Problem Baulandhortung

In Appenzell Innerrhoden wie auch Ausserrhoden gibt es derzeit viel eingezontes, aber unüberbautes Bauland. Dass Bodenbesitzer oft wählerisch sind beim Verkauf ihres Landes, ist nur ein Grund für die Baulandhortung.

Roger Fuchs
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appenzellerland. In Appenzell Innerrhoden werden Industrie- und Gewerbezonen vor allem um das Dorf Appenzell – also auf dem Gebiet der Feuerschaugemeinde, welche das Dorf mit seinen Aussenquartieren umfasst – angeboten. Auch leben innerhalb der Feuerschaugemeinde nahezu 45 Prozent aller Einwohner, bezogen auf den ganzen Kanton.

Diese Fakten gilt es gemäss Hanspeter Koller, Betriebsleiter der Feuerschaugemeinde, im Hinterkopf zu halten, wenn man die Zahlen, welche Ralph Etter vom Innerrhoder Amt für Raumentwicklung der Zeitung zur Verfügung gestellt hat, studiert.

Besagten Zahlen zufolge befinden sich vom gesamten kantonalen Angebot an unüberbauten Bauzonen 63 Prozent (161 600 m²) in der Feuerschaugemeinde. Hier sei auch das grösste Angebot an unüberbautem Bauland in der Industriezone vorhanden (75 Prozent respektive 45 200 m²). Insgesamt beträgt das im Kanton vorhandene Angebot an unüberbauten Bauflächen in den für Dienstleistungs-, Gewerbe- und Industriebetrieben relevanten Zonen 255 200 m².

Boden als Anlegemöglichkeit

Angesichts dieser Zahlen wundert es nicht, ist regelmässig von Baulandhortung die Rede. «Boden ist eine der besten Anlagemöglichkeiten für Geld», nennt Hanspeter Koller einen der Gründe, weshalb Bauland oft nicht verkauft wird. Auch gäbe es Firmen, die nebst dem bestehenden Standort noch über weiteres Land verfügten, dieses aber als Reserve für später zurückhielten. Zudem würde Boden nicht einfach jedem verkauft.

So hat Koller schon davon gehört, dass Interessenten erst abgewimmelt wurden, nach persönlichen Kontakten dann aber plötzlich doch Boden verkauft bekommen hätten.

Hanspeter Koller legt derzeit viel Hoffnung auf eine von der Standeskommission eingesetzte Arbeitsgruppe, welche einen Bericht zur Aktivierung von Gewerbe- und Industrieland verfasst habe. Deren Bericht soll demnächst dem Grossen Rat vorgelegt werden. «Um die Baulandhortung weniger attraktiv zu machen, braucht es politische Mittel», so Koller.

Konkret denkt er beispielsweise an eine Mehrwertabschöpfung.

Grosse Veränderungen bezüglich Einzonungen auf dem Gebiet der Feuerschaugemeinde sind in den nächsten 10 bis 15 Jahren nicht zu erwarten. Der gültige Zonenplan wurde erst vor kurzem – genau gesagt im Jahre 2009 – genehmigt. Eine Überprüfung der Zonenpläne ist gemäss der kantonalen Baugesetzgebung alle zehn Jahre notwendig.

Ähnliches Bild in Ausserrhoden

Auch Appenzell Ausserrhoden verfügt über unüberbaute, aber eingezonte Flächen. Gemäss Gallus Hess, dem Leiter des kantonalen Planungsamtes, sind von der gesamten Bauzonenfläche im Kanton (1480 ha) rund 85 Prozent überbaut (1253 ha). Wissend um diese Fakten, spricht Karin Jung, Leiterin des Amts für Wirtschaft, einerseits vom Fakt, dass Bauland in Appenzell Ausserrhoden nur begrenzt verfügbar ist und anderseits das Angebot nicht unbedingt der Nachfrage entspricht.

Eine Schwierigkeit aus Sicht der Wirtschaftsförderung ist gemäss Jung, dass es in vielen Gemeinden kleinere, teils aufgeteilte Flecken gibt, welche zudem meist nicht erschlossen sind. Weitere Hürden können die Preisvorstellungen oder Auflagen der Landbesitzer an die künftige Nutzung sein.

Als grösste Problematik unterstreicht Karin Jung jedoch die fehlende Erschliessung von eingezontem Bauland.

Zwar hätten die Gemeinden bei Einzonungen eine Erschliessungspflicht, doch viele Gemeinden verfügten gar nicht über die dazu nötigen finanziellen Ressourcen. «Es ist ein Kette von Gründen, die es erschweren können, interessierten Unternehmen ein Angebot zu unterbreiten», fasst Jung zusammen. Etwas einfacher sei die Situation bei bereits hier ansässigen Unternehmen, da diese eher die Geduld aufbrächten, bis ein Projekt alle Instanzen durchlaufen hat.