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PRO UND CONTRA: Duzis machen: Unsitte oder typisch Appenzellisch?

Als Kind wird einem beigebracht, dass man nicht einfach jede und jeden duzen darf. Trotzdem scheint es heute vielerorts Usus, sich mit «Du» anzusprechen. Die Meinung ob solchem Verhalten gehen zwischen Patrik Kobler und Roger Fuchs auseinander.
Patrick Kobler, Redaktionsleiter (Bild: Martina Basista)

Patrick Kobler, Redaktionsleiter (Bild: Martina Basista)

Patrick Kobler, Redaktionsleiter (Bild: Martina Basista)

Patrick Kobler, Redaktionsleiter (Bild: Martina Basista)

...so lange man anständig miteinander ist

Pro: Manchmal kommt mir jener Hobby-Astronom in den Sinn, der sagte, dass man beim Blick in die unendlichen Weiten des Weltalls feststelle, mit welchen nebensächlichen Problemen sich die Menschen auf der Erde teilweise befassen würden. In diese Kategorie Probleme gehört auch, ob man sich duzt oder siezt. Das spielt doch keine Rolle, so lange man anständig miteinander umgeht.

Eine Beziehung verändert sich nicht dadurch, ob man sich duzt oder siezt. Man wird auch nicht zum besseren Menschen, wenn man eine Krawatte trägt, sich die Haare kurz schneidet oder Millionen verdient. Entscheidend ist immer die Persönlichkeit. Wenn einer höflich ist, ist er höflich. Wenn einer frech ist, ist er frech. Wenn einer distanziert ist, ist er distanziert.

Der vermeintliche «Duzis-Trend» ist nicht der Untergang des Abendlandes. Nur weil man sich duzt, werden noch lange nicht alle Regeln des Anstands über Bord geworfen. Ebenso wenig liefert man sich Abhängigkeiten aus. Denn auch hier ist die Persönlichkeit entscheidend: Wer unabhängig ist, ist unabhängig. Wer korrupt ist, ist korrupt. Wer unterwürfig ist, ist unterwürfig.

Hinzu kommt, dass es hierzulande fast eine Unsitte wäre, auf eine «Sie-Kultur» zu pochen. Im Appenzellerland mag man es in der Regel unkompliziert. Schliesslich sind wir keine Adligen, sondern ein einig Volk von Brüdern. In lichten Momenten hocken in der Beiz immer noch alle an einem Tisch zusammen, der Büezer, der Schlipsträger, der (Lebens-)Künstler, der Pensionär. Man geniesst die Geselligkeit und sagt sich so ziemlich alles – bloss nicht Sie. Das wäre steif.

Manche mögen es steif, weil sie sich für etwas Besseres halten. Das hat dann allerdings weniger mit Respekt als mit Hochnäsigkeit zu tun.


Roger Fuchs, Redaktor

Roger Fuchs, Redaktor

Der Anstrich eines billigen Kumpels

Contra: Eine Unsitte breitet sich immer mehr aus: Kürzlich habe ich in einer Bergbeiz im Alpstein und auch in einem neuen Herisauer Spielpark mittels «Du» vermittelt bekommen, als sei ich der beste Kollege – ohne das Personal je zuvor gesehen zu haben. Selbst in unserem Schulkreis hat sich der «Duzis-Trend» ausgebreitet. Das läuft mir zuwider. Auch wenn Unternehmen oder Institutionen glauben, mit dem «Du» ihr Image aufpolieren zu können, so gibt dies mir als Gegenüber den Anstrich eines billigen Kumpels. Statt die gewollte Vertrauensebene herbeizuführen, stösst mich solches viel eher ab.

Die Duzerei impliziert eine Nähe, die ich nicht automatisch will. Was kann denn so schlecht sein, über das «Sie» eine gewisse Distanz zu wahren? Vielmehr bedeutet doch Distanz auch Professionalität. Die Vorteile eines «Sie» gehen aber noch weiter: Primär zu nennen ist die Neutralität. Ein «Sie» lässt weder auf Sympathie noch Antipathie schliessen. Dazu erleichtert es in vielen Fällen sachliche und kritische Diskussionen. Und es ist weniger mit verbalen Ausrutschern zu rechnen. Ein «Sie» hat also auch mit Respekt zu tun. Ganz zu schweigen davon, dass es mir und dem Gegenüber das Gefühl gibt, auf gleicher Augenhöhe miteinander sprechen zu können. Setzt jemand unerwartet zum «Du» an, kippt die Hierarchie. Ich werde herunterdegradiert, wenn ich nicht selbst widerwillig mit der gleichen Anrede nachziehe.

Auch in unserer Zeit ist es also falsch, das Siezen als veraltet zu bezeichnen – es ist auch weder konservativ noch zu wenig innovativ. Im Gegenteil: In Zweifelsfällen ist bei flüchtigen und nicht alltäglichen Begegnungen dem Siezen der Vorzug zu geben, um komische Situationen oder Unsicherheiten zu vermeiden.

Ganz unangenehm wirds, wenn einem bei einem Fest das «Du» angeboten wird, beim nächsten Mal aber das Gegenüber so tut, als wüsste es nichts mehr davon. Von der Duzis-Unsitte bewegen wir uns hier sogar hin zur Stillosigkeit.

Anstossen, Duzis machen - das war einmal: Heute ist man oft gleich schon beim ersten Kennenlernen per Du. (Bild: Ralph Ribi)

Anstossen, Duzis machen - das war einmal: Heute ist man oft gleich schon beim ersten Kennenlernen per Du. (Bild: Ralph Ribi)

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