PROJEKT: Die Region trifft sich am Meiler

Ein Revierförster, eine Köhlerin und ein Meiler sollen möglich machen, was bisher nur schwer gelang: die Grenzen der Regionen Toggenburg, Wil, Fürstenland und Hinterthurgau zu sprengen.

Hans Suter
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Revierförster Claude Engeler vor dem Turm auf der Hochwacht ob Sirnach. Der Meiler wird voraussichtlich auf dem Parkplatz vor dem Turm aufgebaut. (Bild: Urs Bucher)

Revierförster Claude Engeler vor dem Turm auf der Hochwacht ob Sirnach. Der Meiler wird voraussichtlich auf dem Parkplatz vor dem Turm aufgebaut. (Bild: Urs Bucher)

Hans Suter

hans.suter

@wilerzeitung.ch

Claude Engeler steht auf dem Aussichtsturm Hochwacht über Sirnach. Sein Blick schweift vom Hinterthurgau nach rechts zu den Regionen Wil und Toggenburg, bei schönem Wetter mit Fernsicht bis auf den Säntis. «Ist das nicht herrlich», sagt er. Als Förster des Forstreviers Sirnach bewirtschaftet und betreut er 828 Hektaren Wald in den fünf Gemeinden Bichelsee-Balterswil, Eschlikon, Münchwilen südlich der Autobahn, Rickenbach, Sirnach und Wilen. «Eine wunderschöne Landschaft», schwärmt er. Die Hochwacht hat es ihm besonders angetan. Von hier aus sieht er auf einen Blick die ganze Grossregion – ohne jedwede Grenze. «Wer die Landschaft überblickt, kann keine einzige Grenze erkennen. Wir sind eine einzige Region, soweit das Auge reicht.»

Bleibende Momente

So reifte in ihm der Gedanke, an diesem fantastischen Ort im Sommer 2020 einen Kohlenmeiler zu erstellen. Hier kann das uralte und teilweise vergessene Köhlerhandwerk wieder erlebt werden. Zudem soll es ein einmaliges Volksfest für die Regionen Hinterthurgau, Wil, Fürstenland und Toggenburg werden. Mit verschiedenen Tagesthemen wird die ganze ­Bevölkerung angesprochen: Schulen, Jugendliche, Vereine, Familien und Gruppierungen erwarten begeisternde und erholsame Stunden. Für Behörden, Institutionen und KMU bietet das grosse Festzelt eine Plattform für den Gedankenaustausch und zum Knüpfen neuer Kon­takte.

Der gemeinnützige Anlass unterstützt nachhaltige Projekte. So ist vorgesehen, dass man sich mit einer Köhleraktie am Kohlenmeiler beteiligen kann. Als Dividende sind sechs Kilogramm regionale Holzkohle geplant. «Mit dem Erlös soll je ein Projekt von öffentlichem Interesse in den Regionen Hinterthurgau und Wil unterstützt werden», sagt Claude Engeler. Das kann etwas Neues sein, ebenso gut aber auch die Renovation eines bestehenden Kulturgutes. «Ich bin schon heute gespannt auf die eingehenden Ideen.»

Jetzt wird es heiss

Doris Wicki, die charmante Köhlerin aus dem Entlebuch, ist Garantin, dass der Kohlenmeiler nicht abbrennt, sondern verkohlt, so wie das seit dem Altertum praktiziert wurde. Dazu werden 50 Ster heimisches Holz verwendet und akribisch zu einem Meiler aufgebaut. Bei 500 Grad Celsius wird dieser dann behutsam verkohlt. Nach drei Wochen ist es schliesslich soweit. «Fünf Tonnen Holzkohle aus der Region sowie unzählige unvergessliche Begegnungen und Erlebnisse auf der Hochwacht werden in der Bevölkerung zurückbleiben», sagt Claude Engeler. «Und wohl auch so manche Freundschaft.»

Start ist am 5. Juni 2020. Dann heisst es für die Bevölkerung der ganzen Region: Herzlich willkommen am Köhlerfest Hochwacht.