Pro und kontra Kurztunnel in Teufen

Ulla Wyser Sammelbüelstr. 7a, 9053 Teufen
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Seit mehr als 25 Jahren haben Bund, Kantone und Gemeinden Dutzende Millionen investiert, um den öffentlichen und privaten Verkehr zu trennen. Diese Massnahmen haben sich bewährt und die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer durch eine Bahn im eigenen Trassee massiv erhöht. Als Nächstes verlangt der Bund die Absicherung aller Übergänge. In der ganzen Gemeinde ist das bereits geschehen, nur im Dorfkern, vom «Schützengarten» bis zum Bahnhof (500 Meter), gibt es Probleme. Die neuen Schranken werden zu Recht als extrem ortsbildstörend empfunden. Wie im Abstimmungsedikt aufgezeigt, kann man dieses Problem mit einem «(Kurz-)Tunnel» oder einer «Doppelspurlösung» durch den Dorfkern angehen. Liest man das Edikt aber genau, so planen die Appenzeller Bahnen und der Gemeinderat viel mehr als nur rund 500 Meter Doppelspur! Man will mittelfristig die Hauptstrasse vom Bahnhof bis Niederteufen in eine Doppelspur verwandeln und Tempo 30 einführen. Zudem planen die AB die Verlegung der Haltestelle Stofel mitten in die Fahrbahn, was kostenmässig im Edikt nicht abgebildet ist. Ein Bahntrassee in der Strasse führt zu Verspätungen. Die Bahn muss jedes Mal anhalten, wenn Fahrzeuge nicht in Nebenstrassen einbiegen können oder wegen Fussgängern halten müssen. Strasse und Bahn trennen ist richtig – nicht das Gegenteil! Es irritiert, dass den Stimmbürgern mit dem Abstimmungsedikt einmal mehr bezüglich Bahn nur ein verschwommenes, finanziell nicht konsolidiertes Teilkonzept präsentiert wird. Es irritiert, dass der Variante «Kurztunnel» die dazugehörenden Kosten nicht abgezogen wurden. Es irritiert, dass der Gemeinderat mit einem Verkehrskonzept plant, das von 40 Personen erarbeitet, aber von der Bevölkerung nie abgesegnet wurde. Es irritiert, dass die Gesamtkosten des Kurztunnels von 30 bis 38 auf plötzlich 61,6 Millionen Franken angestiegen sein sollen. Ich will finanzielle Klarheit über die 500 Meter Bahnführung durch den Ortskern. Darum stimme ich der Volksinitiative «Kurztunnel» zu.

Richard Wiesli Gremmstrasse 33, 9053 Teufen

Wir, mein Mann und ich, kommen gerade zurück vom «Landsgmendwaggel». Eine seit 19 Jahren (seit Abschaffung der Landsgemeinde 1997) Tradition, mit der wir mit Freunden und Freundinnen den Brauch vom Wandern an die Landsgemeinde aufrechterhalten. Natürlich wird dabei, nebst essen und trinken, auch viel erzählt und diskutiert. Dieses Mal war der Kurztunnel in Teufen ein Thema. Ein guter Kollege, und so wie ich ihn verstanden habe, eher Gegner des Kurztunnels, meinte: «In 30 oder 40 Jahren wird eh niemand mehr eine Bahn nach St. Gallen brauchen, also auch keinen Tunnel.» Genau da muss ich einhaken! Also gehen wir davon aus, dass wir in 30 oder 40 Jahren (ich und viele weitere Bewohnerinnen und Bewohner von Teufen werden dann nicht mehr da sein) keine Bahn mehr nach St. Gallen brauchen, weil alle mit dem Privatauto oder öffentlichen Bussen (wahrscheinlich alle selbstgesteuert) unterwegs sind. Und dann sind alle diese Vehikel im Dorfzen­trum unterwegs nach St. Gallen? Wenn es dann einen Tunnel gibt, der von den Ahnen (von uns!) in weiser Voraussicht noch für die Entlastung des Dorfkerns von der Bahn gebaut wurde, kann er ohne allzu grossen Aufwand für den Automobilverkehr genutzt werden. Also, liebe Teufnerinnen und Teufner, setzen wir uns ein für positive Visionen und legen am 21. Mai ein klares Ja ein zu einem Tunnel, kurz oder allenfalls doch einen langen! Wir wollen in Weitsicht planen und uns auch für unsere Nachkommen für ein lebens- und wohnfreudiges Teufen einsetzen! Ich bin eine klare Befürworterin des Kurztunnels Teufen.

Ulla Wyser Sammelbüelstr. 7a, 9053 Teufen

Es ist erlaubt, über eine Sachlage neue Erkenntnisse zu erhalten, Meinungen zu revidieren und gescheiter zu werden. Dies erfordert allerdings Weitblick im Denken und Tun, gerade auch in Bezug auf die Kurztunnel-Diskussion. Denn: Es geht nicht um das Jetzt, sondern um die künftigen Generationen. Auch der Gotthardtunnel wäre nicht entstanden, hätte Alfred Escher nicht einen visionären Gedanken gehabt. Was jedoch den Kurztunnel in Teufen anbelangt, braucht es nebst Visionen ebenso Verantwortungsbewusstsein. Auch die Appenzeller Bahnen haben ihre Verantwortung als öffentliche Anbieter wahrzunehmen; mithin haben sie den Schlüssel in der Hand, indem sie nicht polarisieren, sondern echten Mehrwert zur Problemlösung beitragen. Denn: Weshalb eine Doppelspur durch Teufen bis gar nach Lustmühle? Will man den Individual- gegen den Bahnverkehr ausspielen? Sind zwischen der Gemeinde und den Appenzeller Bahnen bereits Präjudizien geschaffen worden? Lassen wir uns gar von den Appenzeller Bahnen vorführen, indem sie unseren Dorfplatz verschandeln und vor allem das Gewerbe reihum vom Dorfplatz vertreiben? Solche Fragen gehören auf eine Agenda von Problemlösungsrunden, und nicht Rechtfertigungen. Bestimmt gehört ein Zug in den Tunnel und eine Doppelspur nicht auf die Hauptstrasse unseres schönen Dorfes. Vergleicht man die Vor- und Nachteile des «Kurztunnels» mit der nicht wirklich valablen Alternative «Doppelspur», liegt es klar auf der Hand: Der Kurztunnel muss realisiert werden. Bereits im Vorfeld der seinerzeitigen Abstimmung über die Tunnel­lösung ab Stofel vor zwei Jahren wurden wir Einwohner von Teufen leider in die Irre geführt, beziehungsweise es wurde uns weisgemacht: Kostenüberschreitungsgefahr, Steuerfusserhöhung, Nichtrealisierung von Investitionen etc. Dies hatte beileibe nichts mit Weit-, vielmehr mit Tunnelblick zu tun. Teufen ist notabene das einzige Dorf im Appenzellerland, bei welchem eine Bahn mitten durch den Dorfkern führt. Dies just in einem Dorfzentrum, welches, richtig herausgeputzt, durchaus für den Wakker-Preis nominiert werden könnte. Dies aber nur dann, wenn der Kurztunnel realisiert wird.

Rolf Brunner Lindenstrasse 5, 9062 Lustmühle

Nicht die öffentliche Meinung drängt den Staat zum Handeln, sondern die ihm von der Verfassung zugewiesene Führungsrolle. Regieren heisst aber auch vorausschauen. Seien wir, Regierende und Bevölkerung, in beidem optimistisch und nutzen wir die Gelegenheiten zu visionärem Handeln. Gewiss, der Kurztunnel ist nicht visionär, er ist der letzte Notnagel vor einem behördlichen Kurzschluss. Denn jene, welche die fantasielose Doppelspur propagandieren, werden schlussendlich nicht mit ihrem Namen geradestehen. Die Abstimmung vor zwei Jahren wurde seitens des Gemeinderates mit finanziellen Horrorszenarien und Steuererhöhungen schwarzgemalt. Seien wir nicht nachtragend und nehmen die verbliebenen und neuen Räte für einen Neustart an die Hand, um sie nach einem positiven Kurztunnelentscheid im Langtunnel zu begrüssen.

Matthias Brägger Schützenbergstrasse 8a, 9053 Teufen

In der Rechnung 2016 der Gemeinde Teufen ist mir aufgefallen, dass zur Abklärung der Gültigkeit der eingereichten Kurztunnel-Initiative für das Rechtsgutachten und Studien ungefähr 75000 Franken ausgegeben worden sind (Seite 60, Pos. 012 und 615). Dies sind wohlverstanden nur die externen Kosten und nur für ein Kurzgutachten. Die Feststellung der Gültigkeit liegt in der Kompetenz des Gemeinderates. Die eingereichten Unterschriften entsprechen fast einem Viertel der stimmberechtigten Einwohner der Gemeinde Teufen, also neunmal mehr als benötigt. Was veranlasste also den Gemeinderat, ein externes Gutachten in Auftrag zu geben? Wollte er einen Volksentscheid über eine neue Tunnelvariante verhindern (der Gemeinderat war schon gegen den Langtunnel)? Kuscht er vor den Appenzeller Bahnen wie seinerzeit beim Bau des Geschäftshauses beim Bahnhof? Fürchtet er sich vor der Mehrarbeit bei einem allfälligen Volks-Ja? Ist der Gemeinderat deshalb mit 9:0 Stimmen gegen den Kurztunnel? In diesem Falle wurden also unsinnigerweise Steuergelder verschleudert, und das Demokratieverständnis des Gemeinderats lässt zu wünschen übrig.

Reto Carmen Stockenhof, Teufen

Heute findet die Orientierungsversammlung zum Kurztunnel statt. Mittlerweile liegt das Edikt vor. Etwas spät, das Warten hat sich gelohnt. Interessant, die Fakten welche man nun vorfindet. 10 Millionen Kostenbeitrag sagen die Befürworter, 24 Millionen sagen die «offiziellen Stellen», die ihre Kostenberechnungen zusätzlich extern prüfen liessen. Wer schummelt wohl? Ist es richtig, behindertengerechtes Roll­material zu kaufen, niveaulose Zugänge zu schaffen und dann den Bahnhof rund vier Meter abzusenken und mit Treppen und Aufzügen zu versehen? Und was ist mit dem Dorfbild? Eine rund zehn Meter hohe Klagemauer und grosse Eingangsportale? Hat «unser» Bahnhofsgebäude noch eine Funktion? Wie funktioniert die Untertunnelierung bestehender Gebäude direkt unter deren Bodenplatte? Spürt man die Trambewegungen in den darüberliegenden Häusern analog zum Ortsteil Kronbühl in Wittenbach? Wer kommt für Schadenersatzforderungen auf? Ist es richtig, an die 1800 Lastwagen nur für die Entsorgung von Aushubmaterial durch unser Dorf ins Vorarlberg zu jagen? Und stimmt es, dass der Bahnhofkreisel wegen des Trams notwendig ist? Was geschieht, wenn Bund und Kanton keine Beiträge für eine betriebswirtschaftlich schlechte Lösung «lockermachen»? Lauter Fragen, die an der Orientierungsversammlung, so hoffe ich, schlüssig beantwortet werden sollten. Und zuletzt: Wie konnte die SVP die Ja-Parole fassen, ohne dass sämtliche Fakten auf dem Tisch lagen und verifizierte, seröse Informationen zu diesem Zeitpunkt gar nicht vorlagen? Ich bitte alle Stimmberechtigten, gut zu überlegen, ob von zwei möglichen Lösungen zwingend die teure Lösung gewählt werden muss. Eins ist sicher: Das Dorf wird bestimmt wieder schöner, dann nämlich, wenn die übertriebenen Werbeplakate verschwunden sind.

Christian Meng alt Gemeinde- und Kantonsrat Kurvenstrasse 17, 9062 Lustmühle

Teufen hat sich 2015 gegen den Tunnel entschieden und grünes Licht für die Projektierung der Doppelspur gegeben. Über die Hintertür der Initiative versuchen die Verlierer, eine Abstimmung über eine Kurztunnel­variante zu erzwingen. Diese ist nicht geplant, sondern Wunschdenken; reale Kosten können nicht beziffert werden. Nach einem Ja folgt die Vorlage des Projektierungskredits, nach der Projektierung die Vorlage der Ausführung. Dazwischen vergehen Jahre, die das Bahnprojekt und die Verkehrsberuhigung im Dorf stoppen. Die Abrechnung am Ende – nebst den horrenden Tunnelkosten: sämtliche Kosten der bisherigen Projektierung und auch Kosten der jahrelangen Projektverzögerung. Die Tunnelbefürworter warten mit angeblichen «Fakten» auf. Fakt ist, dass Teufen nicht nur Nein zum Tunnel gesagt, sondern vor 30 Jahren erwirkt hat, dass die Baulinie durch die Grünfläche im Landhaus für den Anschluss der Speicherstrasse an den Lindenkreisel vom Kanton aufgehoben wurde und damit die Sport­anlage gebaut werden konnte. Zudem wurde eine «Kommission zur Sicherung der Bahnübergänge» bestellt. Diese war vehement der Ansicht, dass beim Bahnhof kein Kreisel gebaut werden kann. Das ist heute noch ihr Argument, obwohl die endlich in Angriff genommene Planung das Gegenteil beweist. Die Initianten sind der Ansicht, dass es finanziell möglich sei, den Tunnel aus eigener Kraft zu bezahlen. Wer so argumentiert, lebt in einer Wirklichkeit, die mehr auf das eigene gefüllte Portemonnaie ausgerichtet ist als auf das Gemeinwohl der zukünftigen Generationen. Wenn Speicher, Trogen und auch die Stadt St. Gallen mit der «Appenzeller Bahn» im Dorf leben können, kann man das auch in Teufen. Die Herausforderung der Zentrumsgestaltung lässt sich mit der Verlangsamung des Verkehrs, dem Kreisel beim Bahnhof und einer Doppelspur der Bahn bewältigen. Deshalb und aus anderen Gründen sage ich klar Nein zu der Zwängerei einer neuen Tunnelvariante in Teufen.

Paul Grunder Bächli 2, 9053 Teufen

Endstation Chaos? Es hat zwar einige Zeit gedauert, aber nun melden sich langsam die Doppelspur-Euphoriker zu Wort. Allerdings beschränken sie sich darauf, wohl in Ermangelung eigener Argumente, verbal auf die Kurztunnel-Befürworter einzudreschen oder gleich eine ganze Drohkulisse gegen die Teufner Einwohner aufzubauen nach dem Motto: Bahn frei, jetzt kommen wir! Sogar ein eigenes Suggestiv-Vokabular lässt sich erkennen: Von «Untergrundbahnhof» und «Strassendorf» ist die Rede – Nein! Teufen ist gerade kein Strassendorf, solange der eine Dorfeingang nicht aus dem Weg geräumt wird und das Haus Elektro Nef noch seine Pförtnerfunktion wahrnehmen kann, und solange der andere Dorfeingang nicht durch einen Megakreisel zur Drehscheibe für jedes erdenkliche Verkehrsmittel verunstaltet wird, sodass der Dorfeingang zur Kreiselausfahrt verkommt. Teufen hat das Potenzial, durch seinen intakten Dorfkern mit seinen gut erhaltenen, ortstypischen Häuserzeilen und die prägenden öffentlichen Bauten wie das Schul- und das Gemeindehaus des berühmten Architekten F. W. Kubly und natürlich der Grubenmann­kirche zu einem lebendigen Kleinod im Appenzellerland zu werden. Dazu gehört aber eben auch ein intakter Aussenraum, der diese Qualitäten erlebbar macht. Teufen wird nie ein Dorfleben mediterraner Prägung entwickeln, aber Teufen kann seine Traditionen in einem intakten, nicht durch Masten, Gleise und kurzgetaktete Strassenbahnfahrten beeinträchtigten Umfeld pflegen. Während Jahrzehnten haben die Teufner, wohl oder übel, die Durchfahrt der Bahn mitten durch den Dorfkern erduldet, ihre Einwohner und Besucher den Gefahren ausgesetzt und Lärm und Erschütterungen in Kauf genommen. Nunmehr bietet sich diese einmalige – und letzt­malige – Chance, mit einem kräftigen «Ja zum Kurztunnel» Teufen jene Identität zu verleihen, die es längst verdient hat.

Thomas Zaugg, 9062 Lustmühle