Projekt Nördli im Kreuzfeuer

Thema an der Orientierungsversammlung in Gais vom Mittwoch war der Ausbau der Nördlistrasse. Sie verbindet das Gebiet Hebrig mit der Gäbrisstrasse. Die Meinungen über das Projekt sind geteilt.

Hansueli Hilfiker
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Gemeindepräsident Ernst Koller macht deutlich, dass die ausgebaute Strasse auf der gesamten Breite von 6,8 Metern befahrbar wäre. (Bild: ker)

Gemeindepräsident Ernst Koller macht deutlich, dass die ausgebaute Strasse auf der gesamten Breite von 6,8 Metern befahrbar wäre. (Bild: ker)

GAIS.Für Gemeindepräsident Ernst Koller war es vorerst eine Genugtuung, dass der Aufmarsch zur Orientierungsversammlung mit über 100 Personen ausserordentlich gross war. Er sah darin die Bestätigung der gemeinderätlichen Strategie, solche Versammlungen attraktiver zu machen, indem im Vorfeld der Abstimmung keine separaten Orientierungen durch Gemeinderäte, zum Beispiel bei Versammlungen von politischen Institutionen, stattfinden sollten.

Und genau das stach vor allem einigen SVP-Exponenten in die Nase: Schon der erste Diskussionsteilnehmer machte klar, dass man unzufrieden sei mit der zeitlich knappen Information. Diese sei bedingt gewesen durch die erst Mitte April erfolgte Vorprüfung durch die kantonalen Stellen, machte Ernst Koller geltend. Andererseits möchte man auf den Baubeginn eines vorgesehenen grösseren Ausbaues der Klinik Gais verkehrsmässig gute Verhältnisse schaffen, könnte doch der baubedingte Mehrverkehr während der rund zweijährigen Bauzeit (ab 2017) schon über die ausgebaute Nördlistrasse geführt werden.

Projektkosten: 1,75 Millionen

Vorerst wurde aber das Projekt vom Präsidenten der Planungskommission, Jaap van Dam, und vom Präsidenten der Kommission Bau und Umwelt, Markus Keiser, vorgestellt. Die Nördlistrasse, die den Hebrig mit der Gäbrisstrasse verbindet, soll gemäss vorliegendem Projekt zu einer zweispurigen Strasse mit einer 4,50 Meter breiten Fahrbahn, einer befahrbaren Entwässerungsschale von 0,50 Metern sowie mit einem bergseitigen Gehweg von 1,80 Metern ausgebaut werden. Die Verkehrsführung fände insofern eine Änderung, indem Fahrzeuge auf der Gäbrisstrasse in Fahrtrichtung Dorf zwingend in die Nördlistrasse einbiegen müssen und über den Hebrig ins Dorf gelangen. Damit möchte man die sattsam bekannten Engpässe im Bereich Kehr und Schwantlern entlasten. Ausserdem würde der Kanton die Strassensanierung benützen, um zur gleichen Zeit die Brücke über den Rotbach im unteren Nördli hochwasserfest auszubauen sowie den Einlenker in die Kantonsstrasse im Hebrig den neuen Verhältnissen anzupassen. Diese Projekte würden früher oder später, auch bei einem Nein zur Nördlistrasse, vom Kanton realisiert. Für das ganze Projekt ersucht der Gemeinderat die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger um einen Kredit von 1,75 Millionen Franken, worüber am 5. Juni abgestimmt werden soll.

Heftiger Gegenwind

Die Diskussion machte bald klar, dass dem gemeinderätlichen Projekt ein giftiger Wind entgegenbläst. Da waren vorerst einmal jene Votanten, die Nein stimmen werden, weil sie das Projekt als zu wenig zukunftsgerichtet betrachten. Sie können nur eine Fahrbahnbreite von mindestens 5,50 Metern akzeptieren. Planer Armin Meier versuchte zu erklären, dass breitere Strassen nur zum schneller Fahren verleiten, die Kapazität aber nicht erhöht werde. Mit 4,50 Metern Breite werde automatisch langsamer gefahren, was man ja auch anstrebe.

Misstrauisch sind einige Redner und Rednerinnen auch, indem sie die im Hintergrund wohl angedachten Einzonungen der Liegenschaften Waisenhaus und Höhener befürchten. Da musste Ernst Koller beruhigen: Mit der Inkraftsetzung des neuen Raumplanungsgesetzes ist ein Bauzonenmoratorium in Kraft getreten. Einstweilen sind Einzonungen bundesrechtlich nur gegen flächengleiche Auszonungen möglich.

Viele «Strassenbaufachleute»

Es waren auch viele Details, die aufs Tapet gebracht wurden, wie etwa der Gehweg, den man lieber auf der Tal- als auf der Bergseite sähe, oder die Bäume, die den Lastwagenverkehr behindern würden. Und man fragte sich, weshalb die Nördlistrasse überhaupt breiter gebaut werden soll, wenn doch die Gäbrisstrasse vor allem im Häuserbereich keinen Zentimeter breiter gemacht werden könne.

Als Direktor der Klinik Gais sieht Georg Stoffels mit dem vorliegenden Projekt die Bedürfnisse der Klinik abgedeckt. Er erläuterte auch, weshalb die Klinik selber sich überhaupt mit einem Ausbau befasse. Es seien vor allem die neuen Anforderungen, die unter anderem mit der Aufnahme der Klinik auf die Spitalliste abgedeckt werden müssen. Das sei nicht zuletzt eine Existenzfrage der rund 200 Personen beschäftigenden Klinik.

Von SVP-Seite wurde schliesslich vorgeschlagen, dem vorliegenden Projekt nicht zuzustimmen, sondern die Auswirkungen der dieses Frühjahr eingeführten 30er-Zonen im Dorfbereich abzuwarten. Diese müssten nach einem Jahr ohnehin erhoben werden. Und erst dann sollte der Gemeinderat ohne Zeitdruck ein neues, verbessertes Projekt vorlegen.

Für Gemeindepräsident Ernst Koller ist klar: Das Projekt sei ein guter Kompromiss und verdiene am 5. Juni ein Ja.