. PETERZELL. Auftrag des Projektteams rund um Werner Raschle, Schulratspräsident der Primarschule St. Peterzell und Leiter des Teams, war es, zwei der drei ursprünglichen Modelle zur Neuordnung der Schulen im Neckertal detailliert zu prüfen. Konkret wurden die Modelle «Ist-Zustand» (alles so belassen, wie es ist) und das Modell einer Vereinigung der vier verbliebenen Schulträger zu prüfen. Dazu gehören die Primarschulgemeinden Dicken und St. Peterzell, die Oberstufenschulgemeinde Oberes Neckertal und die Gemeinde Schönengrund mit dem Zweckverband Primarschule Schönengrund-Wald. Die Resultate der Analyse präsentierte die Projektgruppe am Montagabend vor gerade nur 60 interessierten Bürgerinnen und Bürgern.

Über Kantonsgrenze unmöglich

Um die möglichen Auswirkungen einer Fusion zu verdeutlichen, wurde die Analyse in fünf Teilprojektgruppen unterteilt. René Hüppi, Schulratspräsident der Primarschulgemeinde Schönengrund-Wald, leitet die Teilprojektgruppe «AR-SG», welche die interkantonalen Aspekte zwischen den zwei Kantonen prüfte. Dies beinhaltete insbesondere die Abklärung der rechtlichen Möglichkeiten für eine Integration der Ausserrhoder Gemeinde Schönengrund in eine fusionierte Gesamtschulgemeinde. Beleuchtet wurden Aspekte wie anwendbares Recht, die Finanzierung sowie die demokratische Mitbestimmung aller Beteiligten. Die diesbezüglichen Gespräche mit Vertretern der Kantone seien aber ins Leere gelaufen, sagte René Hüppi. «Leider ist weder eine Fusion noch ein Stimmrecht über die Kantonsgrenze hinaus möglich», zog er mit Bedauern sein Fazit. Die verbleibenden Möglichkeiten seien nun eine gegenseitige Schulvereinbarung oder ein Zweckverband mit Schönengrund.

Sek und Real bleiben

Die zweite Gruppe befasste sich mit der möglichen Einführung bedarfsgerechter Projekte. Schwerpunkte in dieser Gruppe waren Themen wie Schulsozialarbeit, Tagesstrukturen und die Möglichkeiten der Mitwirkung der Eltern. «Die Probleme, die sich uns stellen sind die tiefen Schülerzahlen in der Oberstufe», referierte Teamleiter Andreas Forrer, Schulratspräsident der Oberstufe Oberes Neckertal. Diese Zahlen wiederum hätten Einfluss auf die Struktur und das Lernklima und nicht zuletzt auf die Bewilligung des Kantons, führte er aus. Da die Schülerzahlen nicht beeinflussbar seien, müsste der Hebel bei der Optimierung der Strukturen und bei der Verbesserung des Lernklimas angesetzt werden, sagte Andreas Forrer. «Die Sekundar- und die Realstufe bleiben bestehen», betonte er. Dies setze eigenverantwortliches-, aber auch altersdurchmischtes Lernen voraus. Weitere Projekte sind ein institutionalisierter Mittagstisch sowie die Einführung von Hausaufgabenhilfen. Zudem werde die Einführung von Blockzeiten geprüft. «Bei all diesen Projekten sind die Schulen auf die Mitwirkung der Eltern angewiesen. Sei es in der Ausarbeitung oder in deren Durchführung», sagte Andreas Forrer. Ein letzter Punkt sei die Implementierung von Schulsozialarbeitern, was aber nicht ohne die entsprechende Bedarfsabklärung geschehen könne, so Andreas Forrer.

Fusion finanziell interessant

Den Schulbetrieb auf der Stufe Primarschule nahm Markus Künzler, Schulleiter des Zweckverbandes Primarschule Schönengrund-Wald, mit der dritten Gruppe unter die Lupe. Im Falle einer Fusion der Schulgemeinden sehe er keinen Handlungsbedarf in der Organisation der Klassen, sagte Markus Künzler. «Voraussetzung dafür ist aber, dass die Schülerzahlen die jetzige Organisation zulassen», so Markus Künzler. Diesbezüglich sehe die Prognose für die Anzahl Einschulungen bis 2015 keine grossen Schwankungen vor. Chancen bei einer Fusion sieht er hauptsächlich in einem schulhausübergreifenden Austausch der Lehrpersonen und Schulleiter.

Die finanziellen Aspekte einer möglichen Fusion durchleuchtete der Schulratspräsident von St. Peterzell, Werner Raschle, mit einer vierten Teilprojektgruppe. Bei der Analyse des Ist-Zustandes trat klar zu Tage, dass die Kosten pro Schüler pro Jahr deutlich höher liegen als der kantonale Durchschnitt. Im Falle einer Fusion gebe es ein moderates Sparpotenzial im Bereich Behörden und Verwaltung. «Deutlich mehr finanzielle Erleichterungen hingegen bringen die Förderbeiträge des Kantons, wie Projekt- und Entschuldungsbeiträge und Beiträge für fusionsbedingten Mehraufwand», führte Werner Raschle aus. Ein entsprechendes Gesuch für diese Beiträge sei bereits beim Kanton deponiert, der bis im Februar seinen Vorbescheid mitteilen werde. Bezüglich des Steuerbedarfs sehe die Projektgruppe eine anteilsmässige Beteiligung der Gemeinden vor, abhängig von den jeweiligen Schülerzahlen. Für die Gemeinde Hemberg, die nur auf der Oberstufe beteiligt ist, sowie für Schönengrund würde eine separate Buchhaltung geführt werden.

Entscheid an der Urne

Die fünfte Teilprojektgruppe unter Hedy Hauser, Schulrätin der Oberstufe Oberes Neckertal, beschäftigte sich mit der Organisation. Bei einer Zusammenlegung schlägt die Gruppe eine Reduktion der Schulräte von 21 auf 7 plus zwei Vertreter des Zweckverbandes sowie eine Reduktion der GPK-Mitglieder von 16 auf 5 vor. Zudem wäre nur eine Bürgerversammlung und ein Amtsbericht nötig, so Hedy Hauser.

Bevor das Projektteam seine Empfehlung zur Vereinigung der Schulgemeinden abgab, hatten die Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, den einzelnen Gruppenleitern Fragen zu ihren Teilprojekten zu stellen. Der definitive Entscheid über eine Fusion wird am 11. März 2012 an der Urne gefällt.