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«Projekt ist nicht bewilligungsfähig»

In der gestrigen Ausgabe erhob Hansjörg Egli, Investor aus Thal, Vorwürfe gegen die Baubewilligungsbehörde von Wolfhalden, da sein Projekt seit Jahren blockiert ist. Gemeindepräsident Gino Pauletti und Bausekretär Urs Widmer nehmen Stellung dazu.
Monika Egli
Gibt in der Bevölkerung zu diskutieren: Überbauung Friedberg, dorfeingangs aus Richtung Rheineck. Dahinter steht eine ältere Häuserzeile. (Bilder: eg)

Gibt in der Bevölkerung zu diskutieren: Überbauung Friedberg, dorfeingangs aus Richtung Rheineck. Dahinter steht eine ältere Häuserzeile. (Bilder: eg)

Woran liegt es, dass Hansjörg Egli nach mehr als fünf Jahren noch keine Baubewilligung hat?

Urs Widmer: Uns lagen von Hansjörg Egli bisher nur Vorprojekte und keine Baugesuche vor. So machen wir es stets bei grösseren Bauvorhaben: Wir sitzen frühzeitig mit den Planern und – wo nötig – dem Denkmalpfleger zusammen, um ein Projekt weiterzuentwickeln, damit es bei der Baueingabe ein bewilligungsfähiges Projekt darstellt.

Gino Pauletti: Vorprüfungen sind dazu da, die Vorstellungen der Bauherren kennenzulernen. So kann man den Planern frühzeitig sagen, was möglich ist und was gar nicht geht. Dieses System funktioniert gut und wird auch geschätzt.

Nach einem ersten Projekt mit einem einzigen Terrassenhaus, das sich über den ganzen Hang erstreckt hätte und als zu wuchtig beurteilt wurde, liegt nun ein Plan mit drei Häusern vor. Auf dem Modell scheint dieses Vorhaben weit weniger wuchtig zu sein als beispielsweise die Überbauung Friedberg. Woran hapert es?

Widmer: Voraus und vorab an der Zonenplanänderung. Der grösste Teil des Hangs liegt in der Landwirtschaftszone.

Pauletti: So viel Boden einzuzonen, wie Egli sich das wünscht, ist nicht vertretbar. Der Gemeinderat hat eine Vorstellung davon, wie weit man ihm entgegenkommen könnte, aber Egli will praktisch doppelt so viel und rückt von seiner Vorstellung nicht ab.

Um Boden einzonen zu können, muss laut Gesetz andernorts gleich viel ausgezont werden. Egli sagt, er habe Bauland an der Hand, das er im Tausch anbieten könne.

Pauletti: Wir gehören zu jenen sieben Gemeinden im Kanton, die zu viel Bauland haben. Erst kürzlich ist diesen sieben Gemeinden vom Regierungsrat eröffnet worden, dass sie künftig statt im Verhältnis 1:1 im Verhältnis 1:2 auszonen müssen. Als Beispiel: Will man 1000 m2 einzonen, muss andernorts 2000 m2 ausgezont werden. Ob dies auch hier zur Anwendung käme oder ob man noch nach alten Regeln verfahren würde, weiss ich nicht. Aber die Einzonungswünsche von Egli lassen sich so oder so nicht realisieren. Ganz abgesehen davon, dass es dort auch noch Nachbarn gibt, die einverstanden sein müssten.

Widmer: Eine weitere Vorprojektüberprüfung durch die Baubewilligungskommission (BBK) macht erst dann Sinn, wenn das Ausmass der Bauzonenerweiterung bekannt ist.

Eglis Projekte werden als zu wuchtig beurteilt. Er ist aber ganz anderer Meinung. Wer bestimmt, was zu wuchtig ist?

Widmer: Eglis Vorprojekte wurden sowohl von der BBK als auch von der Ortsplanungskommission als nicht bewilligungsfähig beurteilt. Die ortsbauliche Einpassung wurde bei allen Vorprojekten ebenso nicht erfüllt wie gestalterische Anforderungen. Es fand offensichtlich keine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Bauplatz statt. Die Behörden hatten keine andere Wahl, als die Projekte zurückzuweisen. Bester Nachweis dafür ist, dass Egli anscheinend selbst bei einem ausgewiesenen Architekten in Heiden eine Meinung eingeholt hat. Dieser hat bestätigt, dass das Projekt nicht bewilligungsfähig ist.

Wer legt eigentlich fest, was schön ist und architektonisch geht?

Pauletti: Zuallererst sind die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten. Und wenn ein Projekt die Kernzone betrifft, ist nebst der BBK auch der Denkmalpfleger als Berater dabei.

Wenn man von Rheineck kommt, wird man von der Überbauung Friedberg mit den vier schwarzen Mehrfamilienhäusern fast erschlagen. Finden Sie das schön?

Pauletti: Es stimmt, die Häuser sind gross und gewöhnungsbedürftig. Aber es ist alles gesetzeskonform und benötigte keine Ausnahmebewilligung. Mir gefällt die Überbauung.

Widmer: Die Überbauung Friedberg ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich der immense Aufwand für Vorprüfungen lohnt. Dort gab es vom ersten bis zum bewilligten Projekt viele Gespräche mit den Planern. Aber man ist aufeinander zugegangen und das Projekt hat sich laufend entwickelt.

Wie reagierten denn die Besitzer der Häuser dahinter, die jetzt diese hohen Gebäude vor der Nase haben?

Pauletti: Natürlich hatten die Hausbesitzer der hinteren Häuserzeile keine Freude, aber da die Überbauung dem Quartierplan entsprach, konnten die Einsprachen bereinigt werden. Bei der Kronenwiese gab es keine Einsprachen.

Im Laufe der Recherchen wurde von vielen Leuten das Gleiche gesagt: Es sei ein Problem, dass der ortsansässige Architekt Hubert Bischoff Mitglied der BBK sei. Er ist laut verschiedenen Aussagen ein Mensch, der polarisiert, und man vermutet, dass seine eigenen Projekte stets durchkommen.

Pauletti: Stimmt, das hört man immer wieder, auch ausserhalb der Gemeinde. Aber es ist gut, wenn in einer solchen Kommission ein Architekt oder Planer Einsitz hat. Sonst müsste man diese Leistungen alle einkaufen. Die Regeln werden aber knallhart eingehalten: Bischoff muss in den Ausstand, sobald es eines seiner Projekte betrifft.

Widmer: In der BBK werden die Ausstandspflichten strengstens eingehalten, ob dies nun Hubert Bischoff oder ein anderes Mitglied betrifft. Bischoff ist ein ausgewiesener Fachmann und für die BBK und die Gemeinde enorm wertvoll. Dass man sich in einer solchen Position nicht nur Freunde schafft, versteht sich von selbst.

Für ein eigenes Projekt neben der «Bella Vista» hat Bischoff laut Aussage von Egli 15 Ausnahmebewilligungen erhalten. Egli vermutet auch deshalb, dass es Bischoff-Projekte einfacher haben.

Widmer: Bei Bauvorhaben können Ausnahmebewilligungen erteilt werden, wenn die Kriterien gemäss Baugesetz erfüllt sind. Die BBK hält sich in jedem Fall an diese Vorgaben.

Egli ärgert sich, dass man ihm zu Beginn laut seiner Aussage praktisch eine «Carte blanche» gab, nachher dann aber das «Strassendorf» ins Spiel kam. Er findet, dass zum Beispiel Kronenwiese und Aussenquartiere gar nichts mit einem Strassendorf zu tun haben.

Widmer: Traditionell haben wir ein Strassendorf, das sind gewachsene Strukturen. Die älteren Häuser weisen einen Bezug zum Strassenraum auf. Dass es neue Quartiere gibt, die mit neuen Zufahrtsstrassen erschlossen wurden, ist eine Tatsache, schliesslich wächst auch Wolfhalden kontinuierlich. Es gibt keine allgemein gültigen Vorgaben. Entscheidend ist, dass sich jeder Planer mit dem Ort, an dem gebaut werden soll, auseinandersetzt und die besonderen Qualitäten umsetzt.

Ist man auf der Strasse, sähe man beim Egli-Projekt lediglich zwei Häuser am Strassenrand.

Pauletti: Nur wenn man direkt vor der Überbauung steht, stimmt das. Aber von allen anderen Seiten stimmt es nicht.

Letztes Jahr erschien im «Obacht Kultur» der Artikel «Gut gebaut in Wolfhalden». Darin loben Sie, Urs Widmer, Hubert Bischoff und die ganze BBK sehr. Egli fragt sich, wie objektiv Sie überhaupt sind.

Widmer: Dieser Artikel bekräftigt die jahrelange Arbeit der BBK mit dem Ziel, die Baukultur zu pflegen. Es ist ein grosses Glück für eine Gemeinde, solch engagierte Behördenmitglieder zu haben, die nicht einfach alles bewilligen, sondern den Mut haben, sich gegen das identitätslose Bauen zu wehren.

So spielt es keine Rolle, ob ein Bauherr von auswärts kommt?

Pauletti: Definitiv nicht. Wir freuen uns, wenn Auswärtige bei uns bauen. Die Überbauung Friedberg wurde von einer Pensionskasse aus Zug erstellt und wir hatten nur positive Rückmeldungen. Ich möchte betonen, dass wir Egli keine Steine in den Weg legen. Wir sind auch bereit, für weitere Gespräche alle wieder an den Tisch zu holen. Leider geht er darauf nicht ein.

Auch zu reden gibt die Erweiterung der Überbauung Kronenwiese mit den Flachdächern mitten im Ortskern.

Auch zu reden gibt die Erweiterung der Überbauung Kronenwiese mit den Flachdächern mitten im Ortskern.

Urs Widmer Bausekretär Wolfhalden (Bild: pd)

Urs Widmer Bausekretär Wolfhalden (Bild: pd)

Gino Pauletti Gemeindepräsident Wolfhalden (Bild: eg)

Gino Pauletti Gemeindepräsident Wolfhalden (Bild: eg)

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