Professor plädiert für die «schöne Lüge»

An einem Podium ist am Freitagabend über die Belastung oder Chance der Innerrhoder Streusiedlungslandschaft diskutiert worden. Zu den Herausforderungen gehören der Strukturwandel in der Landwirtschaft und veränderte Wohnbedürfnisse.

Roger Fuchs
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Drücken ihre Gedanken zur Zukunft der Streusiedlungslandschaft aus: Guido Buob, Stephan Scheidegger, Stefan Sutter, Vreni Kölbener (Gesprächsleitung), Mathias Binswanger, Paul Knill, Sepp Neff (von links). (Bild: rf)

Drücken ihre Gedanken zur Zukunft der Streusiedlungslandschaft aus: Guido Buob, Stephan Scheidegger, Stefan Sutter, Vreni Kölbener (Gesprächsleitung), Mathias Binswanger, Paul Knill, Sepp Neff (von links). (Bild: rf)

APPENZELL. Für den Innerrhoder Bauherrn Stefan Sutter steht fest: Die heutige Streusiedlungslandschaft im Kanton ist eine baukulturelle wie auch emotionale Errungenschaft. Alle würden heimatliche Gefühle damit verbinden. Dennoch sei es auch ein Ort, der sich wandeln können müsse. Wohin dieser Wandel geht, ist die grosse Unbekannte, wie sich an einem Podium in Appenzell zeigte. Die Umgestaltung von Häusern, der Bau neuer Ställe, die Grösse von Sitzplätzen, das Zusammenspiel zwischen Tourismus und Landwirtschaft und viele weitere Punkte machen es nicht einfach, einen gemeinsamen Weg zu finden.

So tun als ob

Für Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaftslehre und Mitglied beim Heimatschutz St. Gallen/Appenzell AI, liegt die Zukunft in einem Abwägen zwischen «schöner Lüge und hässlicher Authentizität». Dies sagte er vor dem Hintergrund, dass immer weniger Gebäude landwirtschaftlich genutzt werden. Bei der «schönen Lüge», für die Binswanger einsteht, würde man zumindest gegen aussen hin die Fassaden weiterhin so gestalten, als handle es sich bei den Häusern um traditionelle Bauernhäuser. «Hässliche Authentizität» bedeutete das Abreissen und der Neubau moderner Gebäude.

Ein Anstoss, die Streusiedlung als Ganzes zu hinterfragen, gab Architekt Paul Knill. Aus raumplanerischen Überlegungen habe die Streusiedlung ihre Berechtigung verloren.

Gast liebt heile Welt

Aus Sicht von Touristen hat die Streusiedlung durchaus ihren Wert, wie Guido Buob, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus AI, sagte. Je schöner und heiler eine Welt, desto mehr schätze dies der Gast. Gepflegt wird diese Landschaft von den Bauern. Und diese wiederum ärgern sich über Touristen, die sich alles erlauben würden, sagte Bauernpräsident Sepp Neff. Was das künftige Ausmass an Ställen betrifft, so stehe man in einer laufenden Entwicklung. Bauten müssten zudem auch immer arbeitswirtschaftlich und finanzierbar sein.

Raimund Rodewald Geschäftsleiter Stiftung Landschaftsschutz Schweiz

Raimund Rodewald Geschäftsleiter Stiftung Landschaftsschutz Schweiz