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PRO UND CONTRA ZUM PREISNACHLASS IM "RÖSSLI": Kundenbindung versus Touristenabzockerei

Das Restaurant Rössli in Brülisau gewährt Stammkunden beim Mittagessen einen Preisnachlass von fast zehn Franken. Der Wirt hat dies gestern gegenüber der «Appenzeller Zeitung» begründet. Die Meinungen darüber sind geteilt.
Die Preispolitik im Restaurant Rössli in Brülisau sorgt für kontroverse Diskussionen. (Bild: Christian Beutler /KEY)

Die Preispolitik im Restaurant Rössli in Brülisau sorgt für kontroverse Diskussionen. (Bild: Christian Beutler /KEY)

Pro: "Entschädigung für Einheimische ist angebracht"


Ich bin Dönerliebhaber. Selbstverständlich besuche ich vorwiegend die Imbiss­bude meines Vertrauens. Zum Inhaber pflege ich eine gute, aber rein geschäftliche Beziehung. Im Gegenzug dafür, dass ich einen Grossteil meines bescheidenen Praktikantenlohnes bei ihm ausgebe, gewährt er mir des Öfteren Gratisgetränke, Gratisdesserts, und zwischendurch bekomme ich das ganze Menu umsonst. Was soll daran falsch sein? Der Inhaber weiss, dass er mit mir einen unverzichtbaren Stammkunden hat, und pflegt die Beziehung.

Elias Eggenberger, Praktikant Appenzeller Zeitung.

Elias Eggenberger, Praktikant Appenzeller Zeitung.

Jüngste Statistiken zeigen Erschreckendes: Sechs von zehn Schweizer Gastronomiebetrieben schreiben rote Zahlen. Schweizer würden zwar öfters auswärts essen, geben jedoch immer weniger Geld dafür aus. Ein Vorteil für Schnellimbisse und grosse Restaurantketten. Familienbetriebe leiden aber darunter. Sie können dem Preisdruck schlicht nicht mehr gerecht werden. Gefragt sind innovative Geschäftsmodelle. Kundenbindungen sind dabei das A und O. Stammgästen Preisnachlässe zu gewähren, ist also gar keine schlechte Idee. Treue wird belohnt. Mit dieser Strategie machen sich auch Migros und Coop den Marktanteil streitig.

Dass Touristen in Innerrhoden nicht nur Erfreuliches hervorbringen, ist längst bekannt. Daniel Lüchinger, Wirt des Berggasthauses Staubern, postete ein Video auf Facebook, wie er den von Touristen hinterlassenen Abfall zusammenliest. Für den Mehraufwand, den Touristen verursachen, einen Aufpreis im Restaurant zu verlangen, wäre doch keine Unverschämtheit.

Nicht nur in der Gastronomie, sondern auch in anderen Branchen werden Einheimische bevorzugt. Bei Bergbahnen ist es üblich, dass Ansässige eine Ermässigung für das Ticket bekommen. Sie sind es ja, die das grössere Verkehrsaufkommen, vor allem während der Saison, hinnehmen müssen. Es ist nicht vermessen, diesen Grundsatz auch in der Gastronomie anzuwenden. Gut besuchte Restaurants verursachen ebenfalls grössere Verkehrsaufkommen. Als Entschädigung für die Einheimischen ist es ange­bracht, das Essen günstiger rauszugeben. In diesem Sinne, liebe Brülisauer-Büezer, en Guete!

Roger Fuchs, Redaktor Appenzeller Zeitung. (Bild: Martina Basista)

Roger Fuchs, Redaktor Appenzeller Zeitung. (Bild: Martina Basista)

Contra: "Transparenz auf der Speisekarte schaffen"


Das geht nicht, lieber «Rössli»-Wirt in Brülisau. Zu den unregelmässigen Gästen, die fast zehn Franken mehr für ein Mittagessen bezahlen müssen, gehören primär Touristen. Spricht sich solches herum, ist schnell von Touristenabzockerei in Innerrhoden die Rede. Zudem wird diese Sachlage zu einem ungünstigen Zeitpunkt öffentlich. Vor wenigen Tagen haben die Besitzer der geschlossenen «Krone» in einem Artikel der «Appenzeller Zeitung» moniert, dass mit Einheimischen anders umgegangen werde als mit Auswärtigen. Wenn es dazu einen von der «Krone» unabhängigen Beweis brauchte, liegt dieser nun vor.

Selbst wenn es in der Gastrobranche oder auch in anderen Betrieben üblich sein mag, dass man guten Gästen einmal ein «Zückerchen» gibt, so sollte es, wenn es mit Systematik betrieben wird, wenigstens deklariert werden. Transparenz lautet das Zauberwort. Herrscht solche nicht vor, braucht sich auch der Bergwirte- und Gastroverband nicht zu ärgern, wenn Medien entsprechende Geschichten aufgreifen.

Unerklärlich ist bei der Preispolitik des «Rössli» in Brülisau die Reaktion des Tourismuspräsidenten. Ein öffentliches Restaurant ist gewiss keine Mensa für Arbeiter. Als Gast erwarte ich, nicht in eine Zweiklassengesellschaft eingeteilt zu werden. Dabei läge die Lösung auf der Hand: Würden die Arbeiter fünf Franken mehr bezahlen und die Touristen dafür fünf Franken weniger, bliebe dem Wirt unter dem Strich gleich viel Geld im Portemonnaie. Und das Image des Tourismuskantons Innerrhoden brauchte nicht zu leiden.

Zehn Franken Unterschied bei ein und demselben Mittagsmenu sind kein Klacks. Der Wirt argumentiert unter anderem mit kleineren Portionen, die er den einheimischen Arbeitern servieren würde. Das tönt nach einer dünnen Begründung. Sind es nicht gerade die Arbeiter, die am Mittag oft einen grossen Hunger verspüren? Niemand von diesen wird regelmässig ein Restaurant aufsuchen, in dem er oder sie nicht satt wird.

Fazit: Hier gilt es, über die Bücher zu gehen oder zumindest Transparenz auf der Speisekarte zu schaffen.

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