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Roman Gerber und David Tanno (hinten) nehmen im Rotbach Proben von Kieselalgen und wirbellosen Tieren. Manche dieser Arten reagieren sensibel auf Wasserverschmutzung. (Bilder: Mea Mc Ghee)

Roman Gerber und David Tanno (hinten) nehmen im Rotbach Proben von Kieselalgen und wirbellosen Tieren. Manche dieser Arten reagieren sensibel auf Wasserverschmutzung. (Bilder: Mea Mc Ghee)

«Ein faszinierender Kosmos» – Wissenschaftler untersuchen Flüsse und Bäche im Appenzellerland

Alle fünf Jahre werden die Bäche und Flüsse im Appenzellerland untersucht. Kieselalgen und Wirbellose sind wichtige Informanten in Bezug auf den Zustand ihres Lebensraumes. Um die Proben zu sammeln, steigen die Wissenschaftler in zahlreiche Tobel.
Mea McGhee
Die Wasserproben werden während der Feldarbeit mehrmals gesiebt.

Die Wasserproben werden während der Feldarbeit mehrmals gesiebt.

Kieselalgen und Wirbellose: Sie sind zwar klein, aber ungemein wichtig im Ökosystem von Fliessgewässern. Manche Arten reagieren äusserst empfindlich auf Umwelteinflüsse. Daher spielen die Winzlinge bei der wissenschaftlichen Untersuchung von Bächen und Flüssen eine Hauptrolle.

Im Auftrag der beiden Appenzeller Halbkantone sind Biologe David Tanno und Umweltingenieur Roman Gerber von der Aargauer Firma Limnex AG im April unterwegs, um Proben zu nehmen. Alle fünf Jahre wird gemäss des schweizerischen Gewässerschutzgesetzes der Zustand der Fliessgewässer ermittelt.

62 Messorte in sechs Einzugsgebieten

Von einer standardisierten Fläche werden Kieselalgen entnommen.

Von einer standardisierten Fläche werden Kieselalgen entnommen.

Kontrolliert werden biologische, chemische und physikalische Kenngrössen. So können Veränderungen in Bächen erkannt werden, um wenn nötig Massnahmen einzuleiten. Rotbach, Goldach, Sitter, Wattbach, Glatt – 62 Messorte in den Einzugsgebieten Sitter, Rotbach, Goldach, Urnäsch, Rheintal und Glatt nehmen Tanno und Gerber unter die Lupe. Im Herbst wird in Ausserrhoden zusätzlich eine fischereiliche Untersuchung durchgeführt.

Messpunkte beim Badeplatz Strom

Die zwei vom Kanton festgelegten Messstellen liegen oberhalb des Badeplatzes Strom, wo Rotbach und Sitter zusammenfliessen. An diesem Nachmittag steigen die beiden Wissenschaftler mit einer Menge Material ins Gmündentobel zwischen Teufen und Stein hinab: Fischerstiefel, gelbe, armlange Gummihandschuhe, Zwei weisse Eimer, zwei verschieden grosse Netze, ein Strömungsmessgerät, Einmachgläser, Kontrolllisten, Ethanol zur Konservierung von wirbellosen Tieren, Formaldehyd, um Kieselalgen haltbar zu machen. Während Roman Gerber ins kalte Wasser des Rotbachs watet, fotografiert David Tanno die Szenerie und hält erste Beobachtungen in einer Tabelle fest.

«Trübung: nein», «Geruch: nein», «Schaum: leicht», «Schlamm: nein», «Verfärbung: keine».

Roman Gerber schabt mit einer Abwaschbürste Material von der Felswand.

Roman Gerber schabt mit einer Abwaschbürste Material von der Felswand.

Filtrierer, Räuber und Weidegänger

Ansammlung von Kriebelmückenlarven auf einem Stein. Diese Art bevorzugt einen Lebensraum mit starker Strömung.

Ansammlung von Kriebelmückenlarven auf einem Stein. Diese Art bevorzugt einen Lebensraum mit starker Strömung.

Larve einer Eintagsfliege.

Larve einer Eintagsfliege.

Die Kieselalgen bilden einen glitschigen Biofilm auf Steinen. Roman Gerber kratzt eine standartisierte Fläche ab. «AR 4.3» und «AR 4.7» werden die Deckel der Gläser beschriftet, in welchen die Proben gesammelt werden.

Larve einer köcherlosen Köcherfliege.

Larve einer köcherlosen Köcherfliege.

«Die Feldarbeit ist spannend. Man kommt immer wieder in unbekanntes Gelände.»

Sein Kollege dreht einige grosse Steine um und fängt mit einem Netz an acht Stellen allerlei Partikel ein für eine Mischprobe auf: Sand, Kiesel, Laub, Hölzchen – und hoffentlich auch Wirbellose, wissenschaftlich Makrozoobenthos genannt. Die Larven von Steinfliegen seien eine sensible Gruppe, erklärt David Tanno, der aus Lutzenberg stammt. Fehlen gewisse Gruppen von Wirbellosen, sei das ein Indiz für ein Problem. Es werden verschiedene Ernährungstypen unterschieden, etwa Filtrierer, Zerkleinerer, Räuber oder Weidegänger.

David Tanno fängt Wirbellose und allerlei Partikel mit einem Netz ein.

David Tanno fängt Wirbellose und allerlei Partikel mit einem Netz ein.

Anhand von fünf Messpunkten auf der ganzen Breite des Wasserlaufs wird die Abflussmenge geschätzt. Es handle sich um eine «grobe Feld-Methodik», sagt David Tanno, der bis über die Knie im Wasser der Sitter steht.

«Fliessgewässer sind ein eigener faszinierender Kosmos.»

Bei beiden Gewässern liegt die Abflussmenge am Messtag bei rund 330 Litern pro Sekunde. Optisch macht die Sitter den beim Messpunkt indes den «wilderen» Eindruck.

David Tanno misst die Breite der Sitter.

David Tanno misst die Breite der Sitter.

An 26 der 62 zu untersuchenden Stellen werden Wasserproben für chemische Untersuchungen entnommen. Diese müssen gleichentags ins Labor gebracht werden. Bestimmt wird unter anderem der Gehalt an Stickstoff, Phosphor Chlorid und gelöstem organischen Kohlenstoff von Nitraten. Ins Labor kommen auch die Proben «AR 4.7» und «AR 4.3».

Das Material für die Aufbewahrung der Proben steht bereit.

Das Material für die Aufbewahrung der Proben steht bereit.

Je nach Menge der Zusatzstoffe wie Moos, Laub oder Steine, kann es bis zu acht Stunden in Anspruch nehmen, bis alle gesammelten Wirbellosen aus einem Glas sortiert und bestimmt sind. Die Kieselalgen werden vom einzigen darauf spezialisierten Labor der Schweiz untersucht. Nach Feldarbeit bei sieben Messstellen ist für diesen Tag Feierabend für David Tanno und Roman Gerber. Beladen mit Netzen, Eimern und Proben, kraxeln sie das Gmündentobel hinauf.

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