Projekt Unterdorf in Speicher nimmt Umweg

Der Gemeinderat Speicher muss einen neuen Überbauungsplan ausarbeiten. Der Baustart für die geplanten 70 Wohneinheiten verzögert sich.

Astrid Zysset
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So soll sich das Projekt Unterdorf einmal präsentieren. Der Erstbezug dürfte im Jahre 2023 erfolgen. Visualisierung

So soll sich das Projekt Unterdorf einmal präsentieren. Der Erstbezug dürfte im Jahre 2023 erfolgen. Visualisierung

: PD

Eine weitere Verzögerung im Projekt Unterdorf: Der Gemeinderat Speicher schrieb  in einer Mitteilung, dass der aktuelle Gestaltungsplan abgeschrieben wird. Eine Planungskommission sei beauftragt worden, einen neurechtlichen Überbauungsplan auszuarbeiten. Dies sei notwendig, da seit dem vergangenen 1. Januar ein neues Baugesetz in Kraft ist, das im Gestaltungsplan respektive Überbauungsplan Anwendung finden muss, sagt Gemeinderat Florian Németh, Ressort Baubewilligungen. «Das gibt uns wiederum die Gelegenheit, die Einsprachen im neuen Plan, wenn möglich, zu berücksichtigen.» Sieben Einsprachen waren gegen den Gestaltungsplan hängig. Diese werden nun abgeschrieben.

Doch durch diese Zusatzschleife, die das Projekt Unterdorf jetzt nehmen muss, verschiebt sich der Baustart weiter nach hinten. Németh spricht von mehreren Monaten, die es zusätzlich braucht, bis der Rechtsweg abgeschlossen ist. Der Überbauungsplan werde inhaltlich und redaktionell angepasst, muss dann beim Kanton zur Vorprüfung eingereicht und anschliessend öffentlich aufgelegt werden. Hier könnte es abermals zu Einsprachen kommen. Beziehungsweise: Werden alle Anliegen, die bisher in den Einsprachen dargelegt wurden, im neuen Plan bereits berücksichtigt? «Ich kann nicht beurteilen, ob die Einsprecher mit dem Überbauungsplan zufrieden sein werden oder nicht», so Németh. «Für einige wird die etwaige Berücksichtigung wohl ausreichen, für andere nicht.»

Bei der Wohnbaugenossenschaft selbst nimmt man die erneute Verzögerung gelassen. «Natürlich habe ich keine Freude daran, aber so etwas gehört zu unserem Rechtssystem dazu», sagt Jacques-Michel Conrad, Geschäftsführer des Verbandes Wohnbaugenossenschaften Ostschweiz. Betreffend Gestaltungsplan ist die Wohnbaugenossenschaft nicht an den Verhandlungen beteiligt. Das läuft über die Gemeinde. Diese ist Besitzerin des Grundstückes, auf dem das Projekt Unterdorf umgesetzt werden soll. Conrad betont, dass erst die Planung fortgesetzt und ein Bauprojekt eingereicht werden kann, wenn der Überbauungsplan rechtskräftig und das Land der Wohnbaugenossenschaft übertragen worden ist. Diese Zeit müsse abgewartet werden.

Baubeginn wohl erst Mitte 2021

«In einer Phase, in der man keine verlässlichen Termine mitteilen kann, ist man mit der Werbung zurückhaltend», sagt Conrad. «Trotzdem melden sich laufend Leute, welche sich für das Projekt interessieren.» Aktuell zählt die Wohnbaugenossenschaft Unterdorf 39 Mitglieder, die Anteilscheinkapital liberiert haben. Sieben weitere haben Anteilscheinkapital gezeichnet, und 99 Personen sind auf der Interessentenliste erfasst. Betreffend Kapital gibt Conrad an, dass er sich keine Sorgen mache, dass das Projekt Unterdorf auf zu wenige flüssige Mittel zurückgreifen könnte, wenn die Baubewilligung vorliegt. Er wagt eine Schätzung und spricht davon, dass, wenn alles optimal laufe, der Baubeginn Mitte 2021 und der Erstbezug im vierten Quartal 2022/ersten Quartal 2023 sein wird.